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Identitätspolitik und die Krise der liberalen Demokratie

1989 rief der amerikanische Politikwissenschaftler Francis Fukuyama das »Ende der Geschichte« aus und hatte damit die langfristige Durchsetzungskraft der liberalen, demokratischen Ordnung im Blick. Welchen Gefahren ist die Demokratie derzeit durch Identitätspolitik ausgesetzt? Darüber sprach Fukuyama am 5. März im KörberForum in Hamburg.

Ist das »Ende der Geschichte« vertagt? Welche Elemente demokratischer Ordnung stellt Identitätspolitik infrage und wo bricht sie mit wesentlichen Elementen moderner Demokratiegeschichte? Und wie kann sich die liberale Demokratie gegen das Gefühl von Ausgrenzung und Identitätsverlust zur Wehr setzen, die die Grundlage für Identitätspolitik bilden?

Diesen Fragen stellte sich der Politikwissenschaftler Francis Fukuyama am 5. März im Gespräch mit Holger Stark, Mitglied der Chefredaktion der Wochenzeitung DIE ZEIT. Gesprächsgrundlage war das aktuelle Buch Fukuyamas »Identität: Wie der Verlust der Würde unsere Demokratie gefährdet«. Darin setzt der amerikanische Politikwissenschaftler wesentliche demokratie- und gesellschaftsgeschichtliche Entwicklungen 20. Jahrhunderts in Beziehung zu aktuellen Gefahren, denen die liberale Demokratie durch Identitätspolitik von rechts und links ausgesetzt ist.

Im Mittelpunkt seiner Argumentation steht die These, dass die Zeit, in der vornehmlich wirtschaftliche Faktoren zur Weiterentwicklung eines demokratischen Gemeinwesens beigetragen hätten, vorbei sei. Vielmehr teile aktuell eine wachsende Zahl von Menschen in zunehmend fragmentierten Gesellschaften das Gefühl von Ausgrenzung und Identitätsverlust. Dieses Gefühl sei die Grundlage des Erfolgs von Populisten unterschiedlicher Art. Gegen die Aufsplitterung von Gesellschaften in immer kleinere Gruppen setzt Francis Fukuyama auf eine starke nationale Identität, die allerdings nicht auf ethnischer Grundlage definiert sein dürfe. »Gleiche Würde für alle« sei ein wirksames Instrument im Kampf um soziale Gerechtigkeit.

In dem Gespräch, das die Körber-Stiftung in Kooperation mit dem Hoffman und Campe Verlag und der Wochenzeitung DIE ZEIT organisierte, wurde immer wieder deutlich, wie stark die aktuelle Krise der liberalen Demokratie nicht nur mit den Herausforderungen durch die Globalisierung, sondern auch mit den historischen Entwicklungen in den USA und im Europa der Nachkriegszeit verknüpft ist.

Das Spannungsfeld zwischen Populismus, Macht und liberaler Demokratie in Vergangenheit und Gegenwart ist auch eines der Themen beim diesjährigen Körber History Forum, das am 13. und 14. Mai in Berlin stattfindet. 

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