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Expedition Age & City

Barrierefreier Umbau von Innenstädten, Anreize für Begegnung und Engagement – welche städtischen Konzepte für Altersfreundlichkeit sind vorbildlich? Vom 11. bis 13. September veranstaltet die Körber-Stiftung zum ersten Mal die Expedition Age & City. Jonathan Petzold, Körber-Stiftung, erklärt, was es mit der Demografie-Reise auf sich hat.

Was ist die Expedition Age & City?

Sie ist die internationale Demografie-Reise der Körber-Stiftung. Im September dieses Jahres fahren wir mit zehn kommunalen Gestalterinnen und Gestaltern des demografischen Wandels in eine internationale Stadt, um uns dortige Konzepte von Altersfreundlichkeit anzusehen. Im Anschluss wollen wir die Erkenntnisse unserer Reise auf dem jährlichen Körber Demografie-Symposium im November einem breiteren Fachpublikum zur Verfügung stellen. 

Warum beschäftig sich die Körber-Stiftung mit dem demografischen Wandel und der alternden Gesellschaft?

Alterung ist ein internationaler Megatrend. Neben Themen wie Klimawandel, Migration und Urbanisierung wird die alternde Gesellschaft die Zukunft in vielen Teilen der Welt maßgeblich beeinflussen. Einige Länder in Ost-Asien sind in dieser Entwicklung schon weiter vorangeschritten als wir, und auch in Europa haben wir vergleichbare Trends. Überall wachsen die sogenannten Babyboomer, also die geburtenstarken Jahrgänge, aus dem Erwerbsleben heraus und beginnen, in die nacherwerbliche Phase einzutreten. Das passiert nicht plötzlich, sondern ist eine Entwicklung, die über die nächsten Jahre vonstattengehen wird.

Das hat je nach Rahmenbedingungen unterschiedliche Auswirkungen, muss aber überall angegangen werden. Sei es der barrierefreie Umbau von Innenstädten – Stichwort Universal Design, sei es neue Möglichkeiten für Engagement und Begegnung zu schaffen oder auch eine neue Szene älterer sozialer Gründerinnen und Gründer zu ermutigen – die Körber-Stiftung sieht nicht nur Probleme, sondern vor allem auch große Chancen auf unsere Städte zukommen. Entscheidend ist, dass wir uns bewusstmachen, dass der Wandel stattfindet und gestaltet werden kann und muss.

Die bevorstehenden Reisen führen stets ins europäische Ausland. Gibt es nicht auch in Deutschland gute Beispiele für den Umgang mit einer alternden Gesellschaft?

Viele deutsche Städte und Kommunen sind auf einem sehr guten Weg, und Austausch über gute Praxis und Erfahrungen haben einen großen Mehrwert für die relevanten Akteure. Wir bieten zum Beispiel mit dem Körber Demografie-Symposium und dem Stadtlabor demografische Zukunftschancen solche Möglichkeiten, gepaart mit empirischen Befunden zu verschiedenen Aspekten des demografischen Wandels und der alternden Gesellschaft.

Allerdings sind wir der Überzeugung, dass ein Blick über den Tellerrand immer lohnenswert ist. Wie machen es unsere Nachbarn? Wie machen es Städte in anderen Ländern mit anderen Rahmenbedingungen und Verwaltungsstrukturen? Und da gibt es wirklich viel zu lernen. Zumal uns zum Beispiel die skandinavischen Länder und Großbritannien in der demografischen Entwicklung um einige Jahre voraus sind. Das heißt, dort wurden bereits Veränderungen gestaltet, die uns erst noch ins Haus stehen.

Age & City lautet der Name des Projekts. Warum reisen Sie nur in Städte?

Städte sind Schmelztiegel für viele gesellschaftliche Entwicklungen. Hier wird erprobt, wie das Zusammenleben von morgen aussehen kann. Auch in Bezug auf Altersfreundlichkeit sind hier spannende Entwicklungen zu beobachten. Seien es Mehr-Generationen-Wohnprojekte, neue Engagementformen oder die Erprobung neuer Nachbarschaften: Städte sind ein Fundus an Kreativität und Neuerung, die auch vor den Verwaltungen nicht Halt machen.

Die erste Expedition führt Sie nach Aarhus? Was können die Dänen besser als wir?

Aarhus ist laut World Happiness Index die drittglücklichste Stadt der Welt. Das will schon etwas heißen. Die städtische Verwaltung dort sieht es als ihren Auftrag, allen Bewohnern zu helfen, einen »neuen Sinn für Gemeinschaft« zu entwickeln – »Help people to find a new sense of community«. Dabei setzt sie mit ganz konkreten Maßnahmen auf Demenzfreundlichkeit, die Förderung von Engagement und die gezielte Bekämpfung von Einsamkeit in der Gesellschaft. Sie bietet ihren Bürgerinnen und Bürgern sowohl digitale als auch analoge Begegnungsorte. Die online-Plattform www.genlydaarhus.de erlaubt es den Menschen, Aktivitäten vom gemeinsamen Kaffee bis zur Lern- oder Laufgruppe oder auch Kulturprogramme zu organisieren. Und Orte wie das Dokk1 direkt am Hafen der Stadt laden dazu ein, diese Aktivitäten unkompliziert umzusetzen. Die lebendige Bürgergesellschaft der Stadt findet Ausdruck in über 1000 Vereinen und zivilgesellschaftlichen Initiativen und machte Aarhus 2018 zur European Volunteer Capital.

All das hat uns überzeugt, dass es sich um ein gutes Ziel für unsere erste Expedition Age & City handelt. Was wir dort erfahren, werden wir den Teilnehmenden auf unserem nächsten Körber Demografie-Symposium vorstellen. Das findet am 6. und 7. November zum Thema »(Gem)einsame Stadt. Soziale Isolation in der alternden Gesellschaft« statt.

Wer wird an der Expedition teilnehmen? Kann man sich für die Städtereise bewerben?

Teilnehmen werden vor allem Vertreterinnen und Vertreter kommunaler Verwaltungen und Politik. Wir sind der Überzeugung, dass die kommunale Ebene der entscheidende Handlungsraum ist, um den demografischen Wandel positiv zu gestalten und sind der festen Überzeugung, dass ein internationaler Austausch für alle Beteiligten bereichernd sein wird. 
Begleitet werden sie von weiteren von der Körber-Stiftung ausgewählten Themenexpertinnen und -experten. So ermöglichen wir es, den Fokus zu erweitern und weitere Perspektiven ins Spiel zu bringen.

Ab dem 20. März 2019 wird auf unserer Homepage die Online-Bewerbung freigeschaltet werden. Gleichzeitig informieren wir Bürgermeisterinnen und Bürgermeister aus ganz Deutschland sowie weitere zentrale Akteure über die Möglichkeit der Bewerbung. Bis zum 30. Mai können sich Interessierte bewerben.

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