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Ein »Care-Zeit-Budget«, das Erwerbsarbeit und Sorgearbeit reguliert

Beim Politischen Mittag der Körber-Stiftung stellten Karin Jurczyk und Ulrich Mückenberger ihr Konzept eines »Care-Zeit-Budgets« vor. Es soll als individuelles Guthaben mit rechtlichem Anspruch erlauben, die eigene Lebensarbeitszeit für Care-Bedarfe unterbrechen oder reduzieren zu dürfen.

Im demografischen Wandel gewinnt jeder Mensch täglich Lebenszeit hinzu. Zeit, die es ermöglichen könnte, die eng getakteten Lebensläufe zu entzerren und die Herausforderungen einer immer dichteren und schnelleren Welt zu meistern. 

Jurczyk und Mückenberger machen sich für »Atmende Lebensläufe« stark, die den Menschen eine selbstbestimmte, an den Bedürfnissen und Herausforderungen der Lebensphasen orientierte, Erwerbsbiographie ermöglichen können. »Care-Zeit-Budget« ist ein Guthaben, aus dem der Staat seinen Bürgern jenen Lohnausfall ersetzt, der entsteht, wenn diese sich für einen begrenzten Zeitraum ihren Care-Aufgaben annehmen: Kinder erziehen, Angehörige pflegen oder sich um ihre Rekreation kümmern. Beide Referenten kennen aus eigener Erfahrung nicht nur die rechtlichen Gestaltungsräume, sondern auch vergleichbare internationale Reformergebnisse.

Karin Jurczyk leitet beim Deutschen Jugendinstitut in München die Abteilung Familie und Familienpolitik und ist Autorin zahlreicher Studien zu  Themen wie Situation der Familien in Deutschland.

Ulrich Mückenberger, emeritierter Professor für Rechts- und Politikwissenschaft an der Universität Hamburg, leitete zahlreiche internationale und disziplinübergreifende Forschungsvorhaben und arbeitete dabei mit europäischen und US-amerikanischen Forschungsteams zusammen. Aus dieser Forschungstätigkeit sind zahlreiche, auch vergleichende Aufsätze und Monographien zu deutschem und europäischem Arbeitsrecht, Globalisierung und Governance sowie Zeitforschung und -politik hervorgegangen. Er ist Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Zeitpolitik. Seit 2010 ist er als Forschungsprofessor am Zentrum für Europäische Rechtspolitik (ZERP) der Universität Bremen tätig.

Mit ihrem Projekt »Politischer Mittag« möchte die Körber-Stiftung gesellschaftliche Debatten starten sowie innovative Ideen und Positionen in die Diskussion des demografischen Wandels einbringen. Dazu lädt der Bereich Gesellschaft regelmäßig renommierte nationale und internationale Vordenker, Praktiker, Politiker oder Wissenschaftler in das Hauptstadtbüro ein und bittet sie, einen visionären Blick in die vom demografischen Wandel bestimmte Zukunft zu werfen.

Interview mit Karin Jurczyk (Video)
Interview mit Ulrich Mückenberger (Video)
Bericht


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