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Botond Roska – Körber-Preisträger 2020

Der Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft 2020 geht an Botond Roska. Der ungarische Mediziner hat mit seiner Arbeit die Augenheilkunde revolutioniert und zählt zu den weltweit führenden Experten für die Erforschung des Sehens und der Netzhaut.

Botond Roska hat sich zum Ziel gesetzt, Erblindeten das Augenlicht zurückzugeben. Die meisten Seherkrankungen gehen auf Defekte in der Netzhaut (Retina) zurück und sind häufig erblich oder altersbedingt. Roska hat die etwa hundert unterschiedlichen Zelltypen in der Retina aufgespürt und ihr Zusammenspiel ergründet. Nun arbeitet der Wissenschaftler daran, diese grundlegenden Einsichten für Patienten zu nutzen und deren Erkrankungen zu lindern oder zu heilen. Ein Durchbruch gelang Roska, als er einen Zelltyp im Auge so umprogrammierte, dass dieser die Funktion von defekten Lichtrezeptor-Zellen übernehmen konnte. Blinde Netzhäute konnte er damit wieder lichtempfindlich machen. Die klinische Erprobung bei blinden Menschen hat bereits begonnen.

Botond Roska, 50, studierte zunächst Cello an der Musikakademie in Budapest, musste seine Musikerkarriere aber wegen einer Verletzung aufgeben und absolvierte im Anschluss ein Medizin- und Mathematikstudium. Zusammen mit Professor Hendrik Scholl wurde er im Dezember 2017 Gründungsdirektor des Instituts für Molekulare und Klinische Ophthalmologie der Universität Basel, IOB.

Der mit einer Million Euro dotierte Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft 2020 wurde Roska am 7. September im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses überreicht.

Bericht von der Preisverleihung

Für seine Forschung in der Augenheilkunde ist dem ungarischen Mediziner Botond Roska der mit einer Million Euro dotierte Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft 2020 verliehen worden. Die feierliche Preisvergabe fand am 7. September 2020 im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses statt. Roska zählt zu den weltweit führenden Experten für die Erforschung des Sehens und der Netzhaut.

Der 50-Jährige studierte Medizin und Mathematik und promovierte als Neurobiologe in Berkeley. Anschließend forschte er auf den Gebieten der Genetik und der Virologie in Harvard weiter. Seit 2017 ist er zusammen mit Prof. Dr. Henrik Scholl Gründungsdirektor des Instituts für Molekulare und Klinische Ophthalmologie in Basel.

Roskas Gentherapie weckt Hoffnung für Erblindete

»Auf der Forschung von Botond Roska liegen große Hoffnungen für Millionen Menschen, die aufgrund einer Netzhauterkrankung ihr Augenlicht verloren haben«, verkündete Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher bei der Preisverleihung im Hamburger Rathaus. »Allein in Deutschland leiden über 30.000 Menschen an einem Sehverlust, der auf eine Erkrankung der Netzhaut zurückzuführen ist. Weltweit sind es über 30 Millionen«. Roska und sein Team haben Pionierarbeit geleistet, die etwa hundert unterschiedlichen Zelltypen in der Retina aufzuspüren und ihr Zusammenspiel bei der Signalverarbeitung zu ergründen. Einen Durchbruch schaffte Roska, als er einen Zelltyp im Auge so umprogrammierte, dass dieser die Funktion von defekten Lichtrezeptor-Zellen übernehmen konnte. Blinde Netzhäute konnte er demnach wieder lichtempfindlich machen. Ein weiterer Erfolg: Roska ist es erstmals gelungen, in Petrischalen eine vollständige künstliche Netzhaut zu züchten. An diesen Mini-Netzhäuten kann nun getestet werden, ob bestimmte Gentherapien funktionieren.

Angesichts der aktuellen Corona-Pandemie zeigte die Verleihung des 36. Körber-Preises für die Europäische Wissenschaft mehr denn je, wie wichtig die Förderung von wissenschaftlicher Expertise ist. Forschung und Wissenschaft seien entscheidend, um die großen Herausforderungen der Zukunft zu meistern, betonte Tschentscher. Dass die Preisverleihung überhaupt als erste größere öffentliche Veranstaltung nach dem Lockdown im Hamburger Rathaus stattfinden konnte beschrieb Dr. Lothar Dittmer, Vorsitzender des Vorstands der Körber-Stiftung, als gesellschaftspolitisches Signal und Hinweis darauf, welchen Stellenwert Wissenschaft nicht nur in der Hansestadt hat: »Keine der zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen wird zu bewältigen sein ohne den Rückgriff auf wissenschaftliche Expertise«.

Botond Roska ist Spezialist für die bisher unheilbare Netzhauterkrankung Retinitis pigmentosa, die zur Erblindung führt. Der Wissenschaftler arbeitet daran, seine Erkenntnisse an Patientinnen und Patienten anzuwenden, um ihre Erkrankung mit modernen Gentherapien lindern oder heilen zu können. Das neue Sehen müsse dann erst im gemeinsamen Dialog erlernt werden, erklärte Roska im Gespräch mit dem Wissenschaftsjournalisten Ranga Yogeshwar. Denn nach der Therapie würden die Behandelten zunächst keine Farben sehen können – dies sei laut dem Forscher so, als schaue man alte schwarz-weiße Filme.

Die Auszeichnung mit dem Körber-Preis werde es Botond Roska und seinem Team einerseits ermöglichen, ihre Forschung voranzutreiben, um die menschliche Netzhaut besser zu verstehen und Therapien zu entwickeln. Dabei betonte Roska das große Potenzial junger ungarischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. »Andererseits trägt die Auszeichnung dazu bei, die Aufmerksamkeit auf die Blindheit zu lenken, eines der größten Probleme der Menschheit«, so Roska.

Tatjana König, Vorständin der Körber-Stiftung, unterstrich im Gespräch mit Ranga Yogeshwar ebenfalls die Relevanz der Nachwuchs-Förderung. Laut König dürfe kein Talent verloren gehen, Frauen in den Wissenschaften müssten noch stärker gefördert werden.

Martin Stratmann, Vorsitzender des Kuratoriums des Körber-Preises, plädierte dafür, dass Wissenschaft nicht predigen dürfe: »Wissenschaft muss den Dialog aufgreifen, der Fragen beantwortet«. Dafür müssten – gerade in Zeiten wie wir sie aktuell erleben – Wissenschaft und Politik Hand in Hand zusammenarbeiten.

Foto-Galerie

  • Der Erste Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, Dr. Peter Tschentscher, begrüßte die anwesenden Gäste    
  • Dr. Lothar Dittmer, Vorsitzende des Vorstands der Körber-Stiftung, mit einem eindringlichen Appel für die Wissenschaft    
  • Der traditionelle Preisträgerfilm stellt die Forschungsleistung dar    
  • Körber-Preisträger Prof. Dr. Botond Roska im Gespäch mit Ranga Yogeshwar    
  • Tatjana König, Vorständin der Körber-Stiftung, im Gespräch mit Ranga Yogeshwar    
  • Stipendiaten der Deutschen Stiftung Musikleben begleiteten die Preisverleihung künstlerisch    
  • Fotos: David Ausserhofer

    Videos

    Preisverleihung am 7. September 2020 im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses

    Botond Roska im Gespräch mit Ranga Yogeshwar

    Martin Stratmann im Gespräch mit Ranga Yogeshwar

    Filmisches Porträt

    Fotos der Preisverleihung

    Fotos von der Verleihung des Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft 2020 an Botond Roska im Hamburger Rathaus am 7. September 2020.

    Die Fotos können im Zusammenhang mit einer Berichterstattung über den Körber-Preis mit dem angegebenen Fotocredit honorarfrei veröffentlicht werden.

    Dr. Lothar Dittmer, Prof. Dr. Botond Roska, Prof. Dr. Martin Stratmann (v.l.)
    Fotocredit: Körber-Stiftung/David Ausserhofer
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    Prof. Dr. Botond Roska, Ranga Yogeshwar (v.l.)
    Fotocredit: Körber-Stiftung/David Ausserhofer
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    Preisverleihung am 7. September 2020 im Hamburger Rathaus
    Fotocredit: Körber-Stiftung/David Ausserhofer
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    Tatjana König, Prof. Dr. Botond Roska, Dr. Lothar Dittmer, Prof. Dr. Martin Stratmann, Dr. Peter Tschentscher (v.l.)
    Fotocredit: Senatskanzlei Hamburg
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    Ausführliches Dossier

    Vita Botond Roska

    Download (PDF-Datei)

    Pressemeldung vom 23.06.2020

    Download (PDF-Datei)

    Fotos zum Download

    Die folgenden Fotos können im Zusammenhang mit einer Berichterstattung über den Körber-Preis mit dem Fotocredit Körber-Stiftung/Friedrun Reinhold honorarfrei veröffentlicht werden.

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