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EUSTORY
  • »Clouds Don’t Know Borders« (Foto: Alise Garbaldeva)
  • - Meldung

    Corona – Innovationsmotor für internationale Jugendbegegnungen?

    Die Maßnahmen zur Bekämpfung von Covid-19 behindern derzeit grenzüberschreitende Jugendbegegnungen. Internationale Verständigung ohne reale Begegnung – wie soll das gehen?

    Standpunkt von Katja Fausser, Programmleiterin EUSTORY

    »Das Thema ,Umgang mit schmerzhafter Vergangenheit‘ ist derzeit sehr relevant für uns in Belarus. In der Veranstaltung suche ich auch nach Wegen für mich und meine Landsleute, wie wir es schaffen können, auch auf die derzeitige Situation im Land irgendwann einmal ohne Wut zurückblicken zu können.« Wie wichtig die Auseinandersetzung mit Fragen von Geschichte und Identität für junge Menschen aus Ländern sein kann, die sich aktuell in einer politischen und gesellschaftlichen Krisensituation befinden, unterstreicht das Statement einer jungen Belarussin aus ihrer Bewerbung zu einer grenzüberschreitenden Jugendbegegnung, die die Körber-Stiftung zusammen mit Partnern im Herbst 2020 ursprünglich in Berlin ausrichten wollte.

    Die Maßnahmen zur Bekämpfung von Covid-19 behindern derzeit weltweit die Möglichkeiten für internationale Verständigungsarbeit und einen grenzüberschreitenden Austausch junger Menschen. Auch die Körber-Stiftung musste ähnlich wie alle europäischen Jugend- und Austauschwerke und viele weitere Organisationen der Jugendbildung ihre Programme im ursprünglich geplanten Format absagen. Darunter den EUSTORY Summit, ein zusammen mit vielen Partnern organisiertes Geschichtsfestival für über 100 geschichtsbegeisterte 16-25-Jährigen aus dem EUSTORY-Netzwerk. Derzeit muss sich eine ganze Branche neu erfinden. Verständigung ohne reale Begegnung – wie soll das gehen?

    Wissenserwerb, fachlicher Austausch, Diskussionen, das bessere Kennenlernen und Hinterfragen der eigenen Identität, interkulturelle Erfahrungen, der Aufbau von Freundschaften mit Menschen aus anderen Ländern oder Erfahrungen mit (Fremd)sprachen, für diese und weitere Prozesse im Rahmen von Begegnungen müssen digitale Formate gefunden und neu zusammengesetzt werden. Beim eCommemoration Campus »Beyond the Crisis«, den die Körber-Stiftung dieses Jahr anstelle des EUSTORY Summit organisiert, sind für all das zwei Monate Zeit angesetzt. In diese Zeit finden virtuelle inhaltliche Workshopsessions ebenso statt wie eKlönschnack oder Spieleabende, bei denen die Teilnehmenden viel von sich, ihrem Alltag oder ihrer Kultur einbringen.

    Ein Vorteil für die Arbeit mit Belarus

    Der durch Corona ausgeübte Zwang zur Entwicklung von Digitalformaten hat jedoch aktuell zumindest einen enormen Vorteil: So ist diesen Herbst auch den angemeldeten Jugendlichen aus Belarus eine Beteiligung trotz der fragilen Sicherheitslage im Land möglich. Und das Interesse aus Belarus an grenzüberschreitendem Austausch und der Möglichkeit von Kontakten mit jungen Menschen aus anderen Ländern ist derzeit groß. Allerdings werden für die Organisatoren und beteiligten Pädagogen eines Mitte Oktober startenden Online History Camps noch eine Fülle an Herausforderungen zu lösen sein: Die zeitweisen Sperrungen des Internets in Belarus werden voraussichtlich die Kommunikation erschweren, auch ist es im Umfeld der belarussischen Partner der Kooperation bereits zu Verhaftungen von Mitarbeitern gekommen.

    Die Erfahrungen der nächsten Wochen und Monate werden die Basis dafür sein, für die Zukunft Konzepte für die internationale Verständigungsarbeit zu entwickeln, die neue Antworten auf Barrieren wie Visabeschränkungen, politische Konfliktlagen oder auch individuelle Reisebeschränkungen von einzelnen Teilnehmenden geben können. Gleichzeitig werden nach Überwindung der Pandemie wahrscheinlich persönliche Begegnungen viel stärker wertgeschätzt, wenn sie denn endlich wieder möglich sein werden. Es ist eine Chance, zukünftig auch diese Zeit bewusster zu gestalten. Dann hoffentlich auch wieder mit einer großen Delegation aus Belarus.


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