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Meldung

Svante Pääbo erhielt den Körber-Preis 2018

Für revolutionäre Einblicke in die Ursprünge der Menschheit wurde der Begründer der Paläogenetik Svante Pääbo mit dem Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft 2018 ausgezeichnet. Martin Stratmann, Vorsitzender des Kuratoriums des Körber-Preises, und Lothar Dittmer, Vorstandsvorsitzender der Körber-Stiftung, überreichten die Urkunde.

Die Idee, anhand von Sequenzanalysen im Erbgut fossiler Gewebe die Evolutionsgeschichte nachzuvollziehen, sei wegweisend gewesen, würdigte Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher die Forschungen des Körber-Preisträgers Pääbo im voll besetzten Festsaal des Hamburger Rathauses. Und er fügte hinzu: »Mit modernen molekularen Methoden gelang es dem Team um Svante Pääbo eine erste Version des Genoms der Neandertaler aus mehr als 10.000 Jahre alten Knochen zu rekonstruieren.« Hamburg sei ein ambitionierter Wissenschaftsstandort, so Tschentscher weiter, dessen Ziel es sei, auch exzellente Forschung zu etablieren. Er unterstütze aktuell sehr die Bemühungen zur Gründung eines naturkundlichen Leibniz-Instituts. Mit Blick auf den Preisträger meinte Tschentscher: »Vielleicht, Herr Pääbo, könnten Bestandteile unserer Sammlung auch für ihre weitere wissenschaftliche Tätigkeit von Interesse sein.«
  
Der Rückblick in die Ursprünge der Menschheit stieß als Forschungsthema auf großes Interesse, sowohl bei den Gästen der Preisverleihung wie auch bei den Medien. Dennoch merkte Lothar Dittmer, Vorstandsvorsitzender der Körber-Stiftung, in seiner Rede kritisch die heutige Rolle sozialer Medien und des Internets an. Vielerorts fehle dort, was gute Wissenschaft ausmache: aufwändige Prüfungen, nachvollziehbare Verfahren sowie namentliche und persönliche Verantwortung. »Nie war es leichter als heute, wissenschaftliche Erkenntnisse zu diskreditieren.« Das gelte auch für die Evolutionstheorie, denn die Idee, der Mensch sei nicht die Krönung der Schöpfung, sondern ein Produkt natürlicher Entwicklungs- und Ausleseprozesse, sei von Anfang an eine Zumutung gewesen und sei es offensichlich geblieben. Die Türkei habe die Evolutionstheorie aus dem Biologieunterricht verbannt und selbst in vermeintlich aufgeklärten Gesellschaften wie den USA bekämen kreationistische Positionen Oberwasser. 

Für Martin Stratmann, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, ist Pääbo der ideale Preisträger, denn er habe sogar ein neues Wissenschaftsgebiet geschaffen. Doch Wissenschaftler, die sich nur an Fakten orientieren, müssten noch mehr tun, um den Wert der Wissenschaft der Bevölkerung nahe zu bringen. Denn gerade vor dem Hintergrund einer immer komplexer werdenden Welt, würden Menschen zu leicht für einfach klingende Antworten immer empfänglicher.

Weitere Informationen zum Preisträger und Fotos zum Download


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