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  • Hosea-Che Dutschke, Leiter des Health and Care Department der dänischen Kommune Aarhus, referiert über die liebende Kommune (Foto: Claudia Höhne)
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    Hosea-Che Dutschke und die liebende Kommune

    Der Leiter des Health and Care Department der dänischen Kommune Aarhus, Hosea-Che Dutschke, stellt in der Reihe »Demografie 3D« im Gespräch mit Jonathan Petzold von der Körber Stiftung sein Konzept der liebenden Kommune vor. Es liefert nicht nur Ideen für Verwaltung und Politik, sondern auch für ein gutes gesellschaftliches Miteinander.

    Bereits seit mehreren Jahren setzt die Kommune mit innovativen Ansätzen neue Denkanstöße und auf eine etwas andere Verwaltungsstrategie – die liebende Kommune. Die Strategie umfasst den überraschenden Grundsatz »Keep the citizens away« – also die Absicht, Bürgerinnen und Bürgern ein Leben unabhängig von kommunaler Unterstützung zu ermöglichen. 

    Wohlbefinden und die Absicherung der Bevölkerung bleiben dabei im Fokus der Verwaltung und werden sogar gestärkt, denn mit präventiven Maßnahmen werden Menschen befähigt, möglichst lange ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben zu führen. Der Vorteil: Wenig einschneidende Maßnahmen können eine große Anzahl an Bürgerinnen und Bürger erreichen sowie die Lebensqualität der Angesprochenen erhöhen – und dies sogar budgetfreundlich.

    Vorreiter in der Bekämpfung von Einsamkeit

    Ein weiterer Grundsatz der Verwaltungsstrategie bezieht sich auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt. »We are with the citizens« – dieser Slogan ermutigt besonders die 7.000 Mitarbeitenden des Health and Care Departments, Familien und Angehörige in die Verantwortung füreinander einzubeziehen, sowie Freiwillige und die Nachbarschaft zu aktivieren. Ein »Mehr« an Gesellschaft führe zu weniger Einsamkeit, so Dutschke. Eine Chance der Pandemie liege insbesondere in dem Gefühl des Zusammenhalts. Besondere Aufmerksamkeit bekam auch das dänische Wort »samfundssind«, Dänemarks Wort des Jahres 2020. Es betont die Gemeinschaft sowie das Zurückstellen von Eigeninteressen.

    Die Verwaltungsstrategie macht Aarhus zu einem Vorreiter in der Bekämpfung von Einsamkeit. Die Umsetzung der Verwaltungsstrategie während der Coronapandemie stellt die Verwaltungsmitarbeitenden jedoch vor neue Herausforderungen. Nur mithilfe von Innovationsfreude konnten neue Wege gefunden werden. Zum Beispiel fördert die Kommune Konzerte von lokalen Künstlerinnen und Künstlern vor Altersheimen sowie die IT-Unterstützung für Ältere. Und sie vermittelt individuelle Kontakte und Bezugspersonen für Hochaltrige.

    Ob er sich auf mit solchen provokativen Ideen auf den Spuren seines revolutionären Vaters, des Studentenführers Rudi Dutschke, wähne, wollte ein Zuschauer wissen. Ja klar, bestätigte Dutschke. Die »liebende Kommune« sei so etwas wie der lange Marsch durch die Institutionen. Er vertraue in die Gestaltungsmacht der Verwaltung. Es gehe nicht nur um Paragraphen und Verfahren, sondern um eine grundsätzliche Haltung und das Selbstverständnis der Behörde. Denn »Menschen brauchen Gemeinschaft!« Um diesen Grundsatz anzuerkennen, brauche es einen Wandel im gesamten System.

    zum Video »Aarhus – Stadt gegen Einsamkeit«


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