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Die Idee

Das Ensemble Resonanz und die Körber-Stiftung entwickeln gemeinsam drei neue Konzertprojekte. Entstehen soll ein neu erarbeitetes, transkulturelles Musikrepertoire, das das Publikum einer modernen Stadtgesellschaft ansprechen und neugierig machen soll. Jedes der drei Projekte besteht aus einem abendfüllenden Konzertprogramm, in welchem sich verschiedene musikalische Stile unterschiedlicher kultureller Regionen miteinander verbinden.

»Probieren« nannte man früher die Arbeit eines Orchesters vor den Konzerten. Das Körber Resonanz Labor ermöglicht genau das: Es versteht sich als Experimentierort für neue musikalisch-künstlerische Arbeit, es bietet Weiterqualifizierung und künstlerische Horizonterweiterung für eines der führenden deutschen Musikensembles. Gleichzeitig setzt es einen neuen Impuls für Musikvermittlung in die multidiverse Bürgergesellschaft, indem es die üblichen Repertoire- und Aufführungsroutinen durch vielfältige Einflüsse und Musiktraditionen bereichert.

Die Körber-Stiftung finanziert das Körber Resonanz Labor drei Jahre lang. Es ermöglicht insbesondere Proben und Experimentier-Sessions, Kompositionsaufträge und Bearbeitungen und unterstützt durch die Übernahme von Honoraren und Reisekosten Workshops mit internationalen Künstlerinnen und Künstlern.

»Die Konzertinstitutionen der Zukunft müssen internationaler und insgesamt transkultureller denken und arbeiten, um ihre Stellung in der Gesellschaft zu halten und ein diverses Publikum zu erreichen. Das Körber Resonanz Labor ist der Versuch, neues Konzertrepertoire für die Bürgergesellschaft der Zukunft zu entwickeln.«

Kai-Michael Hartig, Leitung Bereich Kultur der Körber-Stiftung

»Die Entwicklung wirklich gemeinsamer neuer musikalischer Welten über kulturelle Grenzen hinweg erfordert mehr Zeit für Auseinandersetzung und Experimentieren, als im klassischen Regelbetrieb vorhanden ist.«

Tobias Rempe, Geschäftsführer Ensemble Resonanz

Hintergrund

Eine wesentliche Erkenntnis des internationalen Symposiums zur Musikvermittlung »The Art of Music Education« im Februar 2018 war, dass die Konzerthäuser und Orchester der Zukunft internationaler und multidiverser arbeiten müssen, um ihre Stellung in der heutigen urbanen Gesellschaft zu halten oder gar auszubauen.

Denn die bereits existierenden Zielgruppenprogramme oder kurze Festivals zu beispielsweise arabischer, türkischer oder russischer Musik vermögen bislang keinen wirklichen internationalen Austausch herzustellen, der einer multidiversen Stadtgesellschaft und somit einem Publikum mit vielfältigen kulturellen Interessen gerecht wird. Zudem lassen die Strukturen und Ressourcen des herkömmlichen Konzertbetriebs wenig Entwicklungsspielraum zu, um neues, internationales Repertoire auf höchstem künstlerischen Niveau zu entdecken und zu erproben.

Das Projekt »Körber Resonanz Labor« setzt als »Musikformat für die Bürgergesellschaft 4.0« an diesen Beobachtungen an. Die Körber-Stiftung und das Ensemble Resonanz setzen mit diesem Projekt ihre musikalische Freundschaft und Zusammenarbeit in etlichen Musikprojekten fort. Begonnen hatten die Kooperationen mit Konzerten des Ensembles im Kaispeicher A, noch vor der Grundsteinlegung der Elbphilharmonie und im Rahmen der Aktion »Kunst und Kultur in der HafenCity«.

»Derya´s Songbook als Vol. I«

»Derya´s Songbook« heißt das erste musikalische Ergebnis des Körber Resonanz Labors. Im Mittelpunkt: Die Sängerin und Baglama-Virtuosin Derya Yıldırım. Sie und das Ensemble Resonanz hatten sich bereits im Rahmen des Projekts »New Hamburg« auf der Veddel im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg. kennengelernt. »Derya´s Songbook« umfasste sieben Uraufführungen von sechs Komponistinnen und Komponisten: Ketan Bhatti, Taner Akyol, Andi Otto, Brigitta Muntendorf, Sven-Ingo Koch und Antonis Anissegos. Darunter sind Bearbeitungen und neue Werke, inspiriert von anatolischen, kurdischen und griechischen Liedern. Es spielten Derya Yıldırım, das Taner Akyol Trio, Deniz Mahir Katal, Sebastian Flaig, Christian Marien und das Ensemble Resonanz. Die Premiere fand im Rahmen des vierten internationalen Musikfestes Hamburg 2019 im Kleinen Saal der Elbphilharmonie statt.

Programmheft (PDF)

Nach der Premiere ist das Projekt »Derya´s Songbook« weitergewachsen und geht in diesem Jahr auf Reisen, unter anderem nach Glasgow und Brüssel.

Trailer zum Konzert

Videos zu »Derya’s Songbook«

Ein wichtiger Bestandteil des Körber Resonanz Labors ist der eigens für das Projekt entwickelte, innovative Vermittlungsansatz: Jedes Lied von »Derya’s Songbook« erzählt eine eigene Geschichte, die auf innovative Weise in Videos, Aufnahmen und begleitendem Material zu den Liedern neu aufgegriffen wird. Zusammen mit diversen Interviews mit den Beteiligten, aber auch mit Hörerinnen und Hörern sowie Recherchen und Material aus dem Entwicklungsprozess wird das Begleitmaterial im Anschluss an das Konzert auf dieser Seite und auf der Seite »Derya´s Songbook« veröffentlicht.

Konzipiert wurde das Vermittlungsprogramm von Elisa Erkelenz in Zusammenarbeit mit dem Videokünstler Florian Schmuck.

Kurzdokumentation zum Projekt

Der Hamburger Filmer Florian Schmuck hat die Entstehung von »Deryas Songbook« über Wochen verfolgt und Eindrücke und Kommentare der Akteurinnen und Akteure eingefangen und zu einem kurzen Projektporträt zusammengefasst.


»Giderim Yarin Bahçesine«

Volkslied aus Aserbaidschan, Bearbeitung: Ketan Bhatti (2019)

Mit »Giderim Yarin Bahçesine« hat sich der Komponist Ketan Bhatti ein Liebeslied aus Aserbaidschan ausgesucht. »Ich bin in den Garten meiner Geliebten eingetreten, die Blumen blühen«, heißt es im erotisch anmutenden Text. Klanglich hat sich Bhatti von den zeitgenössischen Spieltechniken der Bağlama inspirieren lassen.


»Deniz Dalgasız Olmaz«

Traditionelles Lied aus Kırşehir, Bearbeitung: Andi Otto (2019)

Dieses Volkslied stammt aus dem zentralanatolischen Kırşehir. »Der Text handelt vom Meer, das so stürmisch ist wie die Liebe«, erklärt der Elektronik-Künstler Andi Otto. Seine Herangehensweise ist ganz und gar die eines DJs: Aus einer historischen Aufnahme erstellt er einen Remix, den er erst im zweiten Schritt für das Ensemble transkribiert.


»Bebek«

Volkslied aus Dersim, Bearbeitung: Taner Akyol (2015/2019)

Sebastian Reier aka DJ Booty Carrell zeigt, wie in der türkischen Musikkultur immer wieder alte Stücke auf vielfältige Weise neu verwendet und neu interpretiert werden. Für »Derya´s Songbook« wird das Stück »Bebek«, welches in den 80er Jahren von der Band »Sevil & Ayla« als Single erschien, nun von Taner Akyol neu bearbeitet und komponiert.

Auf die Bühne gebracht: Der Konzertmitschnitt

Konzertmitschnitt: Premiere in der Elbphilharmonie

Im Rahmen des Hamburger Musikfestes 2019 unter dem Motto »Identität« feierte am 29. und 30. April 2019 das Körber Resonanz Labor mit »Deryas Songbook« im Kleinen Saal der Elbphilharmonie Premiere vor ausverkauftem Haus.

Kontakt

Kai-Michael Hartig
Leitung Bereich Kultur

Telefon +49 • 40 • 80 81 92 - 182
E-Mail hartig@koerber-stiftung.de

Bahar Roshanai
Programm-Managerin
Musikprojekte
Körber Resonanz Labor; The Art of Music Education

Telefon +49 • 40 • 80 81 92 - 182
E-Mail roshanai@koerber-stiftung.de

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