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Maria Blasco – Körber-Preisträgerin 2008

Wie und warum altern wir und weshalb erkranken so viele Menschen im Alter an Krebs? Die Molekularbiologin Maria Blasco erforscht Telomere, die Endstücke von Chromosomen, sowie Telomerase, ein Telomere verlängerndes Enzym. Ihre Arbeiten versprechen langfristig die Entwicklung von Medikamenten gegen Alterssymptome und Krebs. 2008 wurde sie mit dem Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft ausgezeichnet.

Maria Blasco leitet die Forschungsgruppe für Telomere und Telomerase am spanischen Nationalen Krebsforschungszentrum (CNIO) in Madrid. Telomere schützen die Erbinformationen unserer Gene in ähnlicher Weise wie die Plastikkappen an den Enden von Schnürsenkeln. Der Schutz der Telomere hält nicht ewig vor. Nach rund 50 Zellteilungen sind sie so kurz, dass sich die Zellen nicht mehr weiter teilen können und absterben. Das ist vermutlich die wichtigste Ursache der natürlichen Alterung. Es gibt allerdings Zellen im Körper, die theoretisch »unsterblich« sind. Dazu zählen Krebszellen und so genannte Stammzellen, die nicht differenziert sind und beispielsweise Hautverletzungen reparieren helfen. Das Besondere an diesen Zellen ist ein 1984 entdecktes Enzym namens Telomerase, das verkürzten Telomeren wieder zu alter Länge verhilft. Dies ist ein zentrales Geheimnis der Unsterblichkeit von Krebszellen. An diesem Punkt setzt Mario Blasco an: Ihr Team will einen Wirkstoff entwickeln, der Telomerase in Krebszellen hemmt. Sie würden dadurch sterblich wie gewöhnliche Zellen – und nach ihrem Tod wäre der Krebs besiegt. Maria Blasco gelang es, im Mäuse-Genom das Gen für das Telomerase-Enzym aufzuspüren und so genannte Knock-out-Mäuse zu kreieren, bei denen dieses Gen gezielt außer Funktion gesetzt ist. Diese Mäuse alterten schneller und ihre Wunden heilten schlechter; sie zeigten sich aber auch deutlich weniger anfällig für Tumore. Dies stützt die These, dass Telomerase-Mangel vor Krebs schützt, aber eben auch das Leben verkürzt. In weiteren Experimenten kreierten Blasco und Kollegen transgene Mäuse, die übermäßig viel Telomerase produzieren. Diese Nager lebten länger und zeigten eine gute Wundheilung, erkrankten aber auch häufiger an Krebs. Hohe Mengen an Telomerase fördern daher nicht nur die Verlängerung der Telomere, sondern erhöhen offenbar auch die Krebsneigung – eine weitere Bestätigung von Blascos These, dass ein medikamentöser Telomerase-Hemmer gegen Krebs helfen könnte. In Zukunft will das Team eine Maus erzeugen, die lange lebt, ohne an Krebs zu erkranken – also gleichsam die Vorzüge der beiden obigen Maustypen kombiniert.

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