X

Angekommen auf dem Sportplatz

Auf dem letztjährigen Körber Demografie-Symposium wurde ein Projekt des SV Babelsberg 03 als Good Practice für erfolgreiche Integration vorgestellt: »Welcome United 03« – eine Fußballmannschaft, in der ausschließlich Geflüchtete spielen. Seit 2015 nimmt das Team aktiv am Ligabetrieb teil und bestreitet Punktspiele. Auch abseits vom Spielfeld hilft der Verein weiter, indem er die Spieler etwa bei Behördengängen und Jobsuche unterstützt. Ein Jahr später würde er alles nochmal genauso machen, sagt Thorals Höntze, Ansprechpartner des Teams im Verein.

Leistungsbereitschaft auf und neben dem Platz

Die jungen Männer sind unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus vollwertige Vereinsmitglieder – mit allen Rechten und Pflichten. Schwierigkeiten gab es deshalb nicht, außer vielleicht anfangs mit der Pünktlichkeit. Auch die Sprachbarriere konnte schnell mit gegenseitiger Unterstützung überbrückt werden. Viele Spieler sprechen inzwischen gut deutsch.

Auch drei Jahre nachdem »Welcome United 03« mit Freundschaftsspielen begann und Fans die Trikots sponserten, ist die Begeisterung ungebrochen, erzählt Thoralf Höntze. Die 20 bis 30 Jahre alten Männer hätten den Drang, sich zu behaupten und zu zeigen, was sie bereit sind zu leisten – auch weil sie sonst selten die Gelegenheit dazu bekommen. Man möchte sie in ihrer Entwicklung unterstützen und sie in ihrer Selbstständigkeit fördern.

Im Verein hatte man bereits Erfahrungen mit Spielern, die nach Deutschland geflohen sind: im Jahr 2000 setzte sich der SV Babelsberg 03 für Geflüchtete aus Bosnien ein. Auch der Cheftrainer der ersten Mannschaft Almedin Civa musste als Kind von dort nach Deutschland fliehen. Teil des Projektes ist außerdem die Arbeit mit 30 minderjährigen, unbegleiteten Geflüchteten. Diese bestreiten Freundschaftsspiele und Turniere und werden an andere Vereine weiter vermittelt, wo sie am regulären Spielbetrieb teilnehmen können.

Integration auf dem Sportplatz

Der SV Babelsberg 03 vertritt öffentlich eine klare Haltung gegen Rassismus und Homophobie. Das führt dazu, dass es bei Spielen von Welcome United 03 zu rassistischen Anfeindungen und Provokationen kommt. Dies sei aber nur in Ausnahmen der Fall.

Nichtsdestotrotz möchte das Projekt Vorreiter und Vorbild für andere Vereine sein. Und viele haben den Wert erkannt. Neben gelingender Integration durch Sport könnten Geflüchtete die Nachwuchsprobleme vieler Clubs lindern, wenn sie  die Chance erhalten, zu spielen. Eine Aufenthaltserlaubnis ist nicht nötig. Inzwischen fördert auch der DFB Mannschaften, die sich für die Integration von Geflüchteten einsetzen und erleichtert den Zugang zu Spielerpässen.  Viele Mannschaften, wie etwa der Hamburger Verein FC Lampedusa, engagieren sich für Geflüchtete oder vermitteln die Spieler an andere Mannschaften, damit sie dort spielerisch aktiv werden können.

Nachwuchsprobleme? Nicht bei Welcome United 03

Thoralf Höntze: »Solange Interesse da ist, wird dieses Projekt weiterlaufen!« Und das Interesse ist ungebrochen. Zehn neue Spielerpässe seien gerade beantragt worden, um die schon 30 Mann starke Truppe weiter zu verstärken. Ziel des Vereins ist es nicht, Spitzenspieler zu formen, sondern beim Ankommen zu helfen ohne zu bevormunden – Integration durch Selbstständigkeit. Dies geschieht nicht nur auf dem Rasen, sondern auch bei der Wohnungs- und Jobsuche oder einfach durch ein offenes Ohr von Zeit zu Zeit. So bereitet der Verein auch ein Jahr nach dem letzten Körber Demografie-Symposium den »Weg in die superdiverse Kommune«.

In Deutschland leben ganz unterschiedliche Menschen zusammen. Sie unterscheiden sich nicht nur nach ihrer Herkunft, sondern auch nach Geschlecht, Alter, Lebensstil, Bildungsstand und vielem mehr – eine superdiverse Gesellschaft entsteht. Das bietet viele Chancen, die genutzt werden wollen. Beim 8. Körber Demografie-Symposium zum Thema »Heimat in der superdiversen Stadt« am 15. und 16. November diskutieren kommunale Entscheider die Bedeutung dieses gesellschaftlichen Wandels. Aus Babelsberg  kommt eines von vielen nationalen und internationalen Beispielen.  

Kontakt

Karin Haist
Stv. Leiterin im Haus im Park

Telefon +49 • 40 • 72 57 02 - 44
E-Mail haist@koerber-stiftung.de

Jonathan Petzold
Programm-Manager

Telefon +49 • 40 • 72 57 02 - 30
E-Mail petzold@koerber-stiftung.de

to top