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    »Am Anfang war die Idee« – Frauen 60plus als Gründerinnen

    Es braucht Vorbilder, um Frauen zu ermutigen, ein Unternehmen zu gründen. Darin sind sich Gründerin Elke Jensen, Jana Lunz von der Körber-Stiftung und Ria Schröder, FDP-Politikerin, einig. Sie sagen: Die Zeit ist reif für eine Gründerinnen-Kultur für Ältere.

    Getroffen haben sich die Expertinnen jüngst bei einer von der von der Friedrich-Naumann-Stiftung initiierten Debatte, wo sie Vorträge zum Thema gehalten haben. Immer mehr Frauen wollen nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben eigene Ideen verwirklichen und eigenverantwortlich sinnstiftende Aufgaben übernehmen.

    »Frauen, macht einfach!«, so lautet die finale Aufforderung von Elke Jensen. Die 71-jährige Unternehmerin gründete vor kurzem ihr Startup CityCaddy UG. Der CityCaddy ist Shopper, Trolley und Gehhilfe in einem und bereits in Produktion gegangen. Bevor Elke Jensen ihr Produkt entwickelte und sich in Betriebswirtschaft einarbeitete, war sie beruflich viele Jahre in den Bereichen Kunst, Design und Produktgestaltung tätig. »Am Anfang«, so die tatkräftige Unternehmerin, »hatte ich eine Idee, das Unternehmen kam später«. Vor allem mit der Finanzierung zur Realisierung ihrer Idee hatte Elke Jensen Probleme. Schließlich gelang ihr der Firmenstart vor allem mit Hilfe ihres über Jahre gewachsenen Netzwerkes, ihrer Familie und Freunde.

    Netzwerke sind eine der Voraussetzungen, die eine Unternehmensgründung im Alter besonders begünstigen, berichtet Jana Lunz, die in der Körber-Stiftung seit 2018 den Zugabe-Preis für soziale Gründerinnen und Gründer 60plus verantwortet. Wer Netzwerke habe, findet eher Unterstützung, Mitstreitende und Investorinnen und Investoren. Wer zudem mit seiner Neugründung an ein Lebensthema anknüpft, hat einen Vorsprung. Eine besondere Herausforderung ist mit Sicherheit die Gründung, die mit einem Produkt einhergeht. Von der Produktentwicklung über die Patentanmeldung und Marktzulassung bis hin zum Aufbau des Vertriebssystems ist es ein langer Weg.
    Eine Unternehmensgründung ist eine sehr herausfordernde »Zugabe« im Leben. Unternehmerin zu sein bedeutet mehr Verantwortung, mehr Arbeit, mehr Risiko, mehr Bindung an das Projekt, mehr Notwendigkeit von Weitsicht, letzteres zum Beispiel bei der Nachfolgeregelung. Aber die älteren Gründerinnen und Gründer berichten auch von einer hohen Identifizierung mit den Aufgaben, von mehr Selbstbestimmung und Zufriedenheit, sie fühlen Bereicherung und Glück. Es ist eine gute Möglichkeit, seine Lebensbilanz emotional zu vergolden.

    Auffällig ist, dass Frauen bei ihrer Neuorientierung für die Zeit nach dem Berufsleben häufig soziale Felder wählen, sich meistens in bestehenden Hilfsorganisationen engagieren. Eine Unternehmensgründung steht dann oft erst an, wenn eine neue gute Initiative verstetigt bzw. Strukturen geschaffen werden müssen, die verlässlich und nachhaltig sind. Der Gedanke, ein Unternehmen zu gründen, muss besonders bei den Frauen selbstverständlicher werden, betonten alle drei Diskutantinnen.

    Hier lohnt ein Blick auf die jungen Startup-Gründerinnen, die zunehmend die Finanzierungslücken im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen schließen und selbstbewusst in den Markt gehen.
    Die Berufs- und Lebenserfahrung der Älteren, sieht Ria Schröder, 29 auch bei der jüngeren Generation immer mehr wahrgenommen. Die Schubladen »alt« und »jung« gebe es nicht wirklich, gemischte Teams seien am erfolgreichsten. Warum das Prinzip nicht auf die Startup-Szene übertragen, schlägt Jana Lunz vor. Anstatt eines Senior Startup Hubs gleich generationsübergreifend Zukunftschancen gemeinsam nutzen.

    Der Bedarf nach Austausch und Unterstützung für Gründungsinteressierte sei groß, unterstrich Elke Jensen aus eigener Erfahrung. Die Begleitung vom Businessplan bis hin zur Unternehmensplanung sei dringend notwendig, auch eine Fehlerkultur. Jensen: »Frauen, macht einfach, traut euch!«


    Zum digitalen Podiumsgespräch hatte die Friedrich Naumann Stiftung am 8. Juli 2021 unter dem Titel »Gründerinnen. Unternehmensgründung im Seniorenalter« eingeladen. Moderiert wurde die Veranstaltung von der NDR-Journalistin Birgit Augustin.


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