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EUSTORY
  • Aus 14 Ländern stammen die Teilnehmer am Projekt<br />(Foto: Körber-Stiftung)

  • Grenzüberschreitende Zusammenarbeit<br />(Foto: Körber-Stiftung)

  • - Meldung

    Europäische Perspektiven auf »Kriegskinder in Europa«

    20 junge Europäer haben Anfang August beim GeschichtsCamp in Berlin ihre nationalen Recherchen zu den Schicksalen von Kriegskindern in Europa ausgetauscht und vertieft.

    Das Treffen bildete den Abschluss eines halbjährigen Online-Projekts der Körber-Stiftung und der Agentur für Bildung, Geschichte, Politik und Medien zum Thema »Kriegskinder in Europa«.

    Für die Studierenden war das Thema relevant, zumal vier Teilnehmer vom Balkan, aus Georgien bzw. der Ukraine auch persönlich in ihrem Leben bereits Kriegshandlungen ausgesetzt waren. Viele Bezüge zum Thema gab es außerdem über die Familiengeschichten, insbesondere den Erfahrungen der Großelterngeneration im Zweiten Weltkrieg. 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs gingen die jungen Europäer aus Belgien, Deutschland, Finnland, Georgien, Griechenland, Lettland, Litauen, den Niederlanden, Österreich, Polen, Serbien, Slowenien, Spanien und der Ukraine jetzt der Frage nach, warum manche Kriegskindererfahrungen nach dem Krieg lange kein Gehör fanden und welche Bedeutung sie für das Europa von heute haben.

    In Berlin sprachen sie mit Zeitzeugen und verfassten ihre Reflexionen und Arbeitsergebnisse zu Kindern in Konzentrationslagern, Kindern im Widerstand oder zu Besatzungskindern. Dabei ging es schnell nicht mehr nur um Kriegskinder in der Geschichte, sondern auch um Kinder, die heute aus Kriegsgebieten nach Europa fliehen. Der Teilnehmer aus Polen berichtete: »Das Thema Kriegsflüchtlinge wird bei uns erst seit ein paar Monaten in den Medien diskutiert. Die Politik meidet die Debatte, da nur 19% der Polen die Aufnahme von Flüchtlingen in unserem Land unterstützen.«

    Der grenzüberschreitende Blick auf die jeweils eigene Geschichte stand dabei im Mittelpunkt, um nationale Perspektiven aufzubrechen. »Das war eine große Herausforderung. Wir beide haben die Geschichte Jugoslawiens in der Schule durchgenommen, aber als wir gemeinsam einen Infokasten über den historischen Kontext schreiben wollten, in dem die Biografien unserer Großeltern stehen, haben wir festgestellt, dass uns sehr unterschiedliche Interpretationen derselben historischen Vorgänge vermittelt worden sind«, so beschreiben zwei Teilnehmerinnen aus Serbien und Slowenien ihre Erfahrungen.

    Die 18- bis 28-jährigen Teilnehmer des GeschichtsCamps hatten bereits als Preisträger eines der nationalen EUSTORY-Geschichtswettbewerbe oder beim Geschichtsfestival Europe 14/14 unter Beweis gestellt, dass sie sich für die Gegenwartsbedeutung von Geschichte interessieren und ausgezeichnete historische Inhalte recherchieren können.

    »Wir verlieren heute die letzte Zeitzeugengeneration des Zweiten Weltkriegs und damit den direkten Zugang zu ihren Erfahrungen«, erläutert Sven Tetzlaff, Leiter des Bereichs Bildung der Körber-Stiftung. »Das stellt uns vor die Herausforderung, einerseits Kriegskindererzählungen als eigenständige Narrative ernst zu nehmen, andererseits aber auch deren Authentizität kritisch zu prüfen.«

    Das Netzwerk EUSTORY regt junge Europäer zur gemeinsamen Auseinandersetzung mit zentralen Gegenwartsfragen der europäischen Geschichte an und verbindet zivilgesellschaftliche Organisationen in 25 Ländern Europas, die nationale Geschichtswettbewerbe durchführen. Über 170.000 Jugendliche haben sich bislang an den Wettbewerben beteiligt, rund 1.000 von ihnen nahmen bisher an europäischen EUSTORY-Begegnungen teil.

    Mehr Informationen zum Online-Projekt »Kriegskinder in Europa« (in englischer Sprache)

    Die Seminarergebnisse werden im Laufe des September 2015 auf dem History Campus Blog veröffentlicht.


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