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Meldung

Sozialpolitik als Bildungspolitik

Studienpreisträgerin Anne Christine Holtmann diskutierte mit Bundestagsabgeordneten in Berlin über Bedingungen für den Bildungserfolg von Schülerinnen und Schülern. Neben schulischen sind auch soziale Faktoren für die Leistungen benachteiligter Kinder zentral.

In der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin kamen Abgeordnete verschiedener Parteien zur Veranstaltung »Eine Stunde junge Wissenschaft: Bildungsungleichheit«, um mit Anne Christine Holtmann über ihre Forschungsergebnisse zu diskutieren. Für ihre Doktorarbeit wurde die Soziologin im vergangenen Jahr mit dem ersten Preis in der Sektion Sozialwissenschaften des Deutschen Studienpreises ausgezeichnet. In ihrer Dissertation untersuchte sie den Einfluss verschiedener schulischer und sozialer Faktoren auf die Leistungsentwicklung von Schülerinnen und Schülern in 35 Ländern. Dabei kam heraus, dass die Kompetenzunterschiede in Ländern mit großer sozialer Ungleichheit deutlicher auseinandergehen als in Ländern, in denen etwa die Einkommensungleichheit geringer ist. Außerdem erzielen sozioökonomisch benachteiligte Kinder an sozial durchmischten Schulen bessere Ergebnisse, während privilegierteren Schülerinnen und Schülern, anders als oft angenommen, durch die Durchmischung kein Nachteil entsteht.

Auf einen kurzen Input der Referentin zu Beginn der Veranstaltung folgte die Diskussion mit den Abgeordneten. Dabei ging es sowohl um methodische Fragen, als auch um konkrete politische Schlussfolgerungen: Wie kann eine größere soziale Durchmischung von Schulklassen erreicht werden? Wie wirkt sich der Besuch von Ganztagsschulen auf die Kompetenzen von Kindern aus? Welchen Einfluss haben sozialpolitische Maßnahmen auf die Chancengleichheit von Kindern? »Sozialpolitik ist Bildungspolitik«, so Anne Christine Holtmann. Der Anteil der Schulen an der Kompetenzentwicklung der Kinder sei zwar wichtig, ebenso seien jedoch der familiäre Hintergrund und die Förderung, die die Kinder außerhalb der Schulen erhalten, von zentraler Bedeutung.

Unter dem Titel »Eine Stunde junge Wissenschaft« sind Abgeordnete des Bundestags und des Berliner Abgeordnetenhauses dreimal im Jahr eingeladen, mit Studienpreisträgerinnen und -preisträgern über deren Forschungsergebnisse zu diskutieren. Die Veranstaltungsreihe steht unter der Schirmherrschaft des SPD-Bundestagsabgeordneten Ernst Dieter Rossmann, Vorsitzender des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung.

Interview mit Anne Christine Holtmann auf SWR 2
Video: Studienpreisträgerin Anne Christine Holtmann im Interview
Der Wettbewerbsbeitrag zum Deutschen Studienpreis (PDF)
Weitere Informationen zum Deutschen Studienpreis


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