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Körber History Forum: Historische Wurzeln aktueller Konflikte

Hochrangige Experten und Vordenker diskutierten beim ersten Körber History Forum vom 9. bis 11. September in Berlin Kernfragen heutiger Politik vor dem Hintergrund geschichtlicher Erfahrungen. Zur Eröffnung sprach der Osteuropahistoriker und Publizist Karl Schlögel.

Auf dem Körber History Forum in Berlin wurden europäische Geschichtsbilder, Erinnerungs- und Gedenkkulturen thematisiert, die im Kontext der politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts relevant sind. Als interdisziplinäres und grenzübergreifendes Diskussionsforum lieferte das neue Konferenzformat Denkanstöße für das Erkennen unterschiedlicher und kontroverser Geschichtsbilder und -interpretationen.
Der Osteuropahistoriker und Publizist Karl Schlögel stimmte die rund 200 Gäste des Forums am Eröffnungsabend mit seiner Rede zur »(Neu-)Vermessung Europas. Grenzen und Räume im Übergang« auf die Themen des kommenden Tages ein.

Am zweiten Konferenztag ging es um Nationalismus, Migration und andere große Fragen unserer Zeit

Warum wächst die Zahl derer, die 25 Jahre nach dem Fall der Sowjetunion in Europa den Nationalstaat inklusive dazugehöriger Grenzen und einer eigenen nationalen Identität gegenüber supranationalen Gemeinschaften wieder gestärkt sehen wollen? Dies diskutierten Marek A. Cichocki, Natolin European Centre Warschau, Judy Dempsey, Carnegie Endowment for International Peace, Jaroslav Hrytsak, Ukrainische Katholische Universität Lviv und Alexey I. Miller, European University, St. Petersburg.

Im kontroversen Streitgespräch darüber, welche Relevanz die (Neu-)Interpretation der Geschichte im Dialog zwischen Russland und seinen europäischen Nachbarn hat, standen sich Natalia Burlinova von der Public Initiative »Creative Diplomacy« aus Moskau und Ivan Krastev vom Centre for Liberal Strategies in Sofia gegenüber.

Was kann Europa aus seiner eigenen Vergangenheit für die Integration von Flüchtlingen heute lernen? Darüber sprachen François Gemenne, Paris School of International Affairs, Ulrich Herbert, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und Norman Naimark, Stanford University.

Inwieweit Europa mittlerweile in einem post-säkularen Zeitalter angekommen ist, thematisierten anschließend Udo Di Fabio, ehemaliger Richter am Bundesverfassungsgericht und aktuell Professor an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn, Lamya Kaddor vom Liberal-Islamischen Bund, Köln, und die israelische Historikerin und Autorin Fania Oz-Salzberger von der University of Haifa.

Der indische Autor Pankaj Mishra, Träger des Leipziger Buchpreises für die europäische Verständigung, die aus Ghana stammende Verlegerin Rebecca Nana Ayebia Clarke und Jürgen Zimmerer von der Universität Hamburg eruierten abschließend wie – jenseits der ökonomischen Auswirkungen des Kolonialismus – die angemessene juristische, historische, politische und psychologische Aufarbeitung europäischer Kolonialverbrechen heute aussehen sollte.

Der dritte Tag des Forums stand ganz im Zeichen der Geschichtsvermittlung

An vier Runden Tischen wurden im Kreis internationaler Experten innovative Praxisansätze der Geschichtsvermittlung in verschiedenen Ländern Europas thematisiert. Welche Herausforderungen gibt es? Welche Lösungsansätze haben sich bewährt? Jeder der runden Tische hatte ein eigenes Schwerpunktthema und einen Gastgeber:

Thomas Lutz, Stiftung Topographie des Terrors Berlin, leitete die Diskussion über den Umgang mit Täterperspektiven in der Auseinandersetzung mit den Gewalterfahrungen des 20. Jahrhunderts, bei Stefan Troebst, Universität Leipzig, ging es um die historische Kontextualisierung und Vermittlung aktueller europäischer Fluchtgeschichte(n), Basil Kerski, The European Solidarity Centre Danzig, diskutierte an seinem Tisch über die Rolle von Freiheits-, Widerstands- und Bürgerbewegungen in europäischen Transformationsprozessen und Thomas Krüger, Bundeszentrale für politische Bildung, hatte den Vorsitz bei der Debatte über neue Wege der Geschichtsvermittlung im digitalen Zeitalter.

»Wir wollen mit dem Körber History Forum die Zusammenhänge zwischen Geschichte und Politik aufzeigen und die internationale Verständigung über die politische Dimension von Geschichte stärken«, betont die verantwortliche Programmleiterin Gabriele Woidelko das Ziel des neu geschaffenen Forums.

Auf Einladung der Körber-Stiftung bringt das Körber History Forum ab jetzt einmal jährlich namhafte Akteure aus Politik, Wissenschaft und dem öffentlichen Leben, Intellektuelle und zentrale Multiplikatoren aus Deutschland und anderen Ländern Europas in Berlin zusammen, um grenzübergreifend und interdisziplinär die historischen Wurzeln aktueller Konflikte zu diskutieren.

Auftaktrede von Karl Schlögel: »Die Neu-Vermessung Europas« (PDF)

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