Bernhard Schölkopf – Körber-Preisträger 2019

Den mit einer Million Euro dotierten Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft erhielt der deutsche Physiker, Mathematiker und Informatiker Bernhard Schölkopf. Er hat mathematische Verfahren entwickelt, die maßgeblich dazu beitrugen, der Künstlichen Intelligenz (KI) zu ihren jüngsten Höhenflügen zu verhelfen. Schölkopf und sein Team erforschen Algorithmen, mit denen Computerprogramme flexibel auf Situationen reagieren können, zum Beispiel für selbstfahrende Autos. Er hat zentrale Methoden für das maschinelle Lernen etabliert, von denen Anwendungen in der Biologie, der Medizin, den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und zahlreichen anderen Feldern profitieren.

Schölkopf ist Direktor am Max-Planck-Institut für intelligente Systeme in Tübingen und Mitbegründer des dortigen »Cyber Valley«, einem Kompetenzzentrum, das Deutschland in der internationalen KI-Konkurrenz zu einer Spitzenstellung verhelfen soll.

Der Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft 2019 wurde Bernhard Schölkopf am 13. September im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses überreicht.

Die Daten sind der Treibstoff

Die von ihm entwickelten Methoden würden in der medizinischen Bildverarbeitung eingesetzt, bei der Identifizierung von Genen, in der Klimaforschung und in der Robotik. Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher zeigte sich bei der Verleihung des Körber-Preises für die Europäische Wissenschaft im Hamburger Rathaus sichtlich begeistert von dem, was die Forschung des diesjährigen Preisträgers Bernhard Schölkopf bereits möglich macht. Doch die Aussichten des sich rasant entwickelnden Wissenschaftszweigs der Künstlichen Intelligenz (KI), bei dem Schölkopf für Europa eine tragende Rolle spiele, wiesen auf viele weitere Anwendungsmöglichkeiten hin: regenerativen Strom effektiver speichern, Krankheiten durch neue Therapien heilen und unsere Städte durch intelligente Verkehrskonzepte mobiler, klimafreundlicher und lebenswerter machen.

Der aus Anlass des 60-jährigen Bestehens der Körber-Stiftung auf eine Million Euro erhöhte Körber-Preis gehöre zu den weltweit am höchsten dotierten Forschungspreisen, so Tschentscher weiter. Mit ihm würde nicht nur ein ganz besonderer wissenschaftlicher Erfolg ausgezeichnet, er diene auch als Ansporn und Ermutigung für Nachwuchswissenschaftler, exzellente und innovative Forschung zu betreiben. Dass auch Hamburg im internationalen wissenschaftlichen Ranking durchaus mithalten kann, betonte Tschentscher mit dem Hinweis auf die aktuelle Würdigung der Hamburger Universität als Exzellenzuniversität.

Im Verbund mit Big Data könne Künstliche Intelligenz heute schon vieles, betonte Lothar Dittmer, Vorstandsvorsitzender der Körber-Stiftung, in seiner Begrüßung, wies aber auch auf gleichzeitig herrschende Vorbehalte hin: »Sie schürt Hoffnungen und weckt Ängste.« Die Vorstellungen reichten von einer neuen Stufe der Evolution bis zur Machtübernahme durch intelligente Supercomputer. Doch wir hätten allen Grund, digitale Optimisten zu sein, so Dittmer weiter. »Weil wir mit den neuen Techniken mehr gewinnen als verlieren. Und weil wir zum Glück in Europa in Gesellschaften leben, in denen wir mitbestimmen können, unter welchen Bedingungen die neuen Techniken zum Einsatz kommen sollen.« Für Kurt Körber sei es mit der Verleihung des Preises immer darum gegangen, »einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen auf unserem Planeten zu leisten«. Und das sei vielleicht mit der KI tatsächlich möglich.

Doch die aktuelle KI-Debatte zeigt, dass diese Vorbehalte noch nicht vom Tisch sind. Um Vertrauen in diese neuen Techniken entstehen zu lassen, sei ein klarer gesellschaftlicher »Kompass« notwendig, betonte Dittmer. Entscheidend sei nicht die Technik an sich, sondern ihr Einsatz. Menschen durch Maschinen zu ersetzen werde abgelehnt, Pflegepersonal durch Pflegeroboter zu entlasten, um mehr menschliche Zuwendung zu ermöglichen, finde Zustimmung. Der Nutzen für die Menschen stehe eindeutig im Vordergrund. Neben einem Kompass setze der KI-Einsatz auch eine offene und transparente Gesellschaft voraus. Es sei verblüffend zu sehen, dass die Kombination aus Beidem das Vertrauen in neue Techniken enorm stärke.

Der Treibstoff für diese Künstliche Intelligenz seien doch die Daten, betonte der Journalist Ranga Yogeshwar im Gespräch mit Schölkopf und wies so auf ein zentrales Problem hin, den KI-Motor damit zu füttern. Natürlich müsse man immer zwischen Datenschutz und Allgemeinnutzen abwägen, meinte Schölkopf. Durch unsere Geschichte seien wir ohnehin stärker sensibilisiert, als andere Staaten, was die Freigiebigkeit von Daten betreffe. Aber man brauche eben sehr viele Daten, damit informationsverarbeitende Systeme Muster erkennen und letztlich lernen könnten. Bei diesem korrelativen Prozess gäbe es bislang noch genug Schwierigkeiten. So werde etwa eine Kuh, wenn sie auf einer Wiese stehe, als solche erkannt, nicht jedoch, wenn sie am Strand stehe. Der Schritt von der Korrelation zur Kausalität, der speziellen Fähigkeit menschlichen Denkens, ist mit der KI noch nicht vollzogen. Aber man erkenne bereits, wo es noch fehle, meinte Schölkopf. Dennoch plädierte er dafür, KI-Systeme, die ihren Nutzen für bestimmte Aufgaben bereits bewiesen haben - etwa beim Einsatz in der Medizin -, unterstützend einzusetzen.

Die Nutzung großer Datenmengen für wissenschaftliche Zwecke macht auch eine internationale Zusammenarbeit erforderlich. In den derzeit weltweit zu beobachtenden Abschottungstendenzen sieht Martin Stratmann, Vorsitzender des Kuratoriums des Körber-Preises, auch eine Gefahr für die wissenschaftliche Entwicklung. Wissenschaft spreche eine gemeinsame Sprache und eine Vernetzung sei für ihren Fortschritt notwendig. Hier Barrieren aufzubauen, schade letztlich der Menschheit als solcher, betonte er. Europa sei zwar ein Eldorado für freies Denken, aber auch hier sei noch eine gewisse Angst zu beobachten, Daten freizugeben. Um größeres Vertrauen zu schaffen, seien ethische Prinzipien für die KI-Nutzung unerlässlich. Dann würde es auch gelingen, Skeptiker für die Anwendung von Künstlicher Intelligenz zu überzeugen. Und für den Vorstandsvorsitzenden Lothar Dittmer steht ohnehin außer Frage: Wer die Welt besser machen will, braucht Künstliche Intelligenz und Digitalisierung.
 

Foto-Galerie

  • Die ersten Gäste erscheinen zur Preisverleihung im Hamburger Rathaus.    
  • In der ersten Reihe: Der Erste Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg Dr. Peter Tschentscher, Körber-Preisträger Prof. Dr. Bernhard Schölkopf mit Ehefrau und Dr. Lothar Dittmer, Vorsitzender des Vorstands der Körber-Stiftung.    
  • Ein Film klärt über die Forschungsarbeiten im Bereich der Künstlichen Intelligenz auf.    
  • Prof. Dr. Bernhard Schölkopf bringt dem Publikum im Gespräch mit Moderator Rangar Yogeshwar Aspekte seiner Forschungstätigkeit näher.    
  • Prof. Dr. Martin Stratmann, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft und Vorsitzender des Kuratoriums des Körber-Preises, spricht mit Rangar Yogeshwar u.a. über die Bedeutung der Wissenschaft als Sprache der internationalen Verständigung.    
  • Benedict Kloeckner spielt sein Violoncello mit besonderer Hingabe. Er ist Preisträger und Stipendiat der Deutschen Stiftung Musikleben.    
  • Gelungene Veranstaltung: Nach dem Ende der Preisverleihung posieren Sabine Bornemann-Koch und Matthias Meyer (Bereich Wissenschaft der Körber-Stiftung) und die Musiker Lilit Grigoryan und Benedict Kloeckner mit Dr. Lothar Dittmer und Rangar Yogeshwar (v.l.)    
  • Tatjana König im Gespräch mit Dr. Thomas Paulsen, Vorstand der Körber-Stiftung, Dr. Lothar Dittmer und Dr. Peter Tschentscher (v.l.). Tatjana König tritt zum 1. Januar 2020 ihr neues Amt als Vorständin der Körber-Stiftung an.    
  • Fotos: David Ausserhofer


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    Videos

    Preisverleihung am 13. September 2019 im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses

    Bernhard Schölkopf im Gespräch mit Ranga Yogeshwar

    Martin Stratmann im Gespräch mit Ranga Yogeshwar

    Filmisches Porträt

    Interview

    Fotos der Preisverleihung

    Fotos von der Verleihung des Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft 2019 an Bernhard Schölkopf im Hamburger Rathaus am 13. September 2019.

    Die Fotos können im Zusammenhang mit einer Berichterstattung über den Körber-Preis mit dem Fotocredit: Körber-Stiftung/David Ausserhofer honorarfrei veröffentlicht werden.

    Prof. Dr. Martin Stratmann, Prof. Dr. Bernhard Schölkopf, Dr. Lothar Dittmer (v.l.)
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    Prof. Dr. Bernhard Schölkopf, Ranga Yogeshwar (v.l.)
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    Preisverleihung am 13. September 2019 im Hamburger Rathaus
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    Prof. Dr. Martin Stratmann, Prof. Dr. Bernhard Schölkopf, Dr. Peter Tschentscher, Dr. Lothar Dittmer (v.l.)
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    Vita Bernhard Schölkopf

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    Pressemeldung vom 26.06.2019

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    Die folgenden Fotos können im Zusammenhang mit einer Berichterstattung über den Körber-Preis mit dem Fotocredit Körber-Stiftung/Friedrun Reinhold honorarfrei veröffentlicht werden.