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Ein »Sputnik Moment« – Über die Chancen des längeren Lebens

Jeden Tag gewinnen wir vier Stunden an Lebenszeit dazu. Doch wie verändert sich unsere Lebensplanung, wenn wir im Alter von 50 noch rund 30 gesunde Jahre vor uns haben? Wie wollen wir umgehen mit dieser gewonnen Zeit? Länger schlafen, die Welt bereisen, Rosen züchten?

Am 15. Juni lud das KörberForum seine Gäste ein, sich auf filmische Art diesen Fragen anzunähern und präsentierte den Dokumentarfilm »Sputnik Moment – 30 gewonnene Jahre« von Regisseur Lukas Schmid und Produzentin Barbara Wackernagel-Jacobs. Der Film, der an diesem Abend im KörberForum seine Vorpremiere feierte, geht einer längst überfälligen, neuen Erzählung über das Altern nach.

In ihrem Film lassen die Filmemacher Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland und den USA, aber auch Ältere selbst zu Wort kommen. Alle erzählen ihre Geschichten und alltäglichen Erfahrungen mit dem Älterwerden. Auf ihrer filmischen Reise durch Deutschland, Dänemark und USA sind die Filmemacher auf eine Reihe von guten Beispielen gestoßen, die zeigen, wie vielfältig das Älterwerden heute aussehen kann, und dass nicht alle tatkräftigen Menschen tatsächlich früh in den »Stand der Ruhe« versetzt werden wollen.

Die klare Botschaft der beiden Filmemacher: Die gewonnenen Lebensjahre sind ein Geschenk und eine zivilisatorische Errungenschaft, die wir nutzen sollten. Die New Yorker Geriaterin Linda Fried, die im Film zu Wort kommt, nennt es »Sputnik Moment « – eine der größten Chancen und Herausforderungen in der Geschichte der Menschheit – jedenfalls keine Katastrophe.

Genau hierüber möchte Filmemacherin Barbara Wackernagel-Jacobs mit Menschen ins Gespräch kommen und anregen, das Alter neu zu denken. Die Aussicht auf ein längeres Leben gebe uns die Möglichkeit, unsere Lebens- und Erwerbsbiografien neu auszurichten, so Wackernagel-Jacobs im anschließenden Podiumsgespräch, das Karin Haist, Leiterin des Bereichs Gesellschaft in der Körber-Stiftung moderierte. Es bedürfe jedoch eines Perspektivwechsels: Mit 50 könne man ebenso gut noch einmal eine neue Karriere beginnen wie mit 30. Hier habe auch er dazugelernt, sagte der Filmregisseur Lukas Schmid. Die Aussicht auf ein Mehr an Lebensjahren habe seinen Blick auf seine Karriere verändert und ihm den Druck genommen, schon mit 40 den Karrierehöhepunkt zu erreichen. Jedoch nicht nur auf individueller Ebene sei ein Umdenken notwendig. Auch die Politik sei gefragt: Sie setze weiterhin falsche Anreize, so Frau Wackernagel-Jacobs, und erschwere durch die Gesetzgebung, dass Menschen nach ihrem Eintritt in Rente noch erwerbstätig bleiben.

Ein weiterer Gesprächsgast für Karin Haist war die Wirtschaftsjournalistin und »Alters-Expertin« Margaret Heckel. In der edition Körber-Stiftung erschien ihr Buch »Aus Erfahrung gut. Wie die Älteren die Arbeitswelt erneuern«. Margaret Heckel, ebenfalls im Film zu sehen, stimmte den beiden Filmemacher zu: Wir brauchen eine neue Erzählweise vom Alter. Und hierfür sei es notwendig, das ergänzte sie, einen neuen Begriff zu finden, der diese Lebensphase zwischen 50 und 80 umschreibt. Noch fehlten uns die Wörter für die Vielfalt der Lebensentwürfe. Doch ein erster Schritt sei auch ein Umdenken mit Blick auf den demografischen Wandel: Man könne ihn auf zweierlei Weise beschreiben: Entweder wir sagen »Wir werden älter« oder »Wir leben länger«. Es sei an uns zu entscheiden, welchen Satz wir uns aussuchen und welchen Blickwinkel wir einnähmen.

Der Film feiert am 17. Juni in der Vertretung des Saarlandes beim Bund in Berlin Premiere und wird dort offiziell vorgestellt.

Ab September 2015 ist der Film auch auf DVD verfügbar und kann über die Produktionsfirma »carpe diem Film & TV Produktion GmbH« bestellt werden.

Einen Einblick in den Film vermittelt der Trailer


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