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Rückblick 2016: THW Sarstedt

Beim THW finden Geflüchtete eine neue berufliche Heimat

Rückblick auf ein Jahr Integrationsarbeit im Ortsverein Sarstedt

Auf dem letztjährigen Körber Demografie-Symposium stellte sich das Projekt »Integration von Flüchtlingen« des Technischen Hilfswerk (THW) Ortsverband Sarstedt vor. Dort begannen Geflüchtete eine Grundausbildung beim THW. Ein Jahr und eine erfolgreiche Ausbildung später sind zehn Geflüchtete nun als freiwillige Helfer vor Ort im Einsatz. Wichtig ist den Männern aus Syrien und dem Sudan bei dieser Arbeit nicht das Geldverdienen. Sie wollen etwas Sinnvolles tun und etwas zurückgeben für die Hilfe, die sie in Deutschland erhalten haben.

THW-Ausbildung als Integrationshilfe

Durch die Grundausbildung haben die Männer nicht nur fachliches Know-how gewonnen. Ebenso wichtig war und ist der regelmäßige Kontakt zu den deutschen Kolleginnen und Kollegen. Während Freundschaften entstanden, verbesserten sich die Deutschkenntnisse fast nebenbei. Anfänglich half ein Dolmetscher, wenn die Männer den Erklärungen auf Englisch oder Deutsch nicht folgen konnten; mittlerweile hilft man sich gegenseitig. Auch in anderen Bereichen mussten sich die THWler und die Geflüchteten zunächst aufeinander einstellen: Fasten im Ramadan oder deutsche Pünktlichkeit – Unterschiede müssen kennengelernt werden. Richtige Probleme gab es in Sarstedt jedoch nicht. Im Rückblick sei alles gut gelaufen, sagt der Ortsbeauftragte Dr. Christian Rathke. Alle seien Freunde geworden und die Herkunft der einzelnen Mitglieder spiele keine Rolle mehr. Wichtig für ein gelingendes Projekt sei allerdings Sicherheit im Aufenthaltsstatus der Betroffenen.

Geflüchtete Kinder im THW

Und auch die Kleinen sind dabei. Ab einem Alter von 6 Jahren können auch Kinder und Jugendliche Mitglieder im THW werden. Sie lernen spielerisch den Umgang mit den Geräten und organisieren Spieleabende, Ausflüge und Freizeiten. Die Gruppe der THW-Jugend Sarstedt besuchen auch vier geflüchtete Kinder. Drei von ihnen sind durch ihre Väter und Onkel dazugekommen, die im Rahmen des Projekts »Integration von Flüchtlingen« die THW-Ausbildung absolviert haben.

Trotz Erfolg keine direkte Fortsetzung

Und wie ist das Fazit nach einem Jahr? Trotz durchweg positiver Erfahrungen geht es nicht einfach so weiter. Denn das Projekt ist ressourcenintensiv. Es benötigt Menschen, Zeit, Räume und Geräte – ein Grund, weshalb der Ortsverband Sarstedt noch nicht direkt mit einer neuen Gruppe Geflüchteter die Ausbildung begonnen hat. Mittlerweile engagieren sich rund 300 Geflüchtete in ganz Deutschland im THW. Dessen Ortsvertreter haben sich im Mai das erste Mal zu einem Erfahrungsaustausch zum Thema Integration getroffen. Konsens war: Durch die Mitarbeit der Geflüchteten im THW gelingt eine gute Integration. Dank Kontakten zu deutschen Engagierten entstehen Freundschaften und das Erlernen der deutschen Sprache wird erleichtert. Auf diese Weise wird auch der THW bunter.

In Deutschland leben ganz unterschiedliche Menschen zusammen. Sie unterscheiden sich nicht nur nach ihrer Herkunft, sondern auch nach Geschlecht, Alter, Lebensstil, Bildungsstand und vielem mehr – eine superdiverse Gesellschaft entsteht. Das bietet viele Chancen, die genutzt werden wollen. Beim 8. Körber Demografie-Symposium zum Thema »Heimat in der superdiversen Stadt« am 15./16. November diskutieren kommunale Entscheider die Bedeutung dieses gesellschaftlichen Wandels. Aus Sarstedt kommt eines von vielen nationalen und internationalen Beispielen.

Fotogalerie

Fotos: Philip Ziemek/THW OV Sarstedt

Das Symposium 2017 findet am 15. und 16. November 2017 in der Körber-Stiftung statt.

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