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EUSTORY

Meldung

Weltkriegserinnerung auf Instagram

Beim eCommemoration Projekt »Europe 1945-2020: Looking back, thinking forward« recherchieren derzeit 25 junge Menschen aus 20 Ländern zur Aufarbeitung des Zweiten Weltkriegs unbekannte Lebensgeschichten. Als zeitgemäße Erinnerungsform sollen die Ergebnisse abschließend in einem Instagram-Museum präsentiert werden.

Wie bewertet eine junge Russin die Militärparaden zum »Tag des Sieges« am 9. Mai in Russland? Wird der Einmarsch der Roten Armee in Bulgarien 1944 heute als Befreiung oder Besatzung wahrgenommen? Und was lernen junge Israelis aktuell über den Zweiten Weltkrieg in der Schule? Seit fast drei Monaten diskutieren und recherchieren 25 junge Europäerinnen und Europäer zwischen 16 und 24 Jahren in einem virtuellen Klassenzimmer über die (Be)deutung des Zweiten Weltkriegs in Europa heute. Zusammen mit der Historikerin Merle Schmidt und dem Multimedia-Journalisten Marcus Bösch vergleichen sie verschiedene Perspektiven auf Krieg und Kriegsende und untersuchen ganz unterschiedliche Narrative und Erinnerungskulturen in ihren Herkunftsländern.

Derzeit führen die Jugendlichen biografische Recherchen in ihrem direkten Lebensumfeld durch. Dabei haben sie sich auf die Suche nach so genannten Silent Stories gemacht, bislang ungehörten oder vergessenen Lebensgeschichten, die stark durch den Krieg und sein Ende beeinflusst wurden. Im Zentrum stehen Schicksale, deren Erinnerung noch immer schmerzt und die geschichtspolitisch bedeutsam sind, weil sie mit gängigen nationalen Narrativen in Konflikt stehen. Bror aus Norwegen zum Beispiel erforscht die Geschichte seines Großvaters, eines deutsch-norwegischen Besatzungskindes. Alina aus Russland will am Beispiel ihrer zwei Urgroßväter – eines deutschstämmigen Zwangsarbeiters in der russischen Arbeiterarmee und eines tatarischen Rotarmisten, der in Stalingrad kämpfte – zeigen, wie die traumatischen Erlebnisse des Krieges über Generationen fortwirkten und wie vielfältig sich sowjetische Identität gestalten konnte. Und Tzivia aus Israel beleuchtet das Schicksal einer litauischen Jüdin, die im Holocaust ihre ganze Familie verlor, auf der Flucht inhaftiert wurde und noch vor der Gründung Israels bei einem Massaker der jordanischen Armee starb.

Viele der Teilnehmenden sind ehemalige Preisträgerinnen und Preisträger nationaler Geschichtswettbewerbe aus dem EUSTORY-Netzwerk und haben sich bereits intensiv mit der Geschichte ihrer Familie oder Region beschäftigt. Im Rahmen des Projektes wollen sie sich mit ihrer eigenen Geschichte, aber vor allem auch mit der Geschichte der anderen auseinandersetzen. 75 Jahre nach Kriegsende sollen die Zusammenarbeit und der Austausch zur Überwindung nationaler Grenzen in der Erinnerung beitragen. Denn der Zweite Weltkrieg hat in ganz Europa und darüber hinaus tiefe Spuren hinterlassen und sein Ende war ein wichtiger Wendepunkt des 20. Jahrhunderts. In ihrer Reflektion der Relevanz des Zweiten Weltkrieges bis in die Gegenwart arbeiteten die Jugendlichen bereits zahlreiche Unterschiede zwischen ihren Herkunftsländern heraus. Dennoch überrascht viele die große Zahl an Gemeinsamkeiten und Ereignissen, die für alle prägend waren.

Anfang März 2020 werden die Jugendlichen in einem einwöchigen Workshop in Warschau gemeinsam ihre Funde reflektieren. Für die Präsentation der Projektergebnisse gehen sie neue Wege und werden ein Instagram-Museum gestalten. Präsentiert und öffentlich diskutiert wird es im Frühjahr an verschiedenen Orten, beispielsweise am 29. April auf dem Körber History Forum in Berlin oder am 7. Mai in einer interaktiven Diskussionsveranstaltung im KörberForum in Hamburg.

Mehr Informationen zum Projekt (in englischer Sprache)

 


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