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Aus Seuchen und Epidemien lernen?

Die weltweite Ausbreitung des Corona-Erregers kommt vielen so vor, als habe es eine derartige Pandemie noch nie gegeben. Wie ist dieses Ereignis historisch einzuordnen? Carmen Ludwig und Gabriele Woidelko, Körber-Stiftung, werfen einen Blick in Beiträge des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten zum Thema »So geht’s nicht weiter. Krise, Umbruch, Aufbruch«.

Wie konnten sich Krankheiten, Seuchen und Epidemien in der Vergangenheit verbreiten? Welche Maßnahmen halfen bei ihrer Bekämpfung und welche Erkenntnisse aus der Vergangenheit sind nützlich für die Beurteilung der aktuellen Krise? Zu solchen Fragen kennen sich auch Schüler und Schülerinnen aus, die am Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten teilgenommen haben. Der widmete sich in der letzten Ausschreibung dem Thema »So geht’s nicht weiter. Krise, Umbruch, Aufbruch«. Rund 80 der insgesamt knapp 2.000 Beiträge beschäftigten sich mit Krankheiten, Epidemien und Versorgungskrisen in der Geschichte. An ganz unterschiedlichen Orten Deutschlands gingen die Teilnehmer beispielsweise der Entstehung und den Auswirkungen von Cholera, Spanischer Grippe und anderen Krankheitsbildern nach.

Desinfektionsanstalt und tuberkulosefreie Kühe

Drei Achtklässlerinnen aus Dresden analysierten in ihrem Beitrag die Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung, mit denen ihre Heimatstadt im 19. und 20. Jahrhundert krisenhaft auftretenden Krankheitswellen entgegentrat. Dabei untersuchten sie auch die Entwicklung von Impfstoffen. Ein besonderes Augenmerk legten die Schülerinnen auf die Bereitschaft, angesichts der Gesundheitskrisen immer wieder neue Wege zu gehen: »Die Einrichtung der Desinfektionsanstalt, die Experimente, um tuberkolosefreie Kühe zu halten oder der Aufbau des Serumwerkes zur Herstellung von heilenden oder prophylaktisch wirkenden Seren waren […] Veränderungen, die zunächst mit hohem Risiko und unklarem Ausgang verbunden waren«, halten sie fest.

Vernetzung von Medizin und Staat – schon 1918 überlebenswichtig

Die Spanische Grippe und ihre Ausbreitung im mittelhessischen Raum 1918/1919 untersuchte der Elftklässler Berenga aus Gießen in seinem Beitrag. Neben den biologischen und medizinischen Hintergründen des Grippevirus interessierte er sich vor allem für das Krisenmanagement. Sein Fazit: Die wichtigste Lehre sei es gewesen, dass Medizin, Politik und Verwaltung vernetzt zusammenarbeiten und dass alle Teile der Bevölkerung aufgeklärt werden müssten. In der Familie des Schülers ist die Erinnerung an eine Pandemie aus jüngster Zeit sehr lebendig: »Bei der Schweinegrippe, also der Pandemie 2009, […] war unsere gesamte Familie ›krank‹. Wir waren für zwei Wochen zu Hause in Quarantäne«, beschreibt er.

Alltag in Zeiten der Cholera

Auch die Cholera-Epidemie des späten 19. Jahrhunderts weckte das Interesse vieler Schülerinnen und Schüler. Den letzten größeren Cholera-Ausbruch in Deutschland verzeichnete Hamburg im Jahr 1892. »Ich vergesse, dass ich in Europa bin«, sagte der Bakteriologe Robert Koch nach einem Ortstermin im damaligen Gängeviertel der Hansestadt. Viel zu spät war er vom Hamburgischen Senat zu Hilfe gerufen worden. Zwei Sechstklässlerinnen aus Hamburg schildern in ihrem Wettbewerbsbeitrag den Alltag der Menschen in Hamburg zu Zeiten der Cholera. Sie entwarfen dazu ein fiktives Tagebuch und schrieben aus der Sicht einer – ebenfalls fiktiven – gleichaltrigen Zeitzeugin.

Eine weitere Schülergruppe aus Hamburg, die zum Thema Cholera gearbeitet hat, formulerte am Ende eine klare politische Forderung: »So eine Situation (die Cholera-Epidemie) sollte nie wieder geschehen, denn sie hat verdeutlicht, wie wichtig es ist, dass die Regierenden eine Politik für alle machen und nicht nur die Bedürfnisse einiger weniger befriedigen. Unser heutiges demokratisches System versucht genau dies zu gewährleisten.«

Vergangenheit auf der Überholspur zur Gegenwart

Dass wir alle nur wenige Monate nach Ende der 26. Ausschreibung des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten mit einer weltweiten Krise durch die Corona-Pandemie konfrontiert sein würden, hat zumindest in der Geschäftsstelle des Geschichtswettbewerbs niemand geahnt. Wie schnell die Auseinandersetzung mit der Geschichte von Epidemien und Seuchen traurige Aktualität gewinnen kann, ist derzeit überall zu spüren. Teile der Vergangenheit sind auf der Überholspur zur Gegenwart geworden.

Bedenkenswert ist das Fazit der drei Schülerinnen aus Dresden: »Aus der Bearbeitung dieser speziellen historischen Krisensituation haben wir herausgefunden, dass eine Krise nicht nur schlecht ist. Ohne sie gäbe es vielleicht weniger Umbrüche im Denken, weil der Druck zur Veränderung nicht so groß ist.« In jedem Fall sind wir gespannt darauf, wie Schülerinnen und Schüler von heute im Jahr 2070 die Corona-Krise beurteilen werden.

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