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Meldung

»Fake News«, Migration und Rassismus aus historischer Perspektive

Unter dem Leitthema »Gespaltene Gesellschaften« diskutierten in Münster über 3.500 Historikerinnen und Historiker über Widersprüche, Polarisierungen und Brüche in Geschichte und Gegenwart. Auch das Schülerprogramm widmete sich mit Themen wie »Fake News«, Migration, Rassismus und jugendlichem Protest aktuellen Themen aus historischer Perspektive.

Etwa 1.000 Jugendliche besuchten die Veranstaltungen, die die Körber-Stiftung im Schülerprogramm des 52. Deutschen Historikertags ausrichtete. Aus Münster und dem weiteren Umland, aus dem Ruhrgebiet und Bremen kamen Schülergruppen – Geschichtsleistungskurse und ganze Klassen – nach Münster gereist, um einen Tag am europaweit größten geisteswissenschaftlichen Kongress teilzunehmen.

Der größte Hörsaal der Westfälischen Wilhelms-Universität war gut gefüllt, als der Historiker Hans-Ulrich Thamer über die historische Dimension von »Fake News« sprach. »Flugblätter aus dem Dreißigjährigen Krieg sind die Tweets von heute«, schlug Thamer den Bogen vom 17. Jahrhundert in die Gegenwart. Am Beispiel von Flugblättern, Gemälden und Fotos aus verschiedenen Epochen demonstrierte er die manipulative Kraft von Gerüchten und Falschmeldungen, von nachgestellten oder verfälschten Fotos.

Gestartet war das Schülerprogramm am Morgen mit einer interaktiv gestalteten Sektion, die der Frage »1968 – Krise oder Aufbruch zu mehr Demokratie?« nachging. In Filmausschnitten, Bildern und Gesprächen mit dem Hamburger Historiker Axel Schildt sowie mit Julia Buchholz und Patricia Wratil, zwei ehemaligen Preisträgerinnen des Geschichtswettbewerbs, griff die Sektion die jugendliche Protestbewegung der späten 1960er Jahre auf, fragte nach ihren Motiven, Zielen und Resultaten – und nach ihrer Relevanz für heute.

Weitere Vorträge beschäftigten sich damit, wie Migrationsgeschichten erforscht und vermittelt werden können, inwieweit koloniale Bilder uns bis heute begleiten und prägen und was uns historische Münzen über Herrschaft erzählen können. Zwischendurch konnten die jugendlichen Besucher einen Eindruck davon gewinnen, zu welchen historischen Themen Münsteraner Jugendliche in den vergangenen Jahrzehnten geforscht haben: Eine Ausstellung im Foyer des Hörsaalgebäudes zeigte 18 Beiträge aus verschiedenen Ausschreibungen des Geschichtswettbewerbs zu gespaltenen Gesellschaften in Münster.

Bereits seit 2010 richtet die Körber-Stiftung als Kooperationspartner des Vereins für Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD) das Schülerprogramm beim Deutschen Historikertag aus. In diesem Jahr engagierte sich insbesondere auch das Institut für Didaktik der Geschichte der Universität Münster bei der Vorbereitung und Durchführung des Programms. Der nächste Deutsche Historikertag findet 2020 in München statt. Auch dann soll es wieder ein Schülerprogramm geben.


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