Arnsbergs neue Nachbarn: Geflüchtete helfen Geflüchteten

Vor einem Jahr stellten sich die »Neuen Nachbarn Arnsberg« auf dem Körber Demografie-Symposium »Auf dem Weg in die superdiverse Kommune« vor. Zeit noch einmal nach Arnsberg zu schauen: die von Geflüchteten ins Leben gerufene Initiative ist seitdem ein fester Bestandteil der Stadt geworden. »Der Name ‘Neue Nachbarn‘ ist eigentlich nicht mehr richtig, sie sind schon alte Nachbarn hier.«, so Hans-Josef Vogel, ehemaliger Bürgermeister von Arnsberg.

Erfahrene Hilfe weitergeben und Begegnung schaffen

Die neuen-alten Nachbarn unterstützen andere Geflüchtete beim Ankommen in der neuen Heimat Deutschland. Die Grundidee ist, die Hilfe und Offenheit weiterzugeben, die sie selbst bei ihrer Ankunft erfahren haben. Sie besuchen die neu Angekommenen in den Unterkünften, bieten Hilfe beim Ausfüllen von Formularen und Anträgen und Nachhilfe für die Kinder. Auch Spaß und Freizeit kommen nicht zu kurz.

Die »Neuen Nachbarn« haben gemeinsam mit anderen Kulturvereinen einen Schwimmkurs für muslimische Frauen ins Leben gerufen und sorgen durch Kooperationen mit den örtlichen Sportvereinen dafür, dass die Kinder und Jugendlichen in schon bestehenden Teams mitspielen können.

Auch um die Begegnung mit den ‚alt-arnsberger Nachbarn‘ bemüht sich die Initiative gemäß ihrem Motto »We serve Arnsberg«. Die Engagierten backen regelmäßig mit den Bewohnern eines örtlichen Seniorenheims Waffeln und führen Tänze und Musik ihrer Herkunftsländer auf oder sind einfach mit einem offenen Ohr für die Menschen da. Äußerst beliebt ist auch die Frauengruppe, in der sich deutsche und geflüchtete Frauen zu einem gemütlichen Beisammensein treffen. Dort entstehen Ideen für gemeinsame Aktionen und Ausflüge. Aktuell gibt es unter anderem ein Nachhilfeprojekt für geflüchtete Kinder, um die Integration im Schulalltag zu erleichtern.

Von Geflüchteten für Geflüchtete - mit Unterstützung der Stadt

Das gilt für alle Projekte der »Neuen Nachbarn Arnsberg«: Es wird umgesetzt, was die Mitglieder als wichtig empfinden und wo ihrer Meinung nach Bedarf besteht. Trotz Büro im Rathaus gibt die Stadt keine Handlungsrichtung vor, sondern unterstützt Selbstorganisation und -initiative der Geflüchteten. Wichtig für die gute, gleichberechtigte Zusammenarbeit auf Augenhöhe sind Offenheit und Anerkennung, die die »Neuen Nachbarn« und die Stadtverwaltung einander gegenseitig entgegenbringen. Und dann kann auch mal z.B. bei Sprachproblemen unterstützt werden.

Das Erfolgskonzept in Arnsberg: Das Engagement kommt von Geflüchteten selbst. Es handelt sich nicht um ein Konzept, das von außen »übergestülpt« wird. Moneer Al-Shikh hat den Bedarf erkannt und die »Neuen Nachbarn Arnsberg« Ende 2015 ins Leben gerufen. Das Projekt lebt vom persönlichen Engagement seiner aktiven Mitglieder, die wissen wovon sie sprechen. Und das Engagement trägt Früchte. Neben den obligatorischen Integrationskursen und weiterführenden Sprachkursen haben viele Mitglieder Praktikumsplätze bekommen bei Firmen, die die Initiative kannten.

Einfach Nachbarn werden

Ein Jahr nach dem letzten Körber Demografie-Symposium steht für die Initiative als nächstes die Vereinsgründung an, um noch selbstständigeres Handeln zu ermöglich. Außerdem waren die »Neuen Nachbarn Arnsberg« am Aufbau des neuen multikulturellen Engagementzentrums – dem »E« in einer ehemaligen Schule – beteiligt. Dort treffen sich Menschen verschiedener Kulturen, Herkunft und Altersgruppen, um gemeinsam aktiv zu werden – getreu dem Motto des »E«: Eigenständig, Erfolgserlebend, Eingebunden – für Alle offen, mutig und engagiert. Die »Neuen Nachbarn Arnsberg« sind hier zum festen Projektpartner geworden. Und irgendwann wird der Grund egal sein, aus dem jemand nach Deutschland gekommen ist und die »Neuen Nachbarn Arnsberg« sind dann einfach Nachbarn in der superdiversen Kommune.

Denn in Deutschland leben viele, unterschiedliche Menschen zusammen. Sie unterscheiden sich nicht nur nach ihrer Herkunft, sondern auch nach Geschlecht, Alter, Lebensstil, Bildungsstand und vielem mehr. Es gibt keine Mehrheit, sondern viele Minderheiten – eine superdiverse Gesellschaft entsteht. Das bietet viele Chancen, die genutzt werden wollen. Was bedeutet Superdiversität? Wie superdivers ist Hamburg? Und wie leben internationale Städte diese Entwicklung? Dies soll erörtert und diskutiert werden.

Das 8. Körber Demografie-Symposium zum Thema »Heimat in der superdiversen Stadt« findet am 15. und 16. November in der Körber-Stiftung statt.

Kontakt

Karin Haist
Stv. Leiterin im Haus im Park

Telefon +49 • 40 • 72 57 02 - 44
E-Mail haist@koerber-stiftung.de

Jonathan Petzold
Programm-Manager

Telefon +49 • 40 • 72 57 02 - 30
E-Mail petzold@koerber-stiftung.de