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Haus im Park
  • Die Studie »Kommunale Innovation« ist als Körber-Topic erschienen
  • Kommunale Entscheider im digitalen Gespräch über Corona und Innovation
  • WHO-Sonderberater David Nabbaro auf dem digitalen Körber Demografie-Symposium
  • Die Soziologin Silke van Dyk
  • Der Architekturkritiker und FAZ-Autor Niklas Maak
  • Fragen an den Architekturkritiker und FAZ-Autor Niklas Maak
  • Innovationen jetzt! Valerie Mocker
  • Karin Haist und Jonathan Petzold aus dem Team Demografische Zukunftschancen der Körber-Stiftung beschließen das 11. Körber Demografie-Symposium
  • Standpunkt

    Corona: Die globale Herausforderung braucht lokale Führung

    Wieder hat die Corona-Pandemie unsere Städte und Kommunen fest im Griff. Das Körber Demografie-Symposium vom 4. und 5. November hat sich mit der Frage beschäftigt, was kommunal Verantwortliche in der Corona-Krise für ihre älteren Bewohner tun können. Wie wichtig ist die lokale Ebene im Kampf gegen die Pandemie? 

    In der Pandemie haben sich die Kommunen bisher bewährt. Sie haben die erste Phase innovativ bewältigt und an vielen Stellen pragmatische Lösungen für die Information, Versorgung und soziale Einbindung ihrer älteren Bewohner geschaffen. Ihr Kapital, von dem sie auch weiterhin zehren können, sind lokale Ökosysteme: Kommunikation und Kooperation in überschaubaren Räumen, gewachsene Strukturen und Netzwerke. Und was ebenfalls weiterhilft, ist eine Führungskultur, die Innovation und kreative Personen ermutigt. 

    Das spiegeln die Ergebnisse einer qualitativen Befragung der Körber-Stiftung und des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung wider, die zum Körber Demografie-Symposium vom 4. und 5. November präsentiert wurde. Die beiden im Berlin Institut für die Befragung verantwortlichen Wissenschaftler, Manuel Slupina und Adrián Carrasco Heiermann, loben nicht nur die Innovationskraft der Kommunen während der ersten Corona-Welle, sondern auch das zugrundeliegende Prinzip der Subsidiarität, die Zuständigkeit der kleinsten politischen Einheit: »Je länger die Pandemie andauert, desto mehr entpuppt sich die vermeintliche Schwäche der ›Kleinteiligkeit‹ im bundesdeutschen Föderalismus als Stärke.« 

    Vertrauen entsteht nur lokal

    Der Sonderbeauftragte des Generalsekretärs der WHO für den Kampf gegen das Coronavirus, der britische Arzt David Nabbaro, zeigt sich überzeugt, dass Restriktionen und Notfallmaßnahmen von oben nicht ausreichten, um der Covid-Pandemie global Herr zu werden: »It’s all about trust« – nur durch Vertrauen in die Maßnahmen und die Handelnden dahinter könnten Menschen überzeugt werden, sich an Spielregeln zu halten und sich und andere zu schützen. Und dieses Vertrauen in die Krisenbewältigung entstehe nur vor Ort, »nur durch lokale Führung«. 

    Den rund 180 Teilnehmenden des Demografie-Symposiums rief David Nabbaro zu: »Wir müssen lernen, noch länger mit der Präsenz von Covid 19 zu leben – und trotzdem müssen wir leben.« Gefragt seien funktionierende Gesundheitssysteme, Hygienemaßnahmen jedes Einzelnen – und »Leadership«, eben vor allem im kommunalen Kosmos. 

    »Die kreativen Köpfe sind in den Gemeinden und Städten«

    Dass die Städte und Gemeinden entschieden handeln, verdeutlichen drei kommunal Verantwortliche im Gespräch. Susanne Jungkunz, Leiterin der strategischen Sozialplanung der Stadt Oldenburg in Oldenburg, lobt, wie agil sich die Verwaltung auf die Pandemie einstellen konnte und wie man aus verschiedenen Blickwinkeln, aber immer kooperativ reagiert habe: »Die Corona-Transformation hat so viel angetriggert. Dahinter können wir nicht wieder zurück.« Franz Stahl, langjähriger Bürgermeister der Stadt Tirschenreuth in der Oberpfalz, sieht die Kommunen auch als Vorreiter in der Zusammenarbeit mit der Bürgergesellschaft. »Die kreativen Köpfe sind in den Gemeinden und Städten.«

    Ferid Giebler, Bürgermeister von Muldestausee in Sachsen-Anhalt, hat mit seinen Mitarbeitenden in der Corona-Krise einen kleinen kreativen Zirkel gebildet. Wo nötig, könne »die Verwaltung auch mal schnell umstrukturiert werden«. Die Kommunen seien leistungsfähig: »In der Krise kann man sich bewähren.«

    Mit Mut zur Innovation kann die Krise die Kommunen voranbringen

    Die Krise als Chance für Kommunen? Der Architekturhistoriker und FAZ-Autor Niklas Maak sieht das so. Corona lege die Schwächen der Stadtplanung und Städtebaupolitik schonungslos offen: Jetzt, wo Menschen zuhause vereinsamten, werde offenbar: »Wir bauen an 80 Prozent der Bevölkerung vorbei«; alternative Wohnformen blieben nahezu unberücksichtigt. Lokal Verantwortliche ermutigt er, die bauliche Zukunft der Städte nicht den Baukonzernen zu überlassen, sondern mit Mut zur Innovation »kollektive Wohnzimmer« im Stadtraum zu entwickeln und beim Wohnungsbau auf Begegnungsmöglichkeiten, Familien- und Altersfreundlichkeit zu setzen. Lange genug habe sich das Wohnen für Ältere am Krankenhausbau ausgerichtet – keine Antwort für die »Rock’n-Roll-Generation«, die auch im Alter selbstbestimmt wohnen wolle.

    Noch weiter in die Zukunft blickte der Robotics-Forscher Sami Haddadin von der TU München: In Kooperation mit der Stadt Garmisch-Partenkirchen erprobt er die Anwendung von Pflegerobotern für das selbstständige Leben im Alter. Auch aus der Sicht seiner Disziplin, der »Geriatronik«, kann die Coronakrise zum Innovationstreiber werden: Jetzt sei die Zeit, in der Digitalisierung eine neue Phase einzuleiten. Nach der Digitalisierung von Informationen können künstliche Intelligenz und Robotik nun auch menschliche Fähigkeiten digitalisieren.

    Eine Vorkämpferin für eine Digitalisierung, von der alle profitieren sollen, ist auch Valerie Mocker, lange Jahre als Programmdirektorin beim britischen Innovationsfond NESTA, heute freie Sprecherin und Tech-for-Good-Investorin in Oxford. Die kommunalen Entscheiderinnen und Entscheider ermutigt sie, in ihrer Arbeit für die altersfreundliche Stadt weiterhin so experimentierfreudig und mutig zu sein: »Die Zeit für Innovationen ist jetzt.«

    Altersfreundlichkeit heißt auch: Alter differenziert sehen

    Dass »Altersfreundlichkeit« in der Coronakrise nicht nur bedeutet, ältere Menschen vor dem Virus zu schützen oder in der Isolation zu versorgen, legt die Soziologin Silke van Dyk allen lokalen Demografieverantwortlichen nahe. Es bleibe wichtig, Alter differenziert zu sehen. Die Lebensphase zwischen 60 und 100 sei nicht homogen. Und wenn Alter in der Pandemie pauschal als Risikogruppe abgestempelt werde, dann verdecke das zum einen, dass Corona keine Alterserkrankung sei, und zum zweiten, dass Corona sozial schwächere Ältere viel stärker treffe.

     

    Das 11. Körber Demografie-Symposium stand unter dem Titel »Disruption und Innovation.
    Wie Corona die altersfreundliche Stadt verändert« und fand erstmals coronabedingt nur digital statt. Hier finden Sie das Programm und Mitschnitte.

    Die 24-seitige Broschüre »Kommunale Innovation. Altersfreundlichkeit in Zeiten der Corona-Pandemie« ist in der Reihe »Spotlight Demografie« erschienen. Sie ist hier kostenfrei bestellbar.


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