X

Alternde Gesellschaft – eine Chance für die Zukunft

Deutsche Städte werden älter und bunter. Nicht nur durch Zuwanderung aus allen Teilen der Welt und eine immer älter werdende Bevölkerung, auch durch eine Ausdifferenzierung von Lebensmodellen und –verläufen wird unsere Gesellschaft immer vielfältiger. Städte sind Schmelztiegel dieser Entwicklung. Sie birgt Chancen wie Herausforderungen und zeigt an jedem Ort ein anderes Gesicht. Während die Metropolen eine wachsende diverse Bevölkerung vorweisen, sind einige ländliche Regionen vom Abzug bestimmter Bevölkerungsgruppen geprägt. Auch spielen ökonomische, ökologische und infrastrukturelle Aspekte eine Rolle. Ist es also möglich, für eine so vielseitige Ausgangssituation gemeinsame Handlungsempfehlungen bezüglich der Gestaltung des demografischen Wandels abzugeben?

In langjähriger Arbeit mit den GestalterInnen des demografischen Wandels, BürgermeisterInnen, Demografiebeauftragten und VertreterInnen von verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen hat die Körber-Stiftung einen reichen Erfahrungsschatz an Ideen, nationaler wie internationaler guter Praxis und Handlungsempfehlungen zur Gestaltung der alternden Gesellschaft sammeln können.

Demografie als Querschnittsaufgabe

Altersfreundlichkeit als Teil der Gestaltung des demografischen Wandels umfasst je nach Rahmenbedingungen unterschiedliche Aspekte: vom barrierefreien Umbau der historischen Innenstadt über Web-Informationsangebote bis zu transgenerationalen Begegnungszentren. Entscheidend ist, das Thema als Querschnittsaufgabe anzuerkennen und die relevanten Akteure in der Verwaltung mit einzubeziehen. Hierfür ist die Wertschätzung der Aufgabe von großer Bedeutung. So gibt die Einführung beispielweise einer Stabsstelle auf höchster Verwaltungsebene oder von Demografiebeauftragten dem Thema Gewicht und Durchsetzungskraft.

Wichtig ist eine Analyse der demografischen und sozioökonomischen Rahmenbedingungen. Wie ist die Lage vor Ort, was passiert bereits und wo bestehen Lücken und Bedarfe? Anhand einer ehrlichen Bestandsaufnahme kann eine strategische Umsetzung erarbeitet werden. Hierfür ist es nötig, realistische Ziele zu benennen, flexible Maßnahmen zu entwickeln, die sowohl Änderungen in der Nachfrage und den Bedarfen zulassen, als auch die Möglichkeit der Mehrfachnutzung bieten. Außerdem müssen Umsetzung und Fortschritt der Maßnahmen fortlaufend kontrolliert und evaluiert werden.

Das A und O ist Partizipation – lokal und von Anfang an

Doch die besten Maßnahmen sind nutzlos, wenn sie von der Zielgruppe, den Bürgerinnen und Bürgern, nicht angenommen werden. Daher ist Einbeziehung aller relevanten Akteure auch außerhalb der Verwaltung vom ersten Moment an nötig - politische Gremien, Verbände, Vereine, Kirchen, die Privatwirtschaft. Und vor allem die Bürgerinnen und Bürger. In einem partizipativen Prozess kann so bestehendes Wissen genutzt und eine ganz neue Form von Identifikation einerseits und Zielgruppenorientierung andererseits erreicht werden. Die Kommune tritt hier als Entscheiderin in den Hintergrund und übernimmt moderierende und koordinierende Aufgaben – möglicherweise mit wissenschaftlicher Begleitung.

Auch in der Umsetzung sind alle Beteiligten auf lokaler Ebene ins Boot zu holen. Lokale Akteursbündnisse, die verschiedenste Angebote bündeln, können direkt und auf Quartiersebene ansetzen und so den Bedürfnissen in den Nachbarschaften Rechnung tragen. Alle Informationen müssen übersichtlich, aktuell und niedrigschwellig verfügbar sein. Hier geht es nicht nur um Leistungserbringung, sondern auch um die Aktivierung der Beteiligten.

Alter neu denken – (Un-)Ruhestand?

Funktionierende Nachbarschaftsnetzwerke und lokale Akteursbündnisse sorgen dafür, dass ältere Menschen nicht durch die sozialen Maschen fallen, anderseits bleiben aktive Ältere länger fit, zufrieden und damit gesund. Es bedarf also kommunaler Koordinationsstellen und Vermittlung für das Engagement Älterer. Es gilt, neue Ideen auch für diese Zielgruppe zu entwickeln. Eine aktuelle forsa-Umfrage im Auftrag der Körber-Stiftung bestätigt: Die neuen Alten sind in der Vorstellung wie sie ihre Zeit investieren wollen selbstbewusst, wirkungs- und gemeinwohlorientiert. Sie haben ein großes soziales Kapital und müssen in ihren Wünschen adressiert werden.  Ein Profit für die ganze Kommune.

Sharing is caring – die alternde Gesellschaft ist ein globaler Trend

Die alternde Gesellschaft ist nicht nur in Deutschland ein wichtiges Thema. Einige asiatische Länder, die USA und Skandinavien sind uns zum Teil bis zu 10 Jahre voraus. Der Blick über den Tellerrand lohnt: So bündelt beispielsweise die World Health Organization in ihrem Global Network of Age-friendly Cities and Communities die Erfahrungen von über 500 Städten und Gemeinden aus 37 Ländern und gibt konkrete Empfehlungen zur Implementierung und Umsetzung einer strategischen Demografiepolitik. Es gibt viele gute Ansätze, die alternde Gesellschaft lokal zu verhandeln. Und so muss der demografische Wandel nicht als Bedrohung gesehen werden, sondern als eine Chance, eine solidarische Gemeinschaft gemeinsam zu gestalten.

Der Beitrag erschien in der Oktoberausgabe der Zeitschrift »der gemeinderat – Das unabhängige Magazin für die kommunale Praxis.« Es ist eine renommierte Fachzeitschrift für Entscheidungsträger in Kommunalpolitik, Kommunalverwaltungen und kommunalen Unternehmen. Seit sechs Jahrzehnten befasst sich das unabhängige Fachmagazin mit Trends und Entwicklungen im kommunalen Sektor.
Weitere Informationen unter www.treffpunkt-kommune.de

Kontakt

Karin Haist
Leiterin bundesweite Demografie-Projekte
Stv. Leiterin im Haus im Park

Telefon +49 • 40 • 72 57 02 - 44
E-Mail haist@koerber-stiftung.de

Jonathan Petzold
Programm-Manager
Körber Demografie-Symposien
Stadtlabor demografische Zukunftschancen

Telefon +49 • 40 • 72 57 02 - 30
E-Mail petzold@koerber-stiftung.de

to top