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    Instagram-Museum zum 2. Weltkrieg eröffnet – jetzt mitmachen

    Das Instagram-Museum »Silent Stories of 1945« hat seine Pforten geöffnet. Erstellt haben es 23 junge Menschen aus 17 Ländern. Es vermittelt einen lebendigen Zugang zum Erbe des Zweiten Weltkrieges. Folgen Sie dem Museum und machen Sie mit – bis zur Gedenkwoche im Mai gibt es neue Exponate und Storys sowie Angebote zum Mitmachen und Diskutieren.

    Unbekannte Lebensgeschichten recherchiert

    Rund sechs Monate haben die Jugendlichen an ihrem digitalen Beitrag zu einem grenzübergreifenden Gedenken an 75 Jahre Kriegsende in Europa gearbeitet. In dieser Woche hat das virtuelle Museum »Silent Stories of 1945« nun seine Türen geöffnet. Darin präsentieren die 16-24-jährigen Teilnehmenden des Projekts Europe 1945-2020: Looking back, thinking forward in den kommenden drei Wochen selbst recherchierte »Silent Stories« – unbekannte oder vergessene Lebensgeschichten aus ihren Familien oder ihrem Umfeld, die auch widersprüchliche Erfahrungen des Krieges repräsentieren. Bis Anfang Mai laden sie junge Menschen und andere Interessierte aus ganz Europa ein, den vielfältigen Schicksalen hinter ihren »Silent Stories« näherzukommen und mit sich ihnen über die Aktualität des Zweiten Weltkrieges virtuell auszutauschen.

    Seit November 2019 beschäftigten sich die Jugendlichen auf Einladung der Körber-Stiftung und ihres EUSTORY-Netzwerks in einem virtuellen Klassenzimmer intensiv mit verschiedenen Perspektiven auf den Zweiten Weltkrieg und sein Erbe und führten Recherchen zu unbekannten Lebensgeschichten in ihrem Umfeld durch. Anfang März 2020 hat sich die Gruppe erstmals persönlich in Warschau getroffen, um ihre Ergebnisse zusammenzutragen und das Instagram-Museum auf den Weg zu bringen.

    Welche Perspektiven zählen?

    Im Zentrum des Workshops in Warschau stand die lebhaft diskutierte Frage, wie grenzüberschreitende Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg in Zukunft gelingen kann. Die jungen Erwachsenen waren sich einig, dass ein Dialog über verschiedene Perspektiven auf den Krieg und sein Ende für ein gemeinsames Gedenken unerlässlich ist. »Unsere nationalen Narrative sind wie Filterblasen – wir müssen sie verlassen, um Neues zu lernen«, so Phillip aus Deutschland.

    Einige der Teilnehmenden unterstrichen die Vorteile der Nachkriegsgenerationen beim Umgang mit der Erinnerung: durch ihre emotionale Distanz zum Kriegsgeschehen falle es Nachgeborenen heute viel leichter, andere Perspektiven zu akzeptieren. Thomas aus Belgien ist dagegen überzeugt, dass der zeitliche Abstand allein nicht ausreicht, um verschiedene Sichtweisen auf den Krieg zu vereinen: »Das öffentliche Gedenken an den Zweiten Weltkrieg ist noch immer politisch und sagt mehr über die Gegenwart aus als über die Vergangenheit.«

    Auch die identitätsstiftende Funktion von Erinnerung stand im Zentrum der Diskussionen. Tzivia aus Israel glaubt, dass jeder und jede das Recht habe, eine ganz eigene Geschichte zu erinnern, solange wir offen blieben für andere Perspektiven. Peter aus Deutschland rief allerdings dazu auf, die politischen Ziele hinter nationalen Geschichtsdeutungen zu hinterfragen: »Gedenken soll Identität schaffen und zur Friedenserhaltung beitragen, doch der Frieden sollte immer wichtiger sein.«

    Wie kann Gedenken auf Instagram funktionieren?

    Viel Raum nahm auch die Frage ein, wie sich die komplexe Geschichte des Zweiten Weltkrieges in Europa und seinen Nachbarländern mit der Kurzlebigkeit des Social Web in Einklang bringen lässt. Zusammen mit einem Multimedia-Journalisten, einer Historikerin und einer Expertin für Demokratiebildung will die Gruppe die Vorteile des Mediums Instagram nutzen, um andere junge Menschen für ihre Silent Stories zu begeistern  – ohne gleichzeitig von den hohen Ansprüchen an sorgfältige Recherche und historische Korrektheit abzuweichen. Auch soll es nicht an Respekt für die porträtierten Menschen und ihre Lebensläufe fehlen.

    Das soziale Netzwerk Instagram ist mittlerweile immer mehr auch zu einem Ort für historisch-politische Bildung geworden. Zahlreiche Museen und Bildungseinrichtungen sind dort inzwischen vertreten. »Erstmals haben wir Instagram im Jahr 2014 für die Ergebnispräsentation einer europäischen Jugendbegegnung an der estnisch-russischen Grenze in einer virtuellen Ausstellung genutzt. Es hat uns gereizt, anlässlich des aktuellen Projekts zu Instagram zurückzukehren und die neuen Chancen auszuloten, die das Medium für seriöse historisch-politische Bildungsarbeit bietet«, sagt Katja Fausser, Leiterin des Programms EUSTORY der Körber-Stiftung.

    Bis zum 3. Mai werden dem Instagram-Museum in regelmäßigen Abständen neue Exponate und interaktive Elemente hinzugefügt. Zum Projektabschluss organisiert die Körber-Stiftung am 7. Mai eine virtuelle Finissage, in der Projektteilnehmende und Experten über den Einsatz digitaler Medien in der Geschichtsvermittlung diskutieren. Teilnahmeinteressierte können sich für weitere Informationen zu der Veranstaltung registrieren.

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