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  • Verena Rossow, Preisträgerin 2021 in der Sektion Sozialwissenschaften (Foto: Körber-Stiftung / Patrick Pollmeier )
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    Deutscher Studienpreis: Schirmherrin Bärbel Bas hat Preisträger:innen am 9. Mai in Berlin ausgezeichnet

    Die drei mit je 25.000 Euro dotierten ersten Preise des Jahrgangs 2021 gingen an die Sozialwissenschaftlerin Verena Rossow von der Universität Duisburg-Essen, den Mediziner Philipp Schommers von der Universität zu Köln und die Literaturwissenschaftlerin Davina Höll von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

    Mit dem Deutschen Studienpreis zeichnet die Körber-Stiftung exzellente Dissertationen aus, die eine besonders hohe gesellschaftliche Relevanz haben.

    Erster Preis in der Sektion Sozialwissenschaften

    Der Preis der 24-Stunden-Pflege: In Deutschland übernehmen in mehr als 160.000 Haushalten sogenannte »Live-ins« die Betreuung von Pflegebedürftigen. Sorgende Angehörige werden dabei im Prinzip zu Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern dieser 24-Stunden-Pflegekräfte, die meist aus Osteuropa kommen. Die Sozialwissenschaftlerin Verena Rossow hat erstmals deren komplexe Situation und Sichtweise analysiert – jenseits der Frage nach der Legalität und Legitimität solcher Modelle. Mithilfe von Interviews hat sie ergründet, was dieses sehr persönliche Arbeitsverhältnis für Angehörige bedeutet und was sich in unserem Gesundheitssystem ändern muss.

    Erster Preis in der Sektion Natur- und Technikwissenschaften

    »1-18« kann die HIV-Therapie revolutionieren: Die HIV-Pandemie hat bereits 35 Millionen Todesopfer gefordert, immer noch sterben weltweit 700.000 Menschen jährlich an AIDS. Als neue Option zur Bekämpfung von HIV werden intensiv Antikörper erforscht, bekannte Antikörper wirken bislang nur beschränkt. Der Grund: Das Virus mutiert, die Antikörper können nicht mehr an das HIV binden – und das Virus wird resistent. Der Mediziner Philipp Schommers hat den Antikörper »1-18« entdeckt, der Mutationen und damit Resistenzen verhindert. Der Antikörper macht nicht nur eine Revolution der Therapie denkbar, sondern lässt auf einen Fortschritt in der HIV-Prävention hoffen.

    Erster Preis in der Sektion Geistes- und Kulturwissenschaften

    Was Literatur uns über Seuchen lehrt:  Davina Höll hat am Beispiel der Cholera untersucht, welche Bedeutung Literatur in pandemischen Ausnahmezuständen hat. Die Dissertation ist an der Schnittstelle von Literaturwissenschaft und Medizingeschichte angelegt. Ihre These: Literatur verarbeitet das Grauen und schafft ein eigenes Wissen über Seuchen. Sie sei »ein machtvolles Instrument, um der Ohnmacht zu begegnen«, so Höll. Dabei werde die Cholera in den Texten des 19. Jahrhunderts selten explizit benannt, sei als vielgestaltiges Gespenst jedoch umso präsenter.

    Sechs zweite Preise

    Neben den drei Spitzenpreisen vergibt die Körber-Stiftung sechs zweite Preise, die mit je 5.000 Euro dotiert sind. In den Geistes- und Kulturwissenschaften wurden Helena Barop (Geschichtswissenschaften, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg) und Tobias Vogel (Philosophie, Ruhr-Universität Bochum) ausgezeichnet. Prämiert wurden in der Sektion Sozialwissenschaften Nadine Knab (Psychologie, Universität Koblenz-Landau) und Anike Krämer (Soziologie, Ruhr-Universität Bochum). Die zweiten Preise in der Sektion Natur- und Technikwissenschaften gingen an Nhomsai Hagen (Pharmazie, Eberhard Karls Universität Tübingen) und Moritz Koch (Mikrobiologie, Eberhard Karls Universität Tübingen).

    Bundestagspräsidentin Bärbel Bas hat den Deutschen Studienpreis am 9. Mai 2022 um 19 Uhr im Berliner Humboldt Carré verliehen. 


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