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Das Imperium lebt!

Mit der Erklärung von Alma-Ata wurde die Sowjetunion 1991 offiziell zu Grabe getragen. Doch die Artikelserie »Das Erbe der Sowjetunion« von ZEIT ONLINE und Körber-Stiftung hat gezeigt: Das sowjetische Imperium lebt bis heute in den porträtierten Ländern fort. Gabriele Woidelko, Leiterin des Fokusthemas »Russland in Europa«, fasst zusammen.

Als im Dezember 1991 die Staats-  und Regierungschefs von insgesamt dreizehn Sowjetrepubliken die Alma-Ata-Erklärung unterzeichneten, war das der letzte Akt eines langen Ringens um Macht, Fortschritt, Freiheit und nationale Unabhängigkeit. Mit der Erklärung von Alma-Ata wurde die Sowjetunion , das letzte europäische Imperium, offiziell zu Grabe getragen. Die Zeichen standen damals auf Hoffnung: Hoffnung auf mehr Demokratie, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt, das Ende des Kalten Krieges und der Blockkonfrontation. Kurz gesagt: Das »gesamteuropäische Haus«, von dem Michail Gorbatschow 1989 gesprochen hatte, schien in greifbare Nähe gerückt zu sein.

Heute, 25 Jahre nach 1991, wecken das konfrontativen Auftretens Russlands, enttäuschte Hoffnungen auf eine schnelle und gleichberechtigte Einbindung in EU und NATO oder anhaltende gesellschaftliche und wirtschaftliche Herausforderungen in vielen der ehemaligen Sowjetrepubliken Ängste, Misstrauen und Unsicherheiten. In der kürzlich erschienenen Serie von Körber-Stiftung und ZEIT ONLINE zum »Erbe der Sowjetunion« haben Autoren aus Russland, der Ukraine, den baltischen Staaten, dem Kaukasus sowie aus Belarus und Moldau Bilanz gezogen und geschildert, wie es ihren Ländern aktuell geht.

Die Expertise und Standpunkte der Autoren sind sehr heterogen und sprechen jeweils für sich; jenseits der unterschiedlichen nationalen Rahmenbedingungen und Erfahrungen gibt es aber eine Reihe von Gemeinsamkeiten, die es sich zu betrachten lohnt. Sie verdeutlichen, dass das sowjetische Imperium bis heute in allen genannten Ländern fortlebt - und zwar unabhängig davon, wie die einzelnen Nationalstaaten selbst zu ihrem sowjetischen Erbe stehen und unabhängig auch von den eindrucksvollen Erfolgsgeschichten, die einige der Länder seit 1991 zu verzeichnen haben.

Dass die Sowjetunion nach 25 Jahren in ihren ehemaligen Mitgliedsstaaten noch Schatten wirft, ist an sich wenig verwunderlich. Die Einschnitte durch sowjetische Nationalitäten-, Migrations- und Sprachenpolitik, zentral gelenkte Planwirtschaft und Industrialisierung, sowie durch die Unterdrückung bürgerlich-demokratischer Gesellschaftsstrukturen und politische Repression in den Jahrzehnten vor 1991 waren so tiefgreifend, dass die Zeitspanne einer Generation kaum ausreicht, um dieses Erbe vollständig zu verarbeiten und aufzuarbeiten. Gerade aus deutscher Perspektive ist dies sehr gut nachvollziehbar. Auch in Deutschland ist die Aufarbeitung der DDR-Geschichte und die Nivellierung der Unterschiede zwischen Ost und West ein bis heute anhaltender Prozess.

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