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EUSTORY

EUSTORY-Netzwerk zu Gast in Spanien

Was war das Besondere an der Art, wie Spanien nach dem Tod Francos im Jahr 1975 den Übergang zu einer demokratischen Verfassung gestaltete? Beim diesjährigen Netzwerktreffen der Organisatoren von Schülergeschichtswettbewerben in Europa stand der Umgang mit dem Erbe der Franco-Diktatur im Mittelpunkt.

Mit »La Transición«, den Jahren bis zur stabilen Wiederherstellung der Demokratie in Spanien Anfang der 1980er Jahre, beschäftigten sich die EUSTORY-Wettbewerbsvertreterinnen und -vertreter aus mehr als 20 Ländern auf ihrem Jahrestreffen in Málaga vom 20. bis 23. Februar. Gastgeber waren die spanische Stiftung Real Maestranza de Caballería de Ronda (RMR), die zusammen mit der Körber-Stiftung das Tagungsprogramm entwickelt hatte.

Im Gegensatz z.B. zu Portugal, wo das autoritäre Regime unter Salazar im Jahr 1974 in einer Revolution überwunden wurde, waren die Jahre des Übergangs in Spanien von einem breiten gesellschaftlichen Konsens getragen, der einen friedlichen, überwiegend geordneten Übergang organisierte und mit einer Amnestie für die Verbrechen des Bürgerkriegs ebenso einherging wie mit einer großen personellen Kontinuität beispielsweise der politischen Eliten. »Das System hat sich mit den Menschen geändert«, so beschrieb einer der spanischen Wettbewerbsorganisatoren das Phänomen für seine ausländischen Kolleginnen und Kollegen.

Der seit 20 Jahren amtierende Bürgermeister von Málaga, Francisco de la Torre Prados, der bereits zu Francos Zeiten ein hohes Verwaltungsamt innehatte, lud das EUSTORY Netzwerk zu Beginn der Tagung zu einem Empfang ins Rathaus ein. Bei seiner Rede im Spiegelsaal betonte er die Bedeutung des spanischen Wegs der Transformation als Motor für den Wandel der spanischen Gesellschaft, und berichtete über seine Erfahrungen während der Phase des Übergangs von der Diktatur zur Demokratie, u.a. als Parlamentsabgeordneter während des Putschversuchs des Militärs gegen die junge spanische Demokratie im Jahr 1981.

Die mit großer Mehrheit vereinbarte Amnestie für die im spanischen Bürgerkrieg und während der Diktatur begangenen Verbrechen, das Bestreben der Erlebnisgeneration nach Beilegung der Konflikte und ihre entschiedene Hinwendung auf die Zukunft gerät inzwischen jedoch zunehmend in die Kritik. Das erlebten die Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmer insbesondere während der Podiumsdiskussion zwischen Teodoro León Gross (Uni-versität Málaga), Antonio Herrera González de Molina (Universität Sevilla) und Stefanie Schüler-Springorum (Zentrum für Antisemitismusforschung, Technische Universität Berlin).

In ihrem Austausch wurden die Spannungen sichtbar, die zwischen den Generationen oder auch zwischen verschiedenen politischen Lagern entstehen, wenn der als große Lebensleistung einer Generation gefeierte friedliche Übergang inzwischen vermehrt in seinem Kern kritisiert wird. Kann Versöhnung ohne die Anerkennung von Schuld gelingen, muss eine gesellschaftliche Debatte über Taten und Täter nachgeholt werden, wie instrumentalisieren die neue spanische rechte Partei »VOX« oder die linkspopulistische »Podemos« das Thema? Das waren einige Themen der Panelisten, die zudem zusammen mit EUSTORY-Wettbewerbsorganisatorinnen und -organisatoren Tranformationserfahrungen aus verschiedenen europäischen Ländern miteinander verglichen. Große Sorge zeigte sich in der Frage, ob sich Europa aktuell wieder in einer gegenläufigen Entwicklung befinde, in der in nicht wenigen Ländern Demokratie wieder gefährdet ist und sich zunehmend gegen autoritären Tendenzen verteidigen muss.

Als gesamtgesellschaftliches Phänomen hat »La Transición« auch im Kulturbereich Spuren hinterlassen. Anhand der Geschichte von Picassos Gemälde »Guernica« und Malágas Verhältnis zu dem vielleicht berühmtesten Sohn der Stadt gab der Direktor des dortigen Picasso-Museums, José Lebrero, dem EUSTORY-Netzwerk im weiteren Verlauf der Tagung einen anderen Einblick in die Rezeptionsgeschichte von Bürgerkrieg und Diktatur in Spanien. Picasso hatte das Bild 1937 als Reaktion auf die Zerstörung der spanischen Stadt Guernica durch den Luftangriff der deutschen Legion Condor und der italienischen Corpo Truppe Volontarie, die während des Spanischen Bürgerkrieges auf Francos Seite kämpften, erstellt. Lebrero beschrieb, warum das Gemälde erst nach Ende der Diktatur im Jahr 1981 wieder aus Amerika nach Spanien zurückkehren konnte – Picasso hatte verfügt, dass es nur auf republikanischem Boden in Spanien ausgestellt werden dürfte und erlebte so die Rückkehr seines Gemäldes in sein Heimatland nicht mehr.

Den letzten Tag des Netzwerktreffens nutzen die Wettbewerbsorganisatoren für einen grenzüberschreitenden Austausch über neue Entwicklungen und Praxiserfahrungen aus dem Umfeld der Wettbewerbsarbeit in ihren Ländern. Sie berieten sich zu aktuellen Herausforderungen wie Inklusion, Digitalisierung oder Finanzierungmöglichkeiten von zivilgesellschaftlichen Geschichtsaktivitäten in Europa.

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