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Meldung

Schüler untersuchen wirtschaftliche Umbrüche und Strukturwandel

Das Ende des Steinkohlebergbaus, die Privatisierung der volkseigenen Betriebe der DDR oder der Wandel von einer Agrar- zur Tourismusregion: In rund fünf Prozent der eingereichten Beiträge des Geschichtswettbewerbs beschäftigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit strukturellem Wandel und dessen Auswirkungen auf ihre Heimatregionen.

Schicht im Schacht – Danke Kumpel! 

Die Schließung der letzten deutschen Steinkohlezeche Ende 2018 in Bottrop inspirierte viele Schülerinnen und Schüler des Ruhrgebiets, sich in 30 Beiträgen näher mit der Geschichte des Bergbaus, sowie dessen Bedeutung für ihre Region auseinanderzusetzen. Sie verfolgten den stetigen Strukturwandel: Von den ersten Schürfrechten und der schnellen Entstehung der Zechen, dem daraus resultierenden enormen Bevölkerungszuzug und dessen Herausforderungen, bis zum Wandel des Kohlereviers zu einer Dienstleistungsstruktur heute. 

In ihren Beiträgen betonen die Schülerinnen und Schüler den Einfluss, den das Ruhrgebiet als Industriestandort für Deutschland hatte und hat. »Glaubt ihr, dass Deutschland so wäre, wie wir es kennen, wenn es den Bergbau nicht gegeben hätte?«, fragt eine Gruppe Zwölftklässler aus Herne und beantwortet diese Frage selbst: »Wir nicht«. In ihrem Beitrag untersuchen sie den Wandel von einer Bergbauregion zur heutigen Industriekultur. Marie und Joline, zwei Siebtklässlerinnen, die versuchen, diesen Wandel nachzuvollziehen, beschreiben ihr Ziel, der jüngeren Generation die Geschichte des Bergbaus näherzubringen: »Unsere Generation kann sich […] kaum etwas unter diesem Bergbauleben vorstellen, aus diesem Grund haben wir den Entschluss gefasst, uns mit der Bergbaugeschichte und den Menschen im Ruhrgebiet zuerst auseinander zu setzen, bevor wir das Zechenaus und den Strukturwandel im Ruhrgebiet zusammenfassen«.

Als Medium der Wissensvermittlung konzipierten sie ein Brettspiel und einen Museumskoffer, den sie mit verschiedenen Aufgaben und Gegenständen füllten. Auch die Auswirkungen der Zechen auf die Umwelt, sowie Bergbauunglücke thematisierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Neben der Recherche in Museen, Stadt- und Landesarchiven, befragten sie ehemalige Kumpel und besuchten zentrale Orte des Bergbaus. Sarah aus Datteln führte für ihre Recherchen ein Interview mit ihrem Großvater: »Ich sah wie mein Opa aufblühte, als ich ihm Fragen zu dem Bergarbeiterleben stellte und wie er sich freute, als ich ihm von meinen Recherchen erzählte«. 

Von Privatisierung bis Tourismus

Nicht nur der Strukturwandel in den alten Kohlerevieren beschäftigte die jungen Geschichtsforscher. Auch in anderen Regionen setzten sich die Kinder und Jugendlichen mit den dortigen wirtschaftlichen Veränderungen auseinander und verfolgten die Entwicklung bedeutender lokaler Industriezweige. Thematisiert werden mitunter die Stahlindustrie sowie die Textilindustrie. In fünf Beiträgen wird die Privatisierung der volkseigenen Betriebe der DDR und der Übergang in die soziale Marktwirtschaft behandelt. Henri aus Meißen erforschte den Strukturwandel in der ehemaligen DDR nach der Wiedervereinigung exemplarisch anhand der Privatisierung eines Betriebs aus Sachsen. Er untersucht nicht nur die aus der Wiedervereinigung resultierende Transformation des Staates und der Volkswirtschaft, sondern deren Einfluss auf die gesamte Gesellschaft. Anton beleuchtet den bewusst herbeigeführten Wandel in Nohfelden im Saarland, der sich von der Landwirtschaft als stärkstem Wirtschaftszweig hin zum Tourismus und der Schaffung neuer Arbeitsplätze vollzog. Als Auslöser des Strukturwandels identifiziert der Schüler aus Saarbrücken die Schaffung des Bostalsees 1973 als Naherholungsgebiet. 

Strukturwandel als Aufbruch

Die Schülerinnen und Schüler urteilten aufgrund ihrer Recherchen, dass ein Strukturwandel meist unvermeidbar war. Sie erfuhren, dass ein bewusst herbeigeführter Strukturwandel auch als Aufbruch aus einer wirtschaftlichen Krise genutzt werden kann und maßgeblich zur Entwicklung der Städte und Dörfer, sowie zur Prägung der Gesellschaft beiträgt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer stellen heraus, dass man sich gegenwärtig vermehrt mit der Geschichte strukturellen Wandels und dessen anhaltender Prägung auseinandersetzen sollte. Sarah aus Datteln betont am Ende ihrer Recherchen zur Geschichte der Zeche Emscher-Lippe: »Der Bergbau war und ist heute immer noch ein so großer Teil Ruhrgeschichte und sollte nicht vergessen werden. Zwar gibt es in den großen Zechenstädten noch Museen oder Denkmäler, aber in den kleineren Städten eher weniger. Der Bergbau wird oft nicht mehr thematisiert und in der Öffentlichkeit dargestellt. […] Ich hoffe, dass ich mit meinen Beiträgen ein Stück zur weiteren Auseinandersetzung beitragen konnte«.

Über den Geschichtswettbewerb

Seit 1973 richten die Hamburger Körber-Stiftung und das Bundespräsidialamt den Geschichtswettbewerb aus, der auf eine gemeinsame Initiative des damaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann und des Stifters Kurt A. Körber zurückgeht. Ziel ist es, bei Kindern und Jugendlichen das Interesse für die eigene Geschichte zu wecken, Selbstständigkeit zu fördern und Verantwortungsbewusstsein zu stärken. Ausgeschrieben wird der mit bislang über 146.500 Teilnehmern und rund 33.500 Projekten größte historische Forschungswettbewerb für junge Menschen in Deutschland in einem zweijährigen Turnus und zu wechselnden Themen.

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