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Die Alten profitieren vom demografischen Wandel

Im politischen Verteilungskampf um öffentliche Güter setzten sich die Alten gegen die Jungen durch, erklärte Thomas Straubhaar, Hamburger Professor für Volkswirtschaft, im Literaturhaus München.

Nikolaus Piper, Ressortleiter Wirtschaft der Süddeutschen Zeitung, stellte in einer Diskussion mit dem Autor dessen neues Buch »Der Untergang ist abgesagt« vor. Die ständig steigende Mehrheit der Gesellschaft der grauhaarigen Männer und Frauen beeinflussen die politischen Entscheidungen wesentlich, führte Straubhaar vor zahlreichen – größtenteils grauhaarigen – Zuhörern aus. Da junge Menschen jedoch ganz andere Interessen und Wünsche haben – von ausreichender und guter Kinderbetreuung bis hin zu Faktoren der neuen guten Arbeit – wird diese Entwicklung die Gesellschaft auch in Zukunft vor enorme Spannungen stellen. Nicht jeder im Saal war von einer Maßnahme, die Straubhaar als politisches Gegengewicht zur »Diktatur der Alten« vorschlägt, angetan: Der Ökonom fordert das Wahlrecht für Kinder, das treuhänderisch bis zur Volljährigkeit durch die Erziehungsberechtigten ausgeübt werden könnte. Was der Moderator revolutionär fand, versteht Straubhaar als eine logische Konsequenz des demografischen Wandels.

Auch beim Thema Rente nahm der Autor die Alten in die Pflicht. Es gebe eine ganz einfache Antwort auf die Frage der Finanzierbarkeit: Wenn wir immer länger gesund leben, sollten wir länger arbeiten. Man könne z.B. ein dynamisches Renteneintrittsalter errechnen, indem man von der jeweiligen Lebenserwartung die zusätzlich dazugewonnenen Jahre abzieht. Bereits seit Jahren existierende Modelle in Schweden und der Schweiz machten deutlich, dass auch Deutschland über ein steuerfinanziertes Rentensystem nachdenken müsste – inklusive Grundeinkommen. Denn einerseits sollte das jetzige Rentensystem ganz dringend der aktuellen Situation angepasst, andererseits der Stellenwert von Arbeit, Erwerbstätigkeit und Lebensziele in der heutigen Zeit neu definieret werden.

Auch den gängigen Einschätzungen hinsichtlich der Zuwanderung erteilte Straubhaar eine Absage. Denn deren Effekt werde in beide Richtungen kolossal überschätzt, so der Ökonom. Weder löse die Einwanderung komplexe Probleme wie das veraltete Rentensystem oder den Führungskräftemangel, noch werde sich durch eine, zwei oder drei Millionen Geflüchteter die Kultur in Deutschland ändern. Eine Gesellschaft sei auf Zustimmung aufgebaut, darauf, dass man gemeinsam Erfolg haben wolle. Wer die hier herrschenden Spielregeln befolge oder lernen wolle, müsse willkommen sein, führte der aus der Schweiz stammende Ökonom aus. Wer Angst vor zu großer Diversität habe, solle sich klar machen, dass es mehr Diversität innerhalb der Deutschen gebe – zwischen alt und jung, arm und reich, krank und gesund –, als durch den Zuzug von Flüchtlingen und Migranten. Nach der Grenze von Diversität befragt, führte Straubhaar die bestehenden Gesetze an: Mehr Regeln als »unser phantastisches Grundgesetz und ein sehr guter Rechtsstaat« seien nicht nötig.

Nicht der demografische Wandel sei das Problem, brachte es Straubhaar auf den Punkt, sondern die Angst vor ihm. Das gelte insbesondere für die Zuwanderung, die keinesfalls die Schicksalsfrage für Deutschland sei. Viel tiefgreifender werde uns dagegen die Digitalisierung verändern. Und schließlich weiß der Volkswirt, dass Menschen stets auf Veränderung reagieren können. Auf komplexe Fragen kann es nie nur einfache Lösungen geben. Deshalb warnt er vor jenen, die solche anzubieten glauben. Für ihn gelte nach wie vor Kennedys Empfehlung: sich nicht von der Frage »Warum?« leiten zu lassen, sondern zu fragen: »Warum nicht?«

Das sagt die Presse:

»200 Seiten darüber, warum der demografische Wandel nicht das Schlechteste ist.«
Süddeutsche Zeitung / Hannes Vollmuth

»Ein Mutmacher mit Zahlen, Statistiken und guten Argumenten.«
Hörzu

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