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EUSTORY
  • Alicja Gluza, Zbigniew Gluza<br />(Fotos: Michal Radwański)

  • - Meldung

    1989 europäisch erinnern – Einblicke aus Polen

    Wie für viele europäische Gedenkjahre gilt für 1989, dass die Erinnerung in den europäischen Ländern vielschichtig, manchmal sogar widersprüchlich ist. Um die europäische Dimension von Mauerfall und Wiedervereinigung zu verstehen hilft es, diese Erinnerung grenzübergreifend zu teilen.

    Der Herbst 2014 steht in Deutschland und vielen Ländern des ehemaligen Ostblocks ganz im Zeichen der Feierlichkeiten, die an den 25. Jahrestag von Mauerfall und Wiedervereinigung erinnern. Gabriele Woidelko, Europaexpertin der Körber-Stiftung, sprach mit dem Ehepaar Zbigniew und Alicja Gluza, beide ehemals Aktivisten der polnischen Solidaność-Bewegung und Gründer der EUSTORY-Partnerstiftung KARTA-Zentrum in Warschau, über Erinnerungskultur und die Bedeutung von 1989 für Polen und Europa heute.

    Körber- Stiftung: In 2014 war in der Debatte über Geschichte und Erinnerung in Europa viel von »historischen Wendepunkten« die Rede. Gab es in Polen im Zusammenhang mit dem Fall des Eisernen Vorhangs einen solchen zentralen »Wendepunkt«?

    A.+Z. Gluza: Wenn das Wort »Wendepunkt« einen genau definierten Augenblick meint, in dem eine konkrete Bewegung oder Aktion gegen den Eisernen Vorhang begann, dann gab es aus polnischer Perspektive keinen solchen Wendepunkt. Es waren eher »Wendejahre«, nämlich die Jahre zwischen 1976-1981, die den Durchbruch brachten und der Beginn einer offenen Opposition gegen das Regime markierten. In diesen Jahren fand z.B. der erste Besuch Johannes Paul II. in Polen statt, die Gewerkschaft Solidaność wurde gegründet und das kommunistische Regime Polens verhängte das Kriegsrecht. In dieser Zeit änderte sich die öffentliche Wahrnehmung des damaligen Regimes. Mehr und mehr Menschen waren der Überzeugung, dass es sich bei der Regierung Polens um eine Art »interne Okkupationsmacht« handelte, die die Bürger im Namen der Interessen der Sowjetunion unterdrückte.

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