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Aus Berufung Entertainer

Axel von Koss wurde 1925 in Hamburg geboren. Seine Leidenschaft fürs Entertainment entwickelte er früh und bewahrte sie auch während seiner Kriegsgefangenschaft in England, arbeitete später, ebenfalls in England, für den Filmdienst der »War Prisoners Aid«. Zurück in Deutschland, drehte er Filme, machte Theater, übersetzte englische Stücke und bearbeitete Fernsehsendungen fürs Ausland. 1998 landete er bei der Hörbücherei des Haus im Park. Er war bis Januar 2017 einer ihrer Leiter. Begonnen hatte er als Sprecher. Bald war er auch verantwortlich für die technischen Belange der Bibliothek. Bis heute beteiligt sich Axel von Koss an der Gestaltung des neuen Liveformates der Hörbücherei.

»Ich bin, wenn Sie so wollen, ein Filmemacher. Und ein bisschen Entertainer. Das hat angefangen, als ich noch klein war, als man mich mit einem Gedicht auf so ein Podest gestellt hat in der Turnhalle. Seither hat mich das gereizt.

Meine Eltern waren Gastronomen und hatten immer viel zu tun. Wir haben in der Moltkestraße gewohnt, und sie haben mich sonntags in die Hoheluftchaussee ins Kino geschickt, vielleicht wollten sie auch mal einen Augenblick allein sein, das weiß ich nicht. Das Kino hat mich unheimlich interessiert. Zu Weihnachten, als ich sechs oder sieben war, habe ich meinen ersten Filmapparat bekommen, der war mit der Kurbel zu betätigen. Damals habe ich auch meinen ersten elektrischen Schlag bekommen, weil ich in die Fassung reingegriffen habe.

Als Vierzehnjähriger bin ich ausgebüxt, weil ich Filmschauspieler werden wollte. Ich bin nach Babelsberg gefahren und fragte: 'Kann ich da mitmachen?' Aber die sagten mir, hör mal, so einfach ist das nicht. Das war ja damals so eine Geschichte, Schauspieler zu werden. Entweder hattest du Geld, oder du brauchtest ein Stipendium. Und wenn du eines haben wolltest, musstest du einen bürgerlichen Beruf nachweisen. Ich hab dann auch einen Beruf gehabt, ich war bei C&A Brenninkmeyer in der Werbeabteilung, habe dort Dekorateur gelernt. Und ging dann in die Werbefachschule im Lerchenfeld. 1942 hieß es, ihr werdet bald eingezogen, da habe ich dann die sogenannte Notprüfung gemacht, als Gebrauchswerber, so nannte man das. Man musste Texte und Plakate gestalten können, Schaufenster dekorieren, all solche Sachen. Das hat mir alles eigentlich gar nicht so sehr gelegen. Dafür befasste ich mich nebenher ernsthaft mit der Zauberei. Das lag mir mehr.

Aber es war ja Krieg. Ich wurde dann eingezogen, war ein paar Jahre Soldätchen in Frankreich. Hatte Glück, war Funker, machte Wehrbetreuung mit unserer Kleinen Regimentsmusik, als Conférencier und Zauberer in Uniform. In der Kriegsgefangenschaft hatte ich dann wieder wahnsinniges Glück. Ich war beim Amerikaner gefangen, wurde dann aber zum Engländer überwiesen. Und da haben wir richtig Theater gespielt und Programme gemacht, ich schrieb meine ersten Stücke – es musste ja auch ein bisschen für Unterhaltung gesorgt werden. Im Mai 1946 wurde ich nach London geschickt und arbeitete zwei Jahre für die Kriegsgefangenenhilfe des YMCA in der Filmabteilung. Mir wurde die Organisation von etwa vierzig Filmkreisen übertragen, ich bin in Zivil in England umhergefahren und habe in den Lagern neue Filmvorführer eingewiesen.

1948 kam ich wieder zurück nach Hamburg. 1953 habe ich meine erste Firma gegründet, den 'Deutschen Heimatfilm-Dienst'. Ich habe über einhundertvierzig Filme gemacht über deutsche Ortschaften, ich habe sie gedreht, geschnitten, kommentiert und vorgeführt, in Kinosälen oder Gasthöfen. Zwischen siebzig und hundert Minuten lang waren die. Sie hießen immer 'Bei uns in Hagen', 'Bei uns in Dodenau', 'Bei uns in Berleburg' und so weiter. Aus Dodenau hab ich gerade wieder eine Karte bekommen. Die haben den Film sogar digitalisieren lassen.

»Ich bin ja im inneren Herzen ein Entertainer.«

Aus Spaß an der Freude habe ich zwischendurch immer noch Theater gespielt. Und dabei habe ich jemanden kennengelernt, Arno Voss, der wohnte hier in Bergedorf. Er hatte wiederum einen Bekannten, der im Haus im Park in der Hörbücherei beschäftigt war. Der suchte Sprecher und fragte uns, ob wir nicht Lust hätten mitzumachen. Arno Voss und ich mussten erst einmal eine Probe abliefern. Für die Sprecher war das gar nicht so schwierig, wie ich gedacht hatte. Aber technisch ... na ja. Die haben das mit ganz einfachen Mitteln auf die Kassetten gebracht, zu Hause. Die rauschten, die Heimgeräte hatten ja meist nur ein eingebautes Mikrofönchen. Den Motor hörte man auch, und auf einer Kassette war im Hintergrund ein Kindergeburtstag zu hören. Das soll aber nicht abwertend sein, da haben sich Leute wahnsinnige Mühe gegeben, Menschen, die schlecht sehen konnten, etwas zum Hören zu geben.

Unsere erste Kassette hieß dann 'Dezembergeschichten, nicht nur zu Weihnachten zu hören'. Da erzählten Arno Voss und ich Kurzgeschichten, heitere und besinnliche, einmal er und einmal ich. Wir haben das natürlich mit Musik aufgepäppelt, haben in meinem Kellerstudio ein richtiges kleines Hör-Feature produziert. Das war etwas Neues. 'Ach, das ist schön', sagte man uns, 'dann müssen Sie aber auch bei uns bleiben!' Die Hörbücherei hat sich einmal im Monat getroffen, das ist bis heute so geblieben, das hat sich nur vom Freitag auf den Dienstag geändert. Wir haben bei diesen Treffen besprochen, was wir lesen werden, jeder hatte seine freie Wahl.

Eines Tages habe ich von einem Freund aus der Theaterzeit einen Minidisc-Recorder geschenkt bekommen. Ich fand das Gerät faszinierend, vor allem, weil man damit wunderbar schneiden konnte. Und dann hab ich mal mit Dieter Wagner, der damals das Haus im Park geleitet hat, gesprochen, und wir waren uns einig: 'Wir müssen umstellen!' Dann wurden zehn moderne Geräte angeschafft. Und ab diesem Zeitpunkt produzierten wir digital, statt Hörkassetten machten wir CDs. Wir haben auch viele der Aufnahmen auf CDs übertragen. Das war und ist sehr schwierig, weil die Kassetten oft über einhundertzwanzig Minuten laufen, eine CD aber nur achtzig Minuten fasst. Also muss der Text umgeschnitten werden, es macht also recht viel Gedöns. Ganz fertig sind wir noch immer nicht. Nun ja, der Elan hat ein bisschen nachgelassen, weil wir nicht mehr so viele Hörer haben. Man kann ein Hörbuch heute ja für drei oder vier Euro im Supermarkt kaufen.

Neu aufgenommen wird jetzt nichts mehr. Wir machen keine Hörbücher mehr, wir zeigen jetzt Liveprogramme, möglichst drei im Jahr. Das machen wir auch hier im Haus im Park, wir gehen aber vor allem nach außen, in Altenresidenzen. Wir waren da mit unseren 'Jahreszeiten-Programmen', dem 'Wilhelm-Busch-Abend', und mit dem kleinen literarischen Kabarett 'Ein Blatt vor dem Mund'. Das ist jetzt unsere Aufgabe, draußen zu unterhalten. Zu entertainen. Wir stellen Texte zusammen und lesen sie, mit verteilten Rollen. Ich selbst mache aus Geschichten oft kleine Sketche. 'Du stellst zu hohe Ansprüche', wird mir beim Proben oft gesagt. 'Aber das muss ich doch', sag ich dann, 'ich hab doch ein Publikum, das mich nicht kennt, die Leute müssen doch das Gefühl haben, ernst genommen zu werden!'

Ich finde es schön, wenn man Menschen ein bisschen fesseln kann. Das ist doch etwas, auch mal zu vergessen, ich zu sein. Ich sage jeden Tag einmal mit kräftiger Stimme: 'Guten Tag, meine Damen und Herren!', nur für mich. Oder: 'Das ist ein wunderschöner Tag!' Auch mal ein Stück Gedicht, das mir gerade so einfällt. Ich mache das, um das Sprechen immer noch ein bisschen zu üben. Wenn ich es vergesse, fällt es auf, dann sagt meine Frau: 'Du hast heute noch gar nicht Meine sehr verehrten Damen und Herren gesagt.'«

Axel von Koss: »Ich bin ja im inneren Herzen ein Entertainer. Ich finde es schön, wenn man Menschen ein bisschen fesseln kann.«


 

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