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Einsamkeit ist ein kommunales Thema

Wer alt ist, ist einsam? So einfach ist das nicht. Aber was Einsamkeit im Alter verstärkt und was sie verhindert, das sollten vor allem diejenigen wissen, die in unseren Städten und Gemeinden Verantwortung tragen, findet Karin Haist, Leiterin demografische Zukunftschancen in der Körber-Stiftung.

Die Studie »(Gem)einsame Stadt«, die das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung 2019 für die Körber-Stiftung erstellt hat, zeigt: Von allen Menschen zwischen 18 und 69 Jahren in Deutschland erreicht die Gruppe derer zwischen 18 und 39 die höchsten Einsamkeitswerte. 2019 waren 23 % dieser Altersgruppe einsam. Im Lebenslauf erleben Menschen vor allem um den 30. und 60. Geburtstag erhöhte Phasen der Einsamkeit. Nach 60 jedoch sinkt der Anteil einsamer Menschen – und liegt dann zwischen 60 und 85 Jahren nach verschiedenen Studien »nur« bei sechs bis elf Prozent.

Aber: Wenn Menschen hochaltrig werden, dann nimmt Einsamkeit stetig zu. Auch weil in vielen Studien Menschen im hohen Alter nicht erfasst werden, liegen für Deutschland wenig quantitative Ergebnisse vor. Tendenziell wird indes klar, dass Einsamkeit ab 75 konstant ansteigt und für besonders alte Menschen sehr relevant ist. Zwischen 85 und 95 nimmt der Anteil Einsamer von rund einem Drittel der Befragten auf fast 60 % zu.

Und es gibt Risikofaktoren für Einsamkeit im Alter. Armut sorgt für Einsamkeit, denn Menschen mit niedrigerem Einkommen sind häufig von gesellschaftlichen Aktivitäten ausgeschlossen. Auch Krankheit isoliert, denn körperliche Einschränkungen machen Menschen immobil und sorgen oft für den Rückgang sozialer Kontakte. Geringe Bildung ist ein lebenslanger Einsamkeitsfaktor – Bildung wirkt sich auf Einkommen und Gesundheitsstatus aus, aber kann Einsamkeit auch ganz direkt beeinflussen, denn Menschen mit höherem Bildungsniveau bauen in der Regel festere Netzwerke und Beziehungen auf. Und einsamer im Alter ist oft auch, wer alleinstehend lebt, nicht mobil ist und keinen als sinnvoll empfundenen Aufgaben nachgeht.

Und was kann die Gesellschaft gegen Einsamkeit Älterer tun? Die Körber-Stiftung sieht die Kommune als den Ort, an dem die Bekämpfung und auch Prävention von Einsamkeit besonders greift. Die Entscheider und Entscheiderinnen auf der lokalen Ebene – aus Verwaltung, Politik oder Zivilgesellschaft – ermutigt die Körber-Stiftung zu einer Vielzahl an Maßnahmen: Dazu zählen inklusive und intergenerationelle Wohnprojekte, öffentliche Begegnungsorte, soziale Netzwerke, Engagementförderung, Mobilitätsangebote und auch die stete und öffentlich präsente Kommunikation und Information über alles, was Gemeinschaft stiftet.

Praktischen Rat und gute Beispiele, was Kommunen tun können oder längst etabliert haben, bieten der Film »Aarhus – Stadt gegen Einsamkeit« und die Broschüre »(Gem)einsame Stadt? Kommunen gegen soziale Isolation im Alter«.

 

Kontakt

Franca Behrens
Programm-Managerin
Expedition Age & City; Körber Demografie-Symposien; Stadtlabor demografische Zukunftschancen

Telefon +49 • 40 • 72 57 02 - 37
E-Mail behrens@koerber-stiftung.de

Karin Haist
Leiterin bundesweite Demografie-Projekte
Stv. Leiterin im Haus im Park

Telefon +49 • 40 • 72 57 02 - 44
E-Mail haist@koerber-stiftung.de

Jonathan Petzold
Programm-Manager
Expedition Age & City; Körber Demografie-Symposien; Stadtlabor demografische Zukunftschancen

Telefon +49 • 40 • 72 57 02 - 30
E-Mail petzold@koerber-stiftung.de

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