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Hochdotierter »Start me up!«-Gründerpreis geht an Studienpreisträger

Von der Theorie in die Praxis, vom Promotionsprojekt zur Unternehmensgründung: Dr. Christian Schwarz überzeugte die Studienpreis-Jury 2013, blieb anschließend seinem Promotionsthema treu und setze sein Konzept zur nachhaltigen, kostengünstigen Herstellung von Peptiden in seinem neugegründeten Unternehmen Numaferm um – mit großem Erfolg: Anfang Juni 2018 erhielt er den hochdotierten Gründerpreis »Start me up!«.

Herr Dr. Schwarz, Sie beschäftigen sich mit Peptiden, deren Bedeutung für unseren Alltag vermutlich nicht allen unmittelbar zugänglich ist. Warum lohnt es sich, zu Peptiden zu forschen?

Peptide sind kleine Proteine beziehungsweise Enzyme. Wegen ihrer einzigartigen Eigenschaften sind sie mittlerweile in der Pharmazie etabliert. In Insulin sind Peptide zum Beispiel enthalten, aber auch in anderen Medikamenten, die gegen Krebs, HIV und andere Krankheiten eingesetzt werden. Ich nenne Peptide auch gerne ‚Antibiotika 2.0‘, weil sie sogar multiresistente Bakterien bekämpfen können. Der Einsatzbereich ist theoretisch viel größer: Auch in ersten Kosmetikprodukten kommen die Enzyme mittlerweile zum Einsatz.

Das Problem ist, dass die Herstellung von Peptiden durch chemische Synthese sehr teuer ist. Ich habe während meiner Doktorarbeit ein nachhaltigeres, kostengünstigeres Verfahren entdeckt.

Vor fünf Jahren – 2013 – haben Sie den Deutschen Studienpreis gewonnen. Ihre Entdeckung zur kostengünstigen Herstellung von Peptiden war damals eher ein zufälliges Nebenprodukt. Wie ging es mit Ihrer Forschung danach weiter?

Ja, das stimmt, das war eigentlich gar nicht mein Forschungsziel als Doktorand. Aber als ich darauf gestoßen bin, war schnell klar, dass ich daran weiterarbeiten muss. Ich habe zunächst als Post-doc an der Universität in Düsseldorf vor allem versucht, Geldgeber zu gewinnen und ein Team aufzubauen. 2015 hatte ich Erfolg: Das BMWi, das BMBF und das Land Nordrhein-Westfalen wurden auf meine Forschung aufmerksam. Mit der Unterstützung konnte ich dann ein Team mit zunächst 6 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aufbauen – und dann ging es auch mit der Forschung und Technologie richtig voran! 2017 konnten wir Investoren überzeugen, gründeten die Numaferm GmbH und zogen mit unserem Labor aus der Uni aus.

Gerade haben Sie mit ihrem Unternehmen Numaferm den hochdotierten Gründerpreis »Start me up!« erhalten. Numaferm ist mittlerweile eine GmbH, Sie erhalten Anfragen aus dem In- und Ausland. Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

Jetzt ist Wachstum angesagt. Wir sind gerade dabei, so richtig Fahrt aufzunehmen. Ich will das Personal weiter vergrößern und die Laborräume nächstes Jahr verdoppeln, von 200 auf 400 Quadratmeter.

Ihr junges Unternehmen ist ein Spin-off der Universität Düsseldorf. Welche Hürden mussten Sie bei der Ausgründung überwinden?

Am schwierigsten ist es, Menschen und Organisationen zu überzeugen, in deine Idee zu investieren. Die Forschung muss dann erst mal zurückstehen, weil man so viel damit beschäftigt ist, mit potenziellen Geldgebern zu sprechen. Das muss einem klar sein. Und: Die neuen Sponsoren bewerten knallhart marktorientiert, auf dem freien Markt läuft es eben anders als an der Universität. Der Deutsche Studienpreis und die damit verbundene Aufmerksamkeit für meine Forschung haben da sehr geholfen!

Haben Sie noch Zeit für wissenschaftliche Forschung oder ist der Wissenschaftler ganz dem Unternehmenschef gewichen?

Zunehmend habe ich wieder etwas mehr Zeit für die Forschung, weil sich die Aufgaben danke meines tollen Teams auf mehrere Schultern verteilen. Zu Beginn der Ausgründung war das gar nicht mehr möglich. Und auch, wenn ich nicht mehr tagtäglich im Labor stehe, genieße ich es, sowohl Forscher als auch Gründer eines wirtschaftlich erfolgreichen Start-ups zu sein.

Über Christian Schwarz:

Christian Schwarz studierte von 2005 bis 2008 Biochemie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Anschließend absolvierte er dort an der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät eine Fast-Track-Promotion, während der er die Numaferm-Technologien entwickelte. Ab 2012 war er als Projekt- und Gruppenleiter u. a. eines EXIST-Forschungstransfers an der Heinrich-Heine-Universität und gründete 2017 als Spin-Off die Numaferm GmbH.

Wettbewerbsbeitrag (PDF)
Kurzdarstellung (PDF)

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