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    Erneute Schikanen gegen Geschichtswettbewerb in Russland

    Der russische Geschichtswettbewerb, der Mitglied im EUSTORY-Netzwerk ist und von der Menschenrechtsorganisation Memorial ausgerichtet wird, ist erneut Opfer staatlicher Repressionen geworden. Preisträger und Tutoren wurden zu Gesprächen mit Vertretern der Regionalverwaltung sowie Mitarbeitern des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB vorgeladen.

    Wie die russische Zeitung Novaja Gazeta berichtet, wurden landesweit Preisträgerinnen und Preisträger der aktuellen Wettbewerbsrunde mit ihren Tutoren zu Gesprächen mit Vertretern der Regionalverwaltung sowie Mitarbeitern des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB in Schulleiterbüros vorgeladen. Dieses Vorgehen bestätigen auch die Organisatoren des Geschichtswettbewerbs von Memorial Moskau.

    Ziel der Gespräche war die Einschüchterung von Schülern, Lehrern und Schulen. Nach Angaben von Memorial wurden Teilnehmende und ihre Tutoren u.a. aufgefordert, ihre sämtlichen Wettbewerbsarbeiten auszuhändigen. Zudem wurde ihnen dringend abgeraten, weiter an Programmen von Memorial teilzunehmen. Die Zeitung zitiert einen nicht namentlich genannten Vertreter von Memorial so: »Die Gleichzeitigkeit und Ähnlichkeit solcher Schulbesuche in verschiedenen Regionen deutet darauf hin, dass es sich bei diesen 'Kontrollen' nicht um eine lokale Initiative, sondern um eine koordinierte Aktion handelt.«

    Diese Maßnahmen stehen in einer langen Kette von Behinderungen und Schikanen, die seit 2016 gegen die Arbeit von Memorial von staatlicher Seite durchgeführt werden.

    Am 12. Juni  ist Irina Scherbakowa, Mitgründerin von Memorial und langjährige Leiterin des russischen Geschichtswettbewerbs, zu Gast im KörberForum. Mit dem Historiker Jörg Ganzenmüller von der Universität Jena diskutiert sie über den schwierigen Umgang mit Diktaturgeschichte sowie die politische und gesellschaftliche Brisanz der Vergangenheit in Deutschland und Russland heute.

    Zum Artikel der Novaja Gazeta (in russischer Sprache)
    Details zur Veranstaltung mit Irina Scherbakowa in Hamburg am 12. Juni 


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