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Haus im Park
  • Als erste externe Gruppe heißt Bereichsleiterin Eva Nemela (ganz links) die Direktor:innen des Health and Care Departments der dänischen Stadt Aarhus auf der Baustelle des KörberHauses willkommen (Foto: Karin Haist)
  • - Meldung

    Kommunale Demografiearbeit in Dänemark und Deutschland

    Wie sind die Gestaltungsmöglichkeiten kommunaler Pflegepolitik? Was macht öffentliche Orte für ältere Menschen attraktiv? Der Besuch einer städtischen Delegation aus Aarhus im Haus im Park erlaubt einen deutsch-dänischen Vergleich.   

    7.000 Mitarbeitende hat das Department of Health and Care der zweitgrößten dänischen Stadt Aarhus – im Schnitt ist das eine Fachkraft pro 35 Menschen. Dennoch lautet der strategische Kernsatz der Gesundheitsabteilung: »Keep the Citizens away«. Das klingt nur provozierend, meint aber: Sozial- und Gesundheitsangebote sollen in der Prävention so flächendeckend und im Betreuungsfall so gut sein, dass gerade auch ältere Bürger:innen gar nicht erst als Pflegefall rundum zu versorgen sind. Von der Praxistauglichkeit dieses Anspruchs ist das Führungsteam des Departments überzeugt.

    Behördenchef Hosea Che Dutsche und zehn seiner Direktor:innen aus dem Health and Care Department waren am 23. November zu Gast im Bergedorfer Haus im Park der Körber-Stiftung. Dänemark macht für Wohlfahrtsleistungen und Pflege in erster Linie die Kommunen verantwortlich. In Aarhus ist der Anspruch: Die Stadt sorgt für die Rahmenbedingungen, aber alle sozialen Angebote sollen von der öffentlichen Hand gemeinsam mit den Bürger:innen gestaltet werden. Wohlfahrt ist nach diesem Verständnis keine Einbahnstraße. Das sieht auch der Alters- und Zivilgesellschaftsforscher Thomas Klie so, der als Experte und Politikberater in Deutschland für eine stärkere Rolle der Kommunen in der nationalen Pflegepolitik streitet. In der Diskussion mit den dänischen Gästen schlägt Klie wohnortnahe Versorgungsangebote, innovative Pflegestrukturen, zum Beispiel als lokale Genossenschaften – und das Leitbild einer »Sorgenden Gemeinschaft« vor.

    Deutlich wird: So unterschiedlich die Strukturen beider Länder sind, in der Idee einer lokalen »Caring Community« mit einem starken öffentlichen Partner, aber auch einer verantwortlichen Zivilgesellschaft, treffen sich die Vorstellungen der Innovatoren aus Deutschland und Dänemark.

    Das KörberHaus – ein Modell für Aarhus?

    Und auch ein Projekt in Hamburg-Bergedorf werten die dänischen Gäste als innovativ: Es ist das neue, im Aufbau befindliche KörberHaus, das 2022 eröffnet werden soll. Eva Nemela, Leiterin des Bereichs Alter und Demografie, führt die dänische Gruppe über die Baustelle und berichtet von den Chancen und Herausforderungen eines solchen offenen Hauses, das von neun Partnern getragen werden wird. Auf das Konzept lokaler Bürgertreffpunkte setzt auch Aarhus: 37 »Citizenship Houses« und vier Häuser für Engagierte betreibt allein das Department for Health and Care. Nachdem Aarhus 2019 das Ziel der Expedition Age & City der Körber-Stiftung war, ist jetzt die dänische Delegation an den Hamburger Erfahrungen interessiert: Das Partnermodell des KörberHauses sehen die Verantwortlichen aus Aarhus als gute Anregung für die Weiterentwicklung ihrer eigenen Bürgerhäuser.


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