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Jugendliche forschen zu ökologischen Themen

Das Wettbewerbsthema der 26. Ausschreibung des Geschichtswettbewerbs »So geht’s nicht weiter. Krise, Umbruch, Aufbruch« bot Schülerinnen und Schülern vielfältige Möglichkeiten, sich mit dem Themenfeld Ökologie in der Geschichte zu beschäftigen. 26 Beiträge befassten sich dabei mit menschengemachten Umweltkrisen.

Ökologische Krisen – Teil der Geschichte

Viele jungen Menschen verbinden den Krisenbegriff gegenwärtig vor allem mit ökologischen Themen, wie die Schüler David und Arno aus Münster bemerken: »Insbesondere seit dem Schülerstreik Fridays for Future sind Umweltthemen und die Bedrohung der Zerstörung unserer Natur ein viel beachtetes Thema«. Auch in der Vergangenheit gab es unterschiedliche Krisen, Umbrüche und Aufbrüche mit ökologischem Schwerpunkt, wie die Wettbewerbsbeiträge des Geschichtswettbewerbs zeigen. Die Teilnehmer spürten vor allem regionalen ökologischen Krisen nach. Aber auch das Reaktorunglück in Tschernobyl 1986 war mit dreizehn Wettbewerbsbeiträgen ein häufig aufgegriffenes Thema. Dabei wurden die Auswirkungen dieser Krise in den Heimatregionen und Familien der Teilnehmer aufgezeigt. Besonders der Umgang mit ökologischen Krisen fand in den Forschungsarbeiten Anklang. Die Jugendlichen forschten in Archiven und setzten sich mit Zeitzeugen auseinander, die an der Bewältigung jener Krisen beteiligt waren. So führten fünfzehn Schüler aus dem bayrischen Weiden Interviews mit Zeitzeugen, die sich in den 1980er Jahren entweder für oder gegen den Bau einer Wiederaufarbeitungsanlage für Atomare Brennstäbe (WAA) in Wackersdorf einsetzten. »Vielleicht das Bemerkenswerteste war die Erkenntnis, wie unterschiedliche Menschen über ein und dasselbe Ereignis denken können«, stellen die Schüler fest.

Wachsendes Umweltbewusstsein in Politik und Wirtschaft 

Ökologische Krisenzustände können auf politischer Ebene große Veränderungen bewirken, wie David und Arno aus Münster am Beispiel der Grün-Alternativen Liste (GAL) Münster, einer Lokalgruppe der heutigen Partei ›Bündnis 90/Die Grünen‹, herausarbeiteten. Die Etablierung der Partei führte in den 1970er und 1980er Jahren vor allem dazu, dass Krisenthemen mit Umweltbezug gebündelt in den politischen Diskurs eingebracht wurden. Ihre Nachforschungen in Münster offenbarten den Elftklässlern, »welche Kraft der Krisenwahrnehmung und dem Krisendiskurs beigekommen ist: Der Atomkrieg ist ausgeblieben, die Natur ist nicht vollkommen zerstört, es gibt nach wie vor einen Zusammenhalt in der Gesellschaft. Obwohl diese Krisen nicht eingetreten sind, hat die politische Auseinandersetzung und das Gespräch darüber in der politischen Kultur der Stadt viel verändert.«
Florian aus Uetersen entdeckte in seinen Nachforschungen zum Gründungsmitglied der Partei ›Bündnis 90/Die Grünen‹ Baldur Springmann, dass Umweltthemen und die Wahrnehmung von Umweltkrisen kein exklusiv linkes Thema im politischen Spektrum sind. »Die Wahrnehmung der Krise basiert auf einem heimatbezogenen und biologistischen Weltbild […]. In der Folge wirken Krisenwahrnehmung und Weltbild aufeinander ein, sind kaum mehr zu trennen«, stellt der Schüler fest. Für Florian ist auch denkbar, dass Baldur Springmann »daran mitwirkte, die Umweltkrise als Gesellschaftskrise zu inszenieren.«

Aber auch Akteure aus der Wirtschaft reagierten in der Vergangenheit auf krisenhafte Umweltzustände, wie die Zehntklässlerin Selma aus Hamburg ermittelte. Sie zeigt in ihrem Beitrag wie das Hamburger Diamantwerkzeugunternehmen »Ernst Winter und Sohn« die zunehmende Umweltverschmutzung in den 1970er Jahren als Krise wahrnahm und auf diese reagierte. Dabei sieht die Schülerin Unternehmen beim Umweltschutz als eine treibende Kraft. »Unternehmerisches Engagement ist wichtig, weil Unternehmen durch ihre Angebote und Beziehungen dahingehend wirken können, dass die Abnehmer sich umweltfreundlich verhalten und andere Institutionen es den Unternehmen nachmachen«, schlussfolgert sie.

Gemeinsame Bewältigung der Krisen

Neben der politischen und wirtschaftlichen Bewältigung von Umweltkrisen betrachteten die jungen Geschichtsforscher das gesellschaftliche Engagement für den Umweltschutz. Fünf Schülerinnen und Schüler aus Bietigheim-Bissingen zeigten am Beispiel einer wahrgenommenen Müllkrise in ihrer Heimatstadt in den 1980er Jahren, wie Bürger zum Handeln mobilisiert wurden. Mit Protesten verhinderten diese den Bau eines umstrittenen Restmüllheizkraftwerks. Darin sehen die Zehntklässler einen Aufbruch, merken jedoch an, dass auch heute noch Probleme mit der Müllverwertung bestehen. Auch eine Schulklasse aus Beverungen, die sich mit einer Bürgerinitiative in ihrer Heimatregion beschäftigte, reflektiert wie wichtig gesellschaftlicher Einsatz ist, um Krisen zu bewältigen: »Unserer Meinung nach liegt die Wichtigkeit von Bürgerinitiativen darin, dass sie u.a. auf Missstände aufmerksam machen. Sie erreichen und erweitern das Bewusstsein der Bevölkerung für Politik, für die Umwelt und auch dafür, dass man zusammen vieles erreichen kann, vor allem viel mehr als alleine.«

Über den Geschichtswettbewerb

Seit 1973 richten die Hamburger Körber-Stiftung und das Bundespräsidialamt den Geschichtswettbewerb aus, der auf eine gemeinsame Initiative des damaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann und des Stifters Kurt A. Körber zurückgeht. Ziel ist es, bei Kindern und Jugendlichen das Interesse für die eigene Geschichte zu wecken, Selbstständigkeit zu fördern und Verantwortungsbewusstsein zu stärken. Ausgeschrieben wird der mit bislang über 147.000 Teilnehmern und rund 33.500 Projekten größte historische Forschungswettbewerb für junge Menschen in Deutschland in einem zweijährigen Turnus und zu wechselnden Themen.

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