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Körber-Netzwerk Außenpolitik – Field Trip nach Korea

29. August bis 4. September 2016

Der Field Trip 2016 führte die Mitglieder des Körber-Netzwerk Außenpolitik nach Korea, besser gesagt in den südlichen Teil der Halbinsel, in die Republik Korea. Das Ziel der Reise war unter anderem, die sicherheitspolitische Lage der Region vor Ort und deren Implikationen und Relevanz für deutsche und europäische Außenpolitik besser zu erfassen.

Nach einem langen Flug stand der erste Tag des Field Trips hauptsächlich unter dem Eindruck der Teilung der koreanischen Halbinsel. Am Morgen fuhren die Teilnehmer des Field Trips in die Demilitarisierte Zone. Schon auf dem Weg dorthin wurde durch vorbereitete Panzersperren und ähnlichem immer deutlicher, dass sich das Land nicht im Frieden, sondern lediglich in einem seit 1953 anhaltenden Waffenstillstand mit Nordkorea befindet. In der Demilitarisierten Zone angekommen, erhielt die Gruppe zunächst ein Briefing zur aktuellen Bedrohungslage, auch mit Hinblick auf den neuesten Nukleartest, von einem dort stationierten US-General. Anschließend fuhren die Teilnehmer zu den Blauen Barracken, die sie unter anhaltender Beschallung nordkoreanische Loblieder auf Kim Il-sung auch betraten. Nach einigen Erläuterungen zu den in den Barracken abgehaltenen Verhandlungen und den Abläufen zur Nutzung, fuhren sie noch zu weiteren Aussichtspunkten in der Demilitarisierten Zone.

Am Nachmittag fuhr die Gruppe wieder zurück nach Seoul zu einem Termin im Verteidigungsministerium. Dort wurden einige Eindrücke aus der Demilitarisierten Zone bezüglich der ständigen Bedrohungslage Südkoreas noch einmal bekräftigt. Anschließend wurde die humanitäre Lage in Nordkorea und auch die Situation nordkoreanischer Flüchtlinge bei Terminen mit Yu Kanosue vom Büro des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte in Seoul und Park Sokeel, Direktor der NRO Liberty in North Korea, aufgenommen und weiter vertieft.

Am nächsten Tag fuhren die Teilnehmer früh morgens in den Süden Koreas zum Marinestützpunkt in Jinhae. Dort besuchten sie das U-Boot Kommando und sprachen mit verschiedenen Personen über die regionale Sicherheitslage im ostchinesischen Meer. Anschließend besuchten sie noch den wunderschön an der Felsküste gelegenen buddhistischen Haedong Yonggungsa Tempel in Busan.

Den folgenden Tag verbrachte die Gruppe komplett in Seoul. Der Tag begann mit einem Treffen mit dem Minister des Vereinigungsministeriums, Prof. Dr. Hong Yong Pyo, welcher sehr an deutschen Meinungen zur Wiedervereinigung interessiert war und auch verschiedene auf Korea anwendbare Konzepte dazu erläuterte. Anschließend besuchten die Teilnehmer das Asan Institute for Policy Studies. Dort hörten sie einen Vortrag des Präsidenten, Prof. Dr. Hahm Chaibong, der die Geschichte Koreas nicht nur erläuterte und der Gruppe begreiflich machte, warum die Situation heute so verfahren ist, sondern auch die Implikationen der Lage Koreas für die Region und die gesamte Weltwirtschaft eindrücklich darstellte. Nach dieser erleuchtenden Erfahrung fuhr die Gruppe zu einer Town Hall Diskussion mit Studierenden der Graduate School of International Studies der Yonsei Universität. Dort traten die Teilnehmer des Field Trips in einen offenen Austausch über Meinungen und Sichtweisen mit koreanischen Studierenden. Aus der großen Bandbreite der angesprochenen Themen überraschte die Mitglieder des Körber-Netzwerk Außenpolitik vor allem, dass der drohende Brexit von koreanischer Seite sehr genau und mit großer Sorge betrachtet wird. Die koreanischen Studierenden wiederum erläuterten dem Körber-Netzwerk Außenpolitik ihre Sicht auf die Debatte über eine mögliche Wiedervereinigung der Halbinsel. Daran anschließend besuchte die Gruppe als erste ausländische Delegation die neu gegründete Reconciliation and Healing Foundation, die von den Regierungen Koreas und Japans ins Leben gerufen wurde und sich mit der Problematik der koreanischen sogenannten »Trostfrauen« im zweiten Weltkrieg beschäftigt. Dieser lange Tag wurde mit einer landeskundlichen Aktivität abgeschlossen, de bei keinem Korea-Aufenthalt fehlen darf: Das gemeinsame Singen in einer der zahlreichen Norebangs (Karaokebar).

Am nächsten und letzten Tag der Reise besuchte die Gruppe den Gyeongbok Palast in Seoul, begleitet von Prof. Hans-Alexander Kneider, einem deutschen Koreanistik-Professor, der auch Bezirksbürgermeister in Seoul ist. Dieser erklärte nicht nur auf eindrückliche Weise die Geschichte des Palastes, sondern gab der Gruppe auch einen sehr guten Überblick über koreanische Kultur und Traditionen und gewährte Einblicke in das moderne Leben und die Innenpolitik des Landes. Ein Treffen mit dem deutschen Gesandten Weert Börner bildete den Abschluss der äußerst vielseitigen und informativen Tage in Korea.

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