X

Symposium 2015

Engagiert für die Kommune von morgen

Steigende Lebenserwartung und sinkende Geburtenrate stellen uns vor eine große Bewährungsprobe: Wirtschafts- und Sozialstrukturen verändern sich, der Zusammenhalt zwischen, aber auch innerhalb der Generationen droht aus der Balance zu geraten. Um in Zeiten des demografischen Wandels das gesellschaftliche Gefüge zusammenzuhalten, werden große Hoffnungen in das Engagement Älterer gesetzt. Was ist schon heute der Beitrag der Generation 60+, um das Zusammenleben im demografischen Wandel zu stärken? Was zeichnet das Engagement 60+ in Deutschland in Zukunft aus? Was sind die Erfolgsfaktoren und Konzepte für ein starkes Engagement von Älteren in Gemeinden und Städten? Und in welchen Themenfeldern können Ältere zu Bewegern werden?

Um das Thema Engagement Älterer ging es beim sechsten Symposium »Potenziale des Alters«. Unter dem Titel »Engagiert für die Kommune von morgen« waren ausgewählte deutsche und internationale Good-Practice-Beispiele die Basis für praktische Handlungsimpulse und den kollegialen Austausch derer, die lokal die Themen Alter und Demografischer Wandel verantworten. Das Symposium fand am 19. und 20. November 2015 in der Hamburger Körber-Stiftung statt.

Dokumentation

Tagungsbericht

Rund 140 Vertreter aus Kommunen, Behörden, Initiativen trafen sich zum 6. Symposium »Potenziale des Alters« am 19. und 20. November 2015 in der Körber-Stiftung, um über die Rolle Älterer und die Bedeutung ihres Engagements – auch zur Bewältigung der Herausforderung des Demografischen Wandels – zu diskutieren. Was ist die Rolle der Generationen 60+ in unseren Gemeinwesen? Was bewegen Ältere vor Ort mit ihrem Engagement? Und: Was zeichnet ihr Engagement aus, und welches Engagement brauchen wir zukünftig im Demografischen Wandel? Diese Leitfragen sollten in den folgende eineinhalb Tagen im Vordergrund stehen. In Vorträgen und Podiumsgesprächen sprachen renommierte Experten und wurden ausgewählte internationale Engagement-Beispiele aus Großbritannien, Irland, der Schweiz, Slowenien und den USA präsentiert.

Bericht über das Symposium (PDF)

Reden & Vorträge

»Warum wir die Potenziale des Alters brauchen«

Begrüßung von Anja Paehlke, Mitglied des Vorstandes der Körber-Stiftung

Anja Paehlke begrüßt als Mitglied des Vorstands der Körber-Stiftung zum 6. Symposium »Potenziale des Alters«. Dabei erläutert sie, wie eng das diesjährige Thema »Engagiert für die Kommune von morgen« mit vielerlei Aktivitäten der Körber-Stiftung verknüpft ist. Zudem bringt sie die Stoßrichtung des Symposiums auf den Punkt: Was ist die Rolle der Generationen 60+ in unseren Gemeinwesen? Was bewegen Ältere vor Ort mit ihrem Engagement? Und: Was zeichnet ihr Engagement aus, und welches Engagement brauchen wir zukünftig im Demografischen Wandel?

Audio zum Download

»Stadt der Zukunft – Stadt des Engagements«

Impulsvortrag von Myung J. Lee, Executive Director, Cities of Service, New York

Myung J. Lee ist seit 2014 Executive Director von Cities of Service, einer Netzwerkinitiative, die Städte dabei unterstützt, die Potenziale ihrer Bürgerschaft effektiv zu mobilisieren, innerstädtischen Problematiken beizukommen. Myung Lee gab eine Einführung zum Engagement in den USA und dem Zusammenspiel von Freiwilligenarbeit und Stadtverwaltungen. Sie erläutert die Arbeitsweise der Cities of Service und macht deutlich, welche Unterstützung effektives Bürgerengagement von der Verwaltung braucht. Myung Lee zeigt anschaulich die Chancen für Kommunen auf, die durch bürgerschaftliches Engagement entstehen, für jeden Einzelnen und somit für die gesamte Kommune.

Audio zum Download
Vortagsfolien (PDF)

»Engagement und Alter: Status Quo und Perspektiven«

Einführungsvortrag von Prof. Dr. Thomas Klie, Leiter zze und AGP Sozialforschung Evangelische Hochschule Freiburg

Prof. Dr. Thomas Klie ist Inhaber des Lehrstuhls für öffentliches Recht und Verwaltungswissenschaft an der Evangelischen Hochschule Freiburg. Er ist Vorsitzender der 2. Engagementberichtskommission der Bundesregierung und war zudem Mitglied der 6. und 7. Altenberichtskommission. Den aktuellen Wissensstand über das Engagement Älterer in Deutschland fasste Professor Thomas Klie in seinem Einführungsvortrag zusammen. Er betonte hier u.a., dass freiwilliges Engagement ein wichtiger, aber neben beispielsweise Sorgeaufgaben im familiären oder nachbarschaftlichem Umfeld nur ein Beitrag der Älteren zur Gesellschaft ist – der aber größer werde. Er geht dabei auch auf die Bedeutung des Engagements für die Älteren selbst ein.

Audio zum Download

»Engagiert für die Kommune von morgen!«

Podiumsdiskussion mit Hans-Josef Vogel, Bürgermeister der Stadt Arnsberg, Prof. Dr. Silke van Dyk Fachgebiet Soziologie sozialer Disparitäten, Universität Kassel, Dr. Elke Löffler, Chief Executive, Governance International, Birmingham, Moderation durch Karin Haist, Leiterin des Bereichs Gesellschaft der Körber-Stiftung

In dieser Podiumsdiskussion sprachen Hans-Josef Vogel, Bürgermeister der Stadt Arnsberg, Prof. Dr. Silke van Dyk, Fachgebiet Soziologie sozialer Disparitäten an der Universität Kassel und Dr. Elke Löffler, Chief Executive bei Governance International in Birmingham, aus ihrer Erfahrung über die Bedeutung des Engagements für die Kommune. Gemeinsam mit der Moderatorin Karin Haist, Leiterin des Bereichs Gesellschaft der Körber-Stiftung, verknüpfen sie praktische Beispiele mit theoretischen Grundlagen und wagen einen Blick in die Zukunft: Welches Engagement werden zukünftige Kommunen brauchen? Wo sind Grenzen des Engagements?

Lernforen

Dass Engagement keine Altersgrenzen kennt, stellen die vier internationalen guten Praxisbeispiele unter Beweis. Sie zeigen, wie vielfältig Ältere sich mit ihren Erfahrungen in die Gesellschaft einbringen und damit das soziale Miteinander stärken können – ob vor der eigenen Haustür oder landesweit, ob für sich oder für andere, ob innerhalb oder zwischen den Generationen.

Forum 1 – LinkAge, Bristol

Freizeitaktivität mit gesellschaftlichem Mehrwert – so oder so ähnlich könnte die moderne Definition von Ehrenamt Älterer im englischen Bristol lauten. Unter dem Dach der Organisation »LinkAge« ist ein lokales, stadtteilübergreifendes Engagementnetzwerk für und von Älteren entstanden, der es mit der Erfolgsformel »Involve, inspire, enjoy« gelingt, Ältere für ein Engagement zu gewinnen und aus der sozialen Isolation zu holen. Getragen wird die Initiative von der Kommunalverwaltung, von rund 80 Partnerorganisationen und vor allem von seinen 200 älteren Engagierten.

Forum 2 – Zeitvorsoge, St. Gallen

Auch im schweizerischen St. Gallen geht es um ein neues Verständnis von Engagement. In dem von der Stadt initiierten Pilotprojekt »Zeitvorsorge« bringen sich Senioren im Austausch gegen Zeitgutschriften für hilfsbedürftige Betagte ein und unterstützen mit häuslichen Unterstützungsdiensten. Das Besondere: Die angesparten Zeitguthaben können sie später gegen entsprechende Leistungen eintauschen. 

Forum 3 – Fáilte Isteach, Irland

Im Fokus des irischen Projekts »Fáilte Isteach« steht das Engagement für Zuwanderer. Als kleine lokale Initiative in Summerhill gestartet, engagieren sich mittlerweile über 700 Freiwillige im Alter zwischen 59 und 86 Jahren an 75 Standorten in diesem Projekt. Als Sprachtutoren unterstützen sie Einwanderer jeden Alters beim Erwerb von Alltagsenglisch und bieten einfache Konversationskurse in öffentlichen Gebäuden an. Über 2.000 Studenten nehmen heute schon dieses Angebot an. Tendenz steigend.

Forum 4 – Elderly for the Elderly, Slowenien

Die Bekämpfung von Altersarmut hat sich das slowenische Projekt »Elderly for the Elderly« auf die Fahnen geschrieben. Rund 3.400 ältere Freiwillige engagieren sich in diesem Projekt nahezu landesweit und sorgen mit ihrem Engagement dafür, dass Menschen, die älter als 70 Jahren sind und bisher durch das soziale Netz gefallen sind, »gefunden« werden, ihre Bedarfe erhoben werden und sie entsprechend Hilfe erhalten. Dabei arbeitet das Projekt eng mit lokalen Freiwilligen- und Wohlfahrtsorganisationen sowie den Kommunen zusammen. Träger der Bottom-Up-Initiative ist der Verband der slowenischen Rentnerorganisationen.

Symposium 2015: Fotogalerie

Fotos: Körber-Stiftung/André Wagenzik

Programm

6. Symposium »Potenziale des Alters«

19./20. November 2015 in Hamburg

Programmflyer zum Download (PDF)

Donnerstag, 19. November 2015

Veranstaltungsort: Haus im Park der Körber-Stiftung, Gräpelweg 8, Hamburg-Bergedorf

11.00 Uhr Begrüßung
Warum wir die Potenziale des Alters brauchen
Anja Paehlke, Mitglied des Vorstands der Körber-Stiftung

11.15 Uhr Impulsvortrag
Stadt der Zukunft – Stadt des Engagements
Myung Lee, Executive Director, Cities of Service, New York, USA

12.15 Uhr Mittagspause

13.15 Uhr Einführungsvortrag
Engagement und Alter: Status Quo und Perspektiven
Prof. Dr. Thomas Klie, Leiter zze und AGP Sozialforschung,
Evangelische Hochschule Freiburg

14.30 Uhr Diskussionsinseln
Engagement 60+ in Deutschland: Befunde und Erfahrungen

15.45 Uhr Kaffeepause

16.15 Uhr Lernforen
Wie gelingt Engagement 60+ in der Kommune?
Forum 1: LinkAge, Bristol, Großbritannien
Forum 2: Stiftung Zeitvorsorge, St. Gallen, Schweiz

ab 18.00 Uhr Bustransfer zurück in die Innenstadt

19.00 Uhr Musikalischer Empfang im KörberForum – Kehrwieder 12
Großer Hafen-Tagungs-Chor mit Hamburger Büffet

Freitag, 20. November 2015

Veranstaltungsort: KörberForum – Kehrwieder 12, Hamburg

09.00 Uhr Begrüßung und Blitzinterviews
Brückenschlag: Lernen von internationalen Erfahrungen
Karin Haist, Leiterin des Bereichs Gesellschaft der Körber-Stiftung

09.30 Uhr Lernforen
Wie wird das Engagement Älterer zur Bewegung?
Forum 3: Fáilte Isteach, Irland
Forum 4: Elderly for the Elderly, Slowenien

11.00 Uhr Kaffeepause

11.30 Uhr Abschlussdiskussion
Engagiert für die Kommune von morgen

  • Hans-Josef Vogel, Bürgermeister, Stadt Arnsberg
  • Prof. Dr. Silke van Dyk, Fachgebiet Soziologie sozialer Disparitäten, Universität Kassel
  • Elke Löffler, Chief Executive, Governance International, Birmingham, Großbritannien

13.00 Uhr Mittagessen

Tagungsmoderation: Karin Haist und Susanne Kutz, Geschäftsführerin Haus im Park
Tagungssprache: Deutsch (es wird simultan gedolmetscht)

Referenten und Redner

Thomas Klie ist Inhaber des Lehrstuhls für öffentliches Recht und Verwaltungswissenschaft an der Evangelischen Hochschule Freiburg. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen unter anderem soziale Gerontologie, Pflege und Pflegerecht, sowie Zivilgesellschaft und Teilhabe. Er war zudem Mitglied der 6. und 7. Altenberichtskommission sowie Vorsitzender der 2. Engagementberichtskommission der Bundesregierung.

Myung Lee ist seit 2014 Executive Director von Cities of Service, einer Netzwerkinitiative, die Städte dabei unterstützt, die Potenziale ihrer Bürgerschaft effektiv zu mobilisieren, innerstädtischen Problematiken beizukommen. Zuvor arbeitete Lee unter anderem für die NYC Administration for Children’s Services sowie als Executive Director der Organisation Jumpstart for Young Children in New York. 

Elke Löffler leitet seit 2002 die Nonprofit-Organisation Governance International, die europaweit Kommunen bei der Umsetzung von Koproduktionsansätzen im Rahmen des Netzwerks MitmachStadt unterstützt. Frau Löffler studierte Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaft. Nach der Promotion an der Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer arbeitete sie für die OECD und an der Bristol Business School.

Silke van Dyk ist Professorin für die Soziologie sozialer Disparitäten am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Universität Kassel. Sie ist Herausgeberin des Buches »Die jungen Alten – Analysen einer neuen Sozialfigur« sowie Koautorin der Studie »Leben im Ruhestand. Zur Neuverhandlung des Alters in der Aktivgesellschaft«.

Hans-Josef Vogel ist Bürgermeister der westfälischen Stadt Arnsberg. Der Jurist war wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bonner Institut für Wirtschaft und Gesellschaft, Referent der Stadt Münster und Verwaltungsleiter des MDR Landesfunkhauses Sachsen. 1993 folgte die Wahl zum Stadtdirektor von Arnsberg, wo er sich der Modernisierung der dortigen Verwaltung annahm. 1999 wurde er zum Bürgermeister der Stadt gewählt und bis dato drei Mal in diesem Amt bestätigt.

 

 

to top