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Körber Studio Junge Regie 2009

Spannungsreiche Vielfalt

Bilderreich startete das diesjährige Festival mit der »Lantana«-Collage Wiener Max-Reinhardt-Seminars und der an Ovids Matamorphosen angelehnten Bewegungsstudie »Unvollkommen« der Züricher Hochschule, die ganz auf Sprache verzichtete. Schon der erste Abend lotete die Spannweite moderner Regieansätze aus. Für Daniel Pfluger, Regiestudent aus Zürich sind die zeitlosen Themen, etwa Zwischenmenschliches am interessantesten: »Meine Arbeiten sind nicht wahnsinnig politisch oder intellektuell. Im Mittelpunkt steht der Mensch, sein Verhalten und seine zwischenmenschlichen Beziehungen.«

Um die ging es auch in Achim Wolfgang Lenz´ Inszenierung von Euripides´ Alkestis. Lenz, der als Student der Folkwang-Hochschule Essen bereits durch sein Erststudium intensive Erfahrung mit antiken Texten vorweisen kann, verlegte die Handlung in eine Als-ob-Büro-Atmosphäre und lotete damit die Fallhöhen des Stückes zur heutigen Sachlichkeit offen.

Mit Spannung wird jedes Jahr auch der Beitrag der Hildesheimer Hochschule erwartet. Im Studiengang Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis / Szenische Künste sind die Studierenden alles in einer Person. Literat, Dramaturg, Regisseur, Schauspieler. Und so war der Untertitel von »Pornstorm« bereits Programm, versprach er doch eine »Lecture-Performance zu Shakespeares Der Sturm im Zeitalter postkolonialer Triebkultur«.

Die Hildesheimer Inszenierung war eine Steilvorlage für das diesjährige Symposium: Bernd Stegemann, ab Sommer Chefdramaturg der Berliner Schaubühne, und Thomas Ostermeier, deren Künstlerischer Leiter, vertraten gleichzeitig die Berliner Ernst-Busch-Schule und ihren Arbeitsansatz. Ihre Thesen zum psychologischen, realistischen bzw. naturalistischen Theater bildeten einen Kontrapunkt zum letztjährigen Symposium über die Ästhetik des postdramatischen Theaters. Barbara Burckhardt, Redakteurin von theater heute moderierte eine sehr lebhafte Diskussion mit dem Publikum.

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