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EUSTORY
  • Foto: Agentur für Bildung, Berlin

  • - Meldung

    Europäisches Online-Projekt zu Kriegskindern in Europa gestartet

    »Ich möchte verstehen, wie die Erfahrungen von Kriegskindern die folgende Generation geprägt und meine Generation beeinflusst haben«, begründet Bettina aus Deutschland ihre Teilnahme am jetzt gestarteten Online Projekt »War Children in Europe«.

    »Die Geschichten und Perspektiven von Kriegskindern sind in unserem kollektiven Gedächtnis kaum vertreten. Ich möchte verstehen, wie ihre Erfahrungen die folgende Generation geprägt und dementsprechend auch meine Generation beeinflusst haben«,  so begründet Bettina aus Deutschland ihr Interesse für das Thema Kriegskinder. Und Rafael aus Spanien ergänzt: »Ich möchte mich mit Fakten beschäftigen, die es nicht in die Geschichtsbücher geschafft haben«. Den 70.Jahrestag des Kriegsendes nimmt die Körber-Stiftung zum Anlass, mit 20 jungen Europäern aus 15 Ländern  im Rahmen des History Campus ein Online -Projekt zum Schwerpunktthema »Europas Kriegskinder« durchzuführen.

    Bettina und Rafael sind zwei der 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Online Projekt »War Children in Europe«, das die Körber-Stiftung und EUSTORY zusammen mit der Berliner Agentur für Bildung ausrichten. Im Rahmen des Projekts rekonstruieren die Studierenden aus 15 europäischen Ländern über einen Zeitraum von sechs Monaten bisher unbekannte Schicksale von Kriegskindern und setzen sich mit den Folgen von Traumatisierung und Kriegskinder-Erfahrungen in den Nachkriegsgesellschaften Europas auseinander.

    Im Mittelpunkt des Seminars steht der Austausch der jungen Europäer über Fragen von Gemeinsamkeiten und Unterschieden von Kindern geboren zwischen 1927 und 1949 und ihre Erinnerungen an Bombenkrieg,  Lagerhaft, Flucht, Verfolgung, Elternlosigkeit, Widerstand ebenso wie an ihre Erfahrungen in den Nachkriegsgesellschaften als Kind z.B. von Besatzungssoldaten oder Kriegsverbrechern.

    Durch die Teilnahme von jungen Menschen aus Krisenregionen der jüngsten Geschichte wird das Thema Kriegskinder über den Kontext des Zweiten Weltkrieges hinaus in aktuelle Zusammenhänge  hineingetragen. »Ich habe eine acht Jahre alte Cousine, die seit Kurzem aufgrund des Krieges in Donezk mit ihrer Mutter und Großmutter bei uns wohnt. Nachts schreit sie oft, weil sie schlecht träumt. Ich möchte mehr über Kriegskinder lernen, um ihr bei der Aufarbeitung der Schrecken, die sie erlebt hat, zu helfen«, erklärt eine Teilnehmerin aus der Ukraine. Und  das Interesse von Milena aus Serbien an dem Projekt speist sich auch aus ihrer Frage, welche unverarbeiteten Erlebnisse des Zweiten Weltkriegs die Jugoslawien-Kriegen in den 1990er Jahren befeuert haben mögen: »Haben einige der damaligen Kriegskinder ihre eigenen Kinder zum Hass auf 'andere' Nationalitäten erzogen?«

    Ergebnisse des Projekts, das aus individuellen Recherchen der Teilnehmer, mehreren Webinaren, dem konstanten gemeinsamen Austausch auf dem virtuellen History Campus der Körber-Stiftung sowie einem einwöchigen GeschichtsCamp in Berlin besteht, werden im Herbst auf dem History Campus veröffentlicht.

    Zwei Teilnehmer des Seminars folgen der Einladung der Körber-Stiftung und des Deutschen Historischen Museums (DHM) zum Erinnerungstag »Der lange Schatten des Zweiten Weltkriegs: Kriegskinder in Europa« am 4.Mai nach Berlin. Anlässlich des 70. Jahrestages des Kriegsendes im Mai 2015 werden dort die Erfahrungen von Kindheit im Krieg aus unterschiedlichen Perspektiven vorgestellt und mit Literaten, Experten und Politikern diskutiert.

    Mehr zum Erinnerungstag

    Mehr zum Online-Projekt »War Children in Europe«


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