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Meldung

30 Jahre Friedliche Revolution

»›Ich krieg' hier Gänsehaut!‹ 30 Jahre Friedliche Revolution – Für ein offenes Land mit freien Menschen« – über dieses Thema des 8. Sächsischen Geschichtscamps in Leipzig diskutierten auch zehn Preisträgerinnen und Preisträger des Geschichtswettbewerbs, so mit der Bürgerrechtlerin Katrin Hattenhauer und dem Musiker Sebastian Krumbiegel.

Das diesjährige Geschichtscamp bot 60 Schülerinnen und Schülern aus Sachsen und Baden-Württemberg die Gelegenheit, Themen der Friedlichen Revolution und ihrer Vorgeschichte zu erforschen. Zum Programm zählten unter anderem Einblicke in Stasi-Akten, Gespräche mit Zeitzeugen, Diskussionen mit Experten und der Besuch des ehemaligen Stasi-Bunkers in Machern bei Leipzig. In verschiedenen Workshops konnten die Teilnehmenden vertiefende Einblicke in die Thematik erhalten. Auch Formen der Erinnerung und die aktuelle Bedeutung von Protesten und Bewegungen spielten eine Rolle.

Für Jeremy, Preisträger des Geschichtswettbewerbs aus Dessau-Roßlau, stehen dabei insbesondere die Errungenschaften der Demonstranten von damals im Mittelpunkt. »Ich kann aus meiner Perspektive heute natürlich nachvollziehen, warum die Menschen so demonstriert haben. Hätte die Jugend damals nicht so demonstriert, würden wir heute vielleicht immer noch in zwei getrennten Staaten leben. Man hätte nicht die Vorzüge wie wir, hier in der EU einfach frei reisen zu können oder generell in den Westen zu gehen, wie und wann man möchte. Dafür waren die Demonstrationen sehr wichtig.«

Zum Thema Jugendprotest lud auch eine öffentliche Abendveranstaltung der Körber-Stiftung und des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig ein. Die Bürgerrechtlerin Katrin Hattenhauer und Sebastian Krumbiegel, Musiker und Frontmann der aus Leipzig stammenden Band »Die Prinzen«, sprachen zum Auftakt des Geschichtscamps über persönliche Erinnerungen an die Auf- und Umbrüche im Herbst 1989 und an den Prostest auf der Straße. Neben den damaligen Erfahrungen und Ängsten im Herbst 1989, schlugen Katrin Hattenhauer und Sebastian Krumbiegel den Bogen auch in die Gegenwart. »Wir hatten 1989 Angst auf die Straße zu gehen. Es war gefährlich. Jetzt ist es ein Grundrecht: Die jungen Leute auf den ›Fridays for future‹-Demos können diese Freiheit nutzen und über ihr wichtiges Anliegen sprechen. Die machen sich Gedanken um ihre Zukunft. Klar, dass die sich einbringen wollen und gut, dass sie es können«, betonte Krumbiegel.

Gia-Linh aus Bremen nahm als Landessiegerin des Geschichtswettbewerbs am fünftägigen Programm teil. Vor allem die Bedeutung von Jugendprotesten für heute beschäftigte sie. »Ich glaube, wir – die Jugend heute – können uns nie vorstellen, in dieser Zeit mal gelebt zu haben. Vor allem wegen der politischen Situation damals, weil wir es gewohnt sind, frei zu sein. Wir sind heute auch frei, an verschiedenen Protesten teilzunehmen, wie zum Beispiel Fridays for Future.«

Für Gabriele Woidelko, Leiterin des Bereichs Geschichte und Politik der Körber-Stiftung, hat das Sächsische Geschichtscamp gerade im Jubiläumsjahr der Friedlichen Revolution und des Mauerfalls einen besonderen Stellenwert: »Jugendliche und junge Erwachsene aus Ost und West kommen hier zusammen, um miteinander über die Bedeutung der historischen Ereignisse von 1989 für unsere Gesellschaft heute zu diskutieren. Damit leistet das Geschichtscamp einen wichtigen Beitrag dazu, Brücken innerhalb der nächsten Generation zu bauen und junge Menschen für den Wert der Demokratie zu sensibilisieren«, so Woidelko.     

Das Geschichtscamp zum 30. Jahrestag der Friedlichen Revolution wurde vom Sächsischen Staatsministerium für Kultus in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Schule und Bildung und dem Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg ausgerichtet. Seit 2012 ist auch die Körber-Stiftung Partner des Geschichtscamps.

Interview mit Sebastian Krumbiegel
Weitere Informationen zum Geschichtswettbewerb

 


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