X
   
EUSTORY

Junge Stimmen aus Europa zu den Wendejahren

Für junge Europäer ist die Wendezeit Geschichte: Heutige Schülerinnen, Schüler oder Studierende sind erst nach 1989/1990 geboren. Trotzdem sind die Folgen von 1989 auch für sie bis heute spürbar. Das zeigte sich vom 15. bis zum 19. Oktober in Berlin, als 120 junge Menschen aus 29 Ländern Europas und seiner Nachbarstaaten zum EUSTORY Next Generation Summit 2019 in Berlin zusammenkamen, um in acht Workshops das Thema »Winds of Change – Transitions in Europe« grenzüberschreitend zu reflektieren. Wie Nachwendekinder auf den politischen Wandel zurückblicken, zeigen beispielhaft einige der Ergebnisse des EUSTORY Summits. Junge EUSTORY Summit Teilnehmende aus Lettland, Polen, Israel, Deutschland, der Slowakei, Bulgarien und Großbritannien teilen ihre Wende-Geschichten und kreativen Beiträge, die sie im Rahmen des EUSTORY Summits 2019 erarbeitet haben.

Von Protesten und Menschenketten

Nora (19) aus Lettland blickt auf ein bedeutendes Ereignis aus dem Jahr 1989 zurück: Den „Baltic Way“, eine über 670km lange Menschenkette, die am 23. August 1989 die baltischen Länder Estland, Lettland und Litauen verband: »Hello, my name is Nora, I’m 19 years old and I’m from Latvia. My picture is about the two most significant actions in 1989, which changed my, my family’s and lot of people’s life: The Baltic Way and the Fall of the Berlin Wall. These two events helped my country get freedom from USSR and this year is the Fall of the Berlin Wall and Baltic Way 30th anniversary. And this collage is a gift for both countries from me.«

Die junge Polin Agnieszka (21) blickt mit Stolz auf die Rolle ihrer Heimatstadt Gdansk zurück, die vor allem die Werften bei den Protesten in Polen 1989 spielten: »I’m Agnieszka, I’m 21 and I’m from Poland. I live in Gdansk and I can feel the pride we have in the protests we held in our shipyards, our impact on the fall of USSR.«

Familiengeschichten: Vom Getrenntsein und Wiederfinden

Shahar (20) aus Israel erzählt von der Familie ihres Großvaters, die 50 Jahre lang durch den Eisernen Vorhang getrennt war. Nach der Wende nahm die Familie per Brief den Kontakt auf und konnte so wieder vereint werden. Diese Geschichte verarbeitet Shahar in einer Fotocollage aus dem ersten Brief nach der Wende und einem Familienfoto: »My name is Shahar and I am 20 years old, from Israel. My collage is the story of my grandfathers family separated for 50 years by the iron curtain. My grandfather’s cousin even went to the East after the Chernobyl nuclear disaster. All he found was the family home in ruins. After the separation ended a letter came from the east by incredible means and reunified the family.«

Auch Henriette (18) aus Deutschland teilt ihre Geschichte, die erst mit dem Fall der Mauer beginnen konnte: »The story of my life begins with or because of the fall of the Wall. The reason for that is that my mom lived in East Germany, the former GDR. My dad lived in West Germany. After the Fall of the Wall they met and I was born. The pictures show impressions of my mom’s life in the GDR. After the reunification she realised that a lot of things she was taught at school were influenced by the state to shape how she was thinking.«

Aber nicht überall brachte der Zerfall der Sowjetunion die Menschen zusammen. Für Kate (18) aus der Ukraine bedeutete es die Aufspaltung ihrer Familie in Russen und Ukrainer: »My name is Kate, I’m 18 years old and I’m from Ukraine. USSR collapsed and so did my family, separating us into Ukrainians and Russians. At the same time though, it gave my family, along with my country, freedom. Freedom of choice, freedom of speech and opportunities they could never have dreamt of.«

Nachwirkungen: Folgen der Wendezeit

Auch in Deutschland spüren vor allem Menschen in den neuen Bundesländern noch die Nachwirkungen der Wendezeit. Jonas (18) aus Deutschland blickt kritisch auf die ökonomische Entwicklung: »My name is Jonas, I’m 18 years old and I live in East Germany, the former GDR. With my collage I would like to show how my region has changed economically in many parts after the German reunification. In the 1990 many people became jobless. After this painful transition, my region has recovered in another way and today a thriving economy has developed.«

Pavol (22) aus der Slowakei erinnert daran, dass sich seit der Wendezeit nicht alles nur zum Guten entwickelt hat: »Das sollte damals eine positive Veränderung von einem totalitären System zu einem demokratischen sein. Aber die Politiker haben vergessen, wofür unsere Eltern und Großeltern demonstriert haben: Freiheit und Demokratie.«
Auch in Bulgarien blicken viele Menschen noch immer nostalgisch auf die Zeit vor der Wende, wie Militsa (20) beschreibt: »Meine Großeltern sprechen immer noch viel über die Zeit des Kommunismus. Manchmal erzählen sie von ihren Sorgen und Ängsten, oft schauen sie aber auch nostalgisch zurück.«
Der Waliser Matthew (17) hat seinen Vater zum Mauerfall interviewt. Während die Wendezeit in Großbritannien selbst nur wenig Auswirkungen hatte, erkennt Matthew doch einige Parallelen zur aktuellen Brexit-Situation, die so deutlich die Grenzen zwischen den Menschen hervorhebt: »Hi, my name is Matthew. I am from Wales. When interviewing my father I found that the fall of the Berlin Wall didn't really have much of an impact on my country but it did share some similar ideas with the current affairs going on in the UK like Brexit and us leaving the EU. And that's pretty much a metaphor for the barrier between us. I am feeling trapped and I put that feeling into my collage.«

Die Frage, ob die jungen Menschen die Wendezeit gerne selbst erlebt hätten, beantworten sie ganz unterschiedlich. Fiona (24) aus Deutschland wäre gern bei der Pressekonferenz dabei gewesen, bei der die Öffnung der Mauer angekündigt wurde.

Inés (18) aus Spanien hingegen, wäre lieber nicht am Ort des Geschehens gewesen, da Wendeereignisse oft mit schwierigen bis gewalttätigen Umgebungen einhergehen.

Unsere junge EUSTORY History Campus Autorin und Summit-Teilnehmende Trixi (20) aus Deutschland hat vier EUSTORY Organisatoren befragt.
Hier gibt es persönliche Einblicke in die Wendezeit von Zeitzeugen aus Polen, Norwegen, Portugal und Deutschland.

Mehr zum EUSTORY Summit
Mehr zur Auftakt-Veranstaltung
Trailer zur Auftakt-Veranstaltung
Zusammenschnitt der Fotocollagen

Kontakt

Körber-Stiftung
Kehrwieder 12
20457 Hamburg
Telefon +49 • 40 • 80 81 92 - 161
E-Mail eustory@koerber-stiftung.de
Facebook facebook.com/eustory
Twitter @KoerberGP

Einblicke in die Aktivitäten von EUSTORY (in englischer Sprache)

Facebook


Junge Europäer bloggen zu Fragen von Geschichte und Identität

EUSTORY History Campus


Neuigkeiten aus dem EUSTORY-Netzwerk

EUSTORY-Website


Katja Fausser
Programmleiterin
EUSTORY

Telefon +49 • 40 • 80 81 92 - 154
E-Mail fausser@koerber-stiftung.de

EUSTORY auf Facebook

Malina Emmerink
Programm-Managerin
EUSTORY eCommemoration 1945/2020

Telefon +49 • 40 • 80 81 92 - 165
E-Mail emmerink@koerber-stiftung.de

Fiona Fritz
Programm-Managerin
EUSTORY History Campus; EUSTORY Summit

Telefon +49 • 40 • 80 81 92 - 147
E-Mail fritz@koerber-stiftung.de

Inka Siuts
Programm-Managerin
EUSTORY-Netzwerk

Telefon +49 • 40 • 80 81 92 - 161
E-Mail siuts@koerber-stiftung.de

to top