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Frieden machen, Frieden halten

100 Jahre nach dem Ende des ersten Weltkriegs steht der diesjährige EUSTORY Next Generation Summit der Körber-Stiftung im Zeichen von Krieg und Frieden in Europa. 120 Preisträger und Alumni von Geschichtswettbewerben aus 25 europäischen Ländern suchen im November in Berlin gemeinsam nach Wegen grenzübergreifender Verständigung.

Die Vision der europäischen Einigung als Friedensprojekt steht seit einigen Jahren verstärkt auf dem Prüfstand: der Ukraine-Konflikt schwelt weiter, die EU streitet um den Umgang mit Kriegsflüchtlingen und Einwanderern, und in vielen Gesellschaften vertiefen sich die Gräben zwischen denjenigen, die die europäische Zusammenarbeit ausbauen wollen, und denjenigen, die auf einen starken Nationalstaat und nationale Alleingänge setzen. Im Gedenk- und Erinnerungsjahr 2018 erarbeiten sich beim EUSTORY Summit vom 14. bis 19. November in Berlin junge Europäer ein tieferes Verständnis für die langen Schatten der Gewaltgeschichte des Kontinents und suchen nach Gestaltungsmöglichkeiten für ein friedlicheres Miteinander.

»Mit dieser groß angelegten Jugendbegegnung wollen wir jungen Europäern die Möglichkeit geben, Geschichte als Labor für internationale Verständigung zu nutzen und miteinander über den Wert Europas ins Gespräch zu kommen«, sagt Katja Fausser, Leiterin des EUSTORY-Geschichtsnetzwerks. Die 120 Schülerinnen und Schüler, Studierende und jungen Berufstätigen aus 25 Ländern beschäftigen sich in unterschiedlichen Workshops und mit verschiedensten Arbeitsmethoden mit Aspekten von Krieg und Frieden in Europa. Insgesamt bewarben sich über 200 Bewerberinnen und Bewerber um eine Teilnahme.

Häufig ist die Frage nach Krieg und Frieden bei jungen Erwachsenen nicht unmittelbar mit ihrem persönlichen Alltag verbunden. Für viele ist Krieg buchstäblich Geschichte: »Wir lernen viel über Krieg – die Zahl der Toten, schlechte Lebensbedingungen und andere grausame Details. Aber eigentlich wissen wir nicht, wie sich Krieg wirklich anfühlt«, beschreibt die 18jährige Rukiye, Preisträgerin des deutschen Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten, ihre Berührungen mit dem Thema. Viele Teilnehmende haben durch ihre Beiträge zu EUSTORY-Geschichtswettbewerben aber bereits einen Eindruck davon erhalten, wie sehr das blutige 20. Jahrhundert ihre Familien- oder auch Lokalgeschichte bis heute prägt. Für einige von ihnen sind militärische Konflikte sogar bedrückende Realität, wie Mariia, eine 16jährige Preisträgerin des ukrainischen Geschichtswettbewerbs, in ihrer Bewerbung für den Summit beschreibt: »Ich lebe in Donezk, der Krieg ist nur 30 km weg von uns. Soldaten und friedliche Anwohner sterben, die Häuser werden zerstört und Menschen sind gezwungen ihre Heimat zu verlassen. Der Krieg dauert nun schon fünf Jahre an.«

Wie geht das, Friedenmachen oder Friedenhalten? Zusammen mit hochrangigen Kooperationspartnern aus Wissenschaft, Kultur, Journalismus und Politik setzen sich die Teilnehmer in verschiedenen Workshops konkret mit Aspekten dieser Frage auseinander. Wie wurde nach katastrophalen Kriegen wie dem Dreißigjährigen Krieg oder dem Ersten Weltkrieg über Frieden verhandelt? Wie gehen wir in unseren Gesellschaften mit dem Gedenken an die Opfer, aber auch mit Schuld und Täterschaft um? Und was kann der Einzelne eigentlich bewegen? In allen Gruppen ist Raum für die Frage, wo historische Erfahrungen mit Krieg und Frieden in den Familien, Wohnorten oder Herkunftsländern der Teilnehmenden bis heute relevant sind. Mariia aus Donezk hofft, dass aus der Beschäftigung mit der Geschichte auch Motivation für die Zukunft entstehen kann: »Ich glaube, dass jeder Krieg durch friedliche Verhandlungen beendet werden kann. Aber es muss ernsthafte Bemühungen geben. Man muss sich zusammensetzen und die Vor- und Nachteile abwägen. Die Geschichte kennt viele Beispiele solcher Verhandlungen.«

Alle jungen Europäer, die am Summit teilnehmen, haben sich in ihren Ländern erfolgreich an nationalen Geschichtswettbewerben beteiligt, die im EUSTORY-Netzwerk der Körber-Stiftung zusammengeschlossen sind. Darüber hinaus sind auch Jugendliche aus dem Kooperationsprojekt von DVV International und der Körber-Stiftung »Geschichtswettbewerbe in Belarus, Georgien, Moldawien und der Ukraine« beteiligt, das vom Auswärtigen Amt finanziert wird.

Viele zivilgesellschaftlichen Organisationen nehmen das Erinnerungsjahr 2018 zum Anlass für Bildungs-und Friedensarbeit, die sich an die kommenden Generationen richtet, unter anderem auch eine breite Partnerallianz unter dem Dach des Deutsch-Französischen Jugendwerks (DFJW). Gemeinsam organisieren die Körber-Stiftung und das DFJW am 14. November die Veranstaltung »Youth for Peace«, mit der sowohl der EUSTORY Next Generation Summit 2018 als auch die parallel stattfindende Jugendbegegnung des DFJW »Youth for Peace. 100 Jahre Erster Weltkrieg – 100 Ideen für den Frieden« eröffnet wird.

Die Ausrichtung von internationalen Jugendbegegnungen für Preisträgerinnen und Preisträger von Geschichtswettbewerben ist seit Gründung des EUSTORY-Netzwerks im Jahr 2001 integraler Bestandteil der Arbeit der Körber-Stiftung. Zusammen mit wechselnden Partnern fanden bisher über 60 europäische History Camps in 24 Ländern Europas statt. 

Details zum EUSTORY Next Generation Summit 2018 (in englischer Sprache)


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