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Die Idee

Gemeinsam mit engagierten Literaturhäusern und Stadtbibliotheken lädt die Körber-Stiftung zu politischen Kontroversen ein. Die Autoren der Edition Körber streiten konstruktiv mit Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft in ausgewählten Städten der Republik. Der Name ist dabei Programm: »Einmischen!« ist die demokratische Devise des Debattenformats. Denn offene Debatten schärfen auch die eigene Position der Zuhörer und stärken die Bereitschaft zur demokratischen Mitwirkung. Sie sind somit eine Voraussetzung für politische Entscheidungsprozesse, die den Zusammenhalt unserer Gesellschaft stärken.

Pilotveranstaltung 2018

Verschläft Deutschland seine Innovation?

Ford-Chef Gunnar Herrmann und Wolf Lotter in der Stadtbibliothek Köln
Moderation: Ferdos Forudastan

Zum Auftakt des neuen Debattenformats »Einmischen!« in Köln diskutierten am 7. November 2018 der Autor und Journalist Wolf Lotter und Ford-Chef Gunnar Herrmann über die Innovationsfähigkeit Deutschlands.  Sie ist, einer aktuellen Analyse des Weltwirtschaftsforums zufolge, so groß wie in keinem anderen Land der Welt. Zum ersten Mal sei die Bundesrepublik auch die wettbewerbsfähigste Volkswirtschaft in Europa.

»Worauf dürfen wir stolz sein, wenn nicht auf Deutschlands Innovationsfähigkeit in Wirtschaft und Technik?«, lautete die Einstiegsfrage der Moderatorin Ferdos Forudastan (Süddeutsche Zeitung) an den Autor Wolf Lotter, der Deutschlands Vorreiterrolle in Frage stellte. Dies sei für ihn vor allem die Fähigkeit, sich verunsichern zu lassen, antwortete Lotter und machte damit deutlich, dass Innovation für ihn in erster Linie eine Haltung darstelle, die des Zweifelns und Querdenkens bedarf. Innovatoren seien Unternehmer, sie seien im wahrsten Sinne »Selbstständige«, betonte Wolf Lotter und kritisierte die Verteidiger der Industriegesellschaft für ihren Mangel an Mut zur wirklichen Innovation. Organisationen wollten naturgemäß Ihren Status Quo aufrechterhalten. Gerade dafür müssten sie aber besonders innovativ sein und zwar zuallererst im sozialen und kulturellen Bereich. Insbesondere im Bildungssystem müsse die »Selbstständigkeit als Prinzip« gelten. Auch sie sei eine Voraussetzung der wirtschaftlichen Innovation.

Mit Gunnar Herrmann begegnete Lotter ein Manager mit geballter Erfahrung in Technik und Wirtschaft, der die Verantwortung für 24.000 Mitarbeiter und die Innovationsfähigkeit der Ford Werke in Deutschland trägt. Der Ford-Chef forderte Toleranz für andere Ansichten, zeigte sich dann aber eher inspiriert als provoziert von Lotters scharfer Kritik am Wirtschaftsmanagement. Seinerseits beklagte auch er den allgemeinen Mangel an Neugier als Voraussetzung der Innovation. Der Kulturwandel, den die junge Generation sehr wohl anstoße, komme in den Unternehmen mit zu großer Verspätung an. Gleichwohl konnte der Ford-Manager mit zahlreichen Beispielen für Innovation aufwarten: Von der hartnäckigen Umsetzung einer ungewöhnlichen und teuren Autofarbe bis hin zum gegenseitigen Lernen unterschiedlicher Branchen voneinander.  Wie letzteres funktionieren kann, hat Herrmann im eigenen Haus erlebt:  So  kamen die Planer eines Krankenhauses zum Autobauer Ford, um von dessen von den Produktionsabläufen zu lernen »Vorbildlich«, findet der Ford-Chef. Auch der Mut, über die eigene Branche hinaus zu denken: Ein Autohersteller könne mehr wagen, als nur Autos zu bauen, er könne sich beispielsweise mit innovativen Verkehrskonzepten engagieren. Wolf Lotters Schlusswort zum Thema Innovation: »Wir müssen uns mit unserem Umfeld auseinandersetzen, unsere Haltung schärfen und eine neue Diskussionskultur etablieren.«

Grundlage der Debatte war das aktuelle Buch von Wolf Lotter „Innovation. Streitschrift für barrierefreies Denken“.  Vor dem Hintergrund, dass offene und fundierte Debatten für unsere Demokratie unverzichtbar sind, bringen die Körber-Stiftung und die Stadtbibliothek Köln bei »Einmischen!« auch im Jahr 2019 Autoren und Experten auf die Bühne. Das Format startet immer mit einem besonderen Entrée, in dem die beiden Diskutanten jeweils ihre unterschiedliche Haltung deutlich machen. Am Schluss der Kontroverse ist das Publikum eingeladen, eigene Fragen zu stellen und das Gespräch bei einem Getränk fortzuführen.

Es diskutierten:

Gunnar Herrmann ist seit 1. Januar 2017 Vorsitzender der Geschäftsführung der Ford-Werke GmbH und weiterhin Vice President Quality für Ford Europa. Zuvor verantwortete er die weltweite Produktentwicklung der Ford Focus-Plattform und hatte verschiedene Positionen als Chefingenieur für die Produktentwicklung in Europa inne.

Wolf Lotter ist deutsch-österreichischer Journalist sowie Autor und Gründungsmitglied des Wirtschaftsmagazins »brand eins«. Lotter ist auch Autor zahlreicher Bücher, zuletzt erschien »Zivilkapitalismus. Wir können auch anders« (2013).

Ferdos Forudastan ist Journalistin. Sie war vom September 2012 bis zum Ende der Amtszeit Sprecherin von Bundespräsident Joachim Gauck. Seit Anfang 2018 leitet sie das Ressort Innenpolitik der Süddeutschen Zeitung.

Wolf Lotter
Innovation
Streitschrift für barrierefreies Denken

Innovation ist für den Autor Wolf Lotter die Bereitschaft zu beständiger Infragestellung und zum Experiment. Das heißt, die Forderung nach Interdisziplinarität und Kreativität ernst zu nehmen.
»Innovation ist der berechtigte Anlass für die Hoffnung, dass es besser wird. Dass es einen Fortschritt gibt, eine Perspektive.«

ISBN 978-3-89684-262-6, 224 Seiten, Euro 18,-

bestellbar bei der Edition Körber

Kontakt

Ulrike Fritzsching
Lektorin
Publikationen und Edition Körber

Telefon +49 • 40 • 80 81 92 - 183
E-Mail fritzsching@koerber-stiftung.de

Flyer zum 07.11.2018

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