X

Engagierte Stadt: Warum die lokale Ebene so wichtig ist

Das Engagementförderprogramm »Engagierte Stadt« hat sich dem Aufbau bleibender Engagementlandschaften in 50 Städten und Gemeinden in Deutschland verschrieben – und betont dabei stark die Bedeutung des Lokalen für das Bürgerschaftliche Engagement. Aber warum eigentlich ist die lokale Ebene für das Ehrenamt so wichtig? Warum braucht es anfassbare Orte und Anlaufstellen für Engagement – auch und gerade in Zeiten der umfassenden Digitalisierung und Virtualisierung?

Die Körber-Stiftung sprach mit einer Frau, die es wissen muss: Angelika Lausser leitet die FreiwilligenAgentur »Knotenpunkt« im Generationenhaus Kaufbeuren. Das ostallgäuische Kaufbeuren ist eine von 50 »Engagierten Städten« und ist damit Teilnehmerin des innovativen Engagementförderprogramms des Bundesfamilienministeriums, der Bethe-Stiftung, der Bertelsmann-Stiftung, der Breuninger-Stiftung, der Joachim Herz Stiftung, der Körber-Stiftung und der Robert Bosch Stiftung.

Frau Lausser, Sie leiten hier in Kaufbeuren eine Freiwilligenagentur. Wo sehen Sie generell die Rolle von Freiwilligenagenturen auf lokaler Ebene?

Freiwilligenagenturen sind ein Knotenpunkt zwischen Ehrenamtsanbietern und Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren möchten. Und dieser Knotenpunkt ist notwendigerweise lokal. Engagement findet nun einmal konkret vor Ort, eben auf der lokalen Ebene, statt. Wer sich engagieren möchte, hat in aller Regel den Wunsch, dies vor Ort zu tun. Das ist ja auch nachvollziehbar: Nur vor Ort kann ich selber erspüren, ob und welchen Unterschied mein Engagement macht. Engagement ist Weltgestaltung und Verantwortungsübernahme im Kleinen.

Und was genau macht eine Freiwilligenagentur?

Eine Freiwilligenagentur vermittelt zwischen den Vereinen, Einrichtungen oder auch Schulen auf der einen Seite und denjenigen, die sich gerne ehrenamtlich einbringen möchten, auf der anderen Seite. Im Gespräch mit den »Bewerberinnen« bzw. »Bewerbern« erfahren wir mehr über sie und arbeiten heraus, in welche Richtung das potentielle Engagement gehen könnte. Danach werden entsprechende mögliche Engagementstellen vorgeschlagen – und mit Glück finden wir auch eine passende Stelle.

Hier bei uns in Kaufbeuren findet zusätzlich seit acht Jahren ein »Marktplatz der Freiwilligenbörse« statt, bei welchem sich inzwischen 34 Vereine und Einrichtungen vorstellen, die ehrenamtliche Unterstützung brauchen. Hier haben die Menschen die Möglichkeit, sich zu informieren. Die Erfahrung zeigt, dass entweder spontane Entscheidungen für ein Engagement fallen oder nach ein paar Tagen, wenn alles noch einmal überdacht wurde.

Warum sind Freiwilligenagenturen wichtig für die Engagementförderung vor Ort?

Wichtig sind sie deshalb, weil Vereine, sei es im Sport, im sozialen oder auch kulturellem Bereich, auf Menschen angewiesen sind, die Lust haben, sich ehrenamtlich einzubringen. Gleichzeitig gibt es Menschen, die sich gerne engagierten wollen, aber nicht so richtig wissen, wo und wofür; die bringen wir zusammen. Und für dieses »Matching« braucht es den persönlichen Kontakt. Das kann kein Algorithmus für sie machen.

Mal ganz konkret: Was läuft in Kommunen mit einer Freiwilligenagentur besser als in einer ohne?

Es kann leichter gesteuert werden, wo das Engagement gefragt und wo der Bedarf ist. Bei spontanem Hilfsbedarf kann ein direkter Kontakt zu gemeldeten »Freiwilligen« aufgenommen werden und an einen »Einsatzort« vermittelt werden. Und auch hier wieder: Der ist nicht in München, Berlin oder Hamburg, sondern um’s Eck, in der Nachbarschaft, in Kaufbeuren.

Wie fügt sich die Arbeit Ihrer Freiwilligenagentur in die „Engagierte Stadt“ Kaufbeuren ein?

Ein Beispiel ist die trisektorale Zusammenarbeit, die ja im Programm »Engagierte Stadt« eine wichtige Rolle spielt. Hier sind wir sehr bemüht, Wirtschaftsunternehmen und ehrenamtliches Engagement zusammen zu bringen.  Dies gestaltet sich manchmal herausfordernd.  Gut gelungen ist uns dies im Rahmen der Bildungsförderer, d.h. besonderes Engagement in den Schulen, z.B. im Bereich der MINT. Wir möchten gerne auch andere Einrichtungen wie die Sport- und Musikvereine, aber auch im sozialen Bereich (z.B. Lebenshilfe) mit den verschiedenen Unternehmen zusammenbringen.

 

Kontakt

Eva Nemela
Programmleiterin
Engagierte Stadt

Telefon +49 • 40 • 80 81 92 - 157
E-Mail nemela@koerber-stiftung.de

Dr. Jochen Sunken
Programm-Manager
Engagierte Stadt

Telefon +49 • 40 • 80 81 92 - 167
E-Mail sunken@koerber-stiftung.de

to top