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  • Thomas Grabiak, Finja Marie Haehser, Lauritz Hahn (v.l.)<br />(Fotos: Körber-Stiftung/David Ausserhofer, Körber-Stiftung/Andreas Bang Kirkegaard (re))

  • - Meldung

    Historikerverband zeichnet herausragende Schülerarbeiten aus

    Auf dem Deutschen Historikertags wurden zwei Beiträge von Erstpreisträgern des Geschichtswettbewerb mit einem Preis für herausragende Schülerarbeiten im Fach Geschichte ausgezeichnet.

    Die Auszeichnungen gingen an Finja Marie Haehser, Lauritz Hahn und Thomas Grabiak aus Nordrhein-Westfalen. Seit 2010 vergibt der Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands gemeinsam mit der Körber-Stiftung im Rahmen des Deutschen Historikertags einen Preis für herausragende Schülerarbeiten im Fach Geschichte.

    »Die Teilnahme am Wettbewerb war ein einzigartiges Erlebnis«, resümiert Lauritz Hahn. »Es ist nach wie vor das größte zusammenhängende wissenschaftliche Projekt, das ich gemacht habe.« Der Schüler nahm gemeinsam mit seinem Schulfreund Thomas Grabiak am Geschichtswettbewerb teil. Sie forschten zu einem Beerdigungskonflikt im 17. Jahrhundert, bei dem Münsteraner Protestanten aus einem Machtkampf heraus von der katholischen Obrigkeit zu Außenseitern gemacht wurden. Im Kampf um  die Vorherrschaft über die Stadt nutzte die bischöfliche Obrigkeit ihren Einfluss auf das städtische Begräbniswesen und verbot Protestanten, ihre Toten auf den Kirchhöfen Münsters zu begraben. »Rückblickend ist es natürlich immer leichter, die Entwicklungen solch komplexer Ereignisse zu beurteilen, aber die Handlungen vieler Akteure standen doch in klarem Widerspruch zu dem, was ich als moralische Grundlage unserer Gesellschaft und des Christentums erachte«, kommentiert Lauritz Hahn die Ergebnisse. »Es ist spannend zu sehen, wie sich damals die Leute aus Glaubensgründen gegenseitig ausgeschlossen haben«, fügt Thomas Grabiak hinzu.

    Mit einem schwierigen Kapitel ihrer Familiengeschichte beschäftigte sich Finja Marie Haehser. Ihr Großvater wurde als uneheliches Kind eines verheirateten SS-Mannes geboren, der während seines Einsatzes im Konzentrationslager Mauthausen zwei Kinder mit Frauen aus der Nachbarschaft zeugte. Die Schülerin untersuchte die Lebenswege ihres Großvaters und seiner Halbschwester und stellte fest, dass beide in ihrem Umfeld konfrontiert waren mit Schweigen, Lügen und Verdrängen. »Wenn Menschen mir ihre Geschichten erzählt haben, die ich gar nicht kannte, die aber familiengeschichtlich gesehen ähnlich aufreibende Dinge erlebt hatten wie mein Großvater und seine Halbschwester, waren das für mich total motivierende Momente«, so die Elftklässlerin.

    Für ihren Wettbewerbsbeitrag erhielten die drei Schüler einen ersten Bundespreis, der von Bundespräsident Joachim Gauck persönlich im Rahmen der Bundespreisverleihung in Schloss Bellevue überreicht wurde. »Das war das absolute Highlight. Ich konnte es bis zum Schluss gar nicht richtig fassen, dass ich dabei sein und das alles so erleben konnte. Es war schrecklich aufregend, aber auch total schön, denn es waren ja lauter Jugendliche da, die alle eine Erfahrung teilten: Sie hatten die Zeit des Wettbewerbs hinter sich, mit all den Erfahrungen, die dazugehören«, beschreibt Finja Marie Haehser. Von einer Kommission des Historikerverbandes sind die Preisträger für den Schülerpreis ausgewählt worden. »Gleich zwei Preise hatte ich nun ganz und gar nicht erwartet«, freut sich Lauritz Hahn.

    Vergeben wird der Preis im Rahmen des 51. Deutschen Historikertags, der vom 20. bis zum 23. September 2016 an der Universität Hamburg unter dem Motto »Glaubensfragen« stattfindet. »Glaube ist ein Thema, das sich durch die gesamte Geschichte zieht und einen großen Einfluss auf sie hatte und auch immer noch hat. Sich damit auseinanderzusetzen und die Wirkung zu hinterfragen ist eine wichtige Aufgabe für Historiker«, meint Lauritz Hahn. Finja Marie Haehser schließt sich an: »Das Thema ›Glaubensfragen‹ ist gerade absolut allgegenwärtig. Es ist bestimmender Bestandteil in allen Medien, Nachrichten, politischen Themen und Debatten und natürlich sind sie ein wichtiger ›Knackpunkt‹ in Einwanderungsgesellschaften, in denen ja sehr verschiedene Glaubensvorstellungen aufeinander treffen.« Geehrt werden die drei Jugendlichen am 22. September bei der Festveranstaltung des Historikertags in der Hamburger Laeiszhalle.


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