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    Was fehlt in unserer Gesellschaft zu einem guten Umgang mit der Endlichkeit?

    Am 16. Februar 2021 befassen sich auf Einladung der Körber-Stiftung zum zweiten Mal Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis mit dem Thema Tod.

    Die verstörenden Bilder der Leichentransporte in Bergamo und den USA genauso wie die erschreckenden Nachrichten aus Portugal, wo die große Angst vor der Triage Wirklichkeit geworden ist, rücken das Thema Tod in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung. So schwer diese Eindrücke sind, so sehr unterstützen sie diejenigen, die schon seit Längerem zum Austausch über das Lebensende ermutigen.

    Der Tod als Thema überschreibt bereits Blogs oder Homepages zumeist junger Menschen (zum Beispiel der jungen Autorin und Trauerbegleiterin Johanna Klug auf endlichendlos.de), erscheint als Gegenstand der Kinder- und Jugendliteratur (beispielsweise in »Weil Du mir so fehlst« von Ayse Bosse), als Podcast (so zum Beispiel »The end« mit Eric Wrede als Gastgeber) und in zahlreichen Publikationen. Die Autorinnen und Autoren fordern dazu auf, einen neuen, unverkrampften Umgang mit den Themen Sterben, Tod und Trauer zu finden (so Ina Schmidt »Über die Vergänglichkeit«). Nicht zuletzt die Zeitungen greifen das Thema immer wieder auf – mal als Ermahnung, das einsame Sterben von Corona-Patienten in Krankenhaus oder Pflegeheim nicht hinzunehmen, mal als Bericht über neue, ganz unerwartete Aspekte wie der Digitalisierung von Trauerkultur.

    Sprechwunsch und Berührungsangst

    Nach den Ergebnissen der Studie »Auf ein Sterbenswort« (2020 vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung, der Software AG-Stiftung und der Körber-Stiftung herausgegeben) geben 75 Prozent der Befragten an, das Thema Sterben werde häufig verdrängt. Die meisten Menschen haben Berührungsängste, machen einen Bogen um die Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit. Dass die Auseinandersetzung, das Hinschauen und Sprechen aber in vielerlei Hinsicht gut, wichtig und für ein gutes Miteinander unerlässlich ist, darin sind sich Expertinnen und Experten einig.

    Und nicht nur das Sichtbarmachen von Sterben durch Corona ist ein Anlass zur Auseinandersetzung. In der demografischen Entwicklung sind es jetzt die Babyboomer, die mit dem Sterben der Eltern umgehen müssen und sich der Tatsache bewusst werden, dass sie die Nächsten sind.

    Den Tod als Teil des Lebens akzeptieren

    Am 16. Februar 2021 befassen sich auf Einladung der Körber-Stiftung zum zweiten Mal Expertinnen aus Wissenschaft und Praxis mit der Frage »Was fehlt in unserer Gesellschaft zu einem guten Umgang mit der Endlichkeit?«. Im ersten Zusammentreffen im November 2020 wurde schon genau hingeschaut und der Finger in die Wunde gelegt: An welchen Stellen läuft etwas schief? Welche Auswirkungen hat das auf den Einzelnen und auf die Gesellschaft? Wie kommt es, dass uns schnell die Worte fehlen, wenn uns ein Trauernder gegenübersteht? Und vor allem: Wie kann das geändert werden? Wie können wir zu einer Gesellschaft werden, die den Tod als Teil des Lebens akzeptiert und in das Zusammenleben integrieren kann? Wie können wir unserem pflegenden Nachbarn oder der trauernden Bekannten begegnen und hilfreich für sie sein? Wie können wir vorsorgen, damit wir im Sterben nicht allein sind?

    Die Expertinnen und Experten aus verschiedensten Bereichen haben ihre Visionen und Ideen zusammengetragen. Herausgekommen sind sehr konkrete Vorstellungen davon, was getan werden muss. So wird einhellig dafür plädiert, mehr Formate, Anlässe und Räume zum Austausch in diesen Themen anzubieten und das Gespräch über die Vergänglichkeit nicht nur gegenüber der Zielgruppe der Älteren zu suchen, sondern es auch an junge Zielgruppen zu adressieren.

    Am 16. Februar wird daran anschließend konkret an Projektideen und Plänen gearbeitet, um einen besseren Umgang mit Sterben und Tod in unserer Gesellschaft zu etablieren.


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