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Körber Studio Junge Regie 2017

Vom 14. – 18. Juni 2017 wurde das Thalia in der Gaußstraße zum vierzehnten Mal zur Plattform für junge Regietalente. Das Körber Studio Junge Regie ist im deutschsprachigen Raum »DAS Schaufenster für Trends und Visionen« (NDR) und zeigt künstlerische Herangehensweisen der zukünftigen Theatergeneration an aktuelle gesellschaftliche Fragestellungen. Viele erfolgreiche Regisseurinnen und Regisseure haben hier ihre ersten Arbeiten gezeigt. Das Festival Körber Studio Junge Regie lädt Studierende und Lehrende der deutschsprachigen Hochschulen, an denen die Theorie und Praxis des Regieführens unterrichtet wird, nach Hamburg ein. In fünf Tagen waren insgesamt elf Arbeiten zu sehen, die von den Instituten als herausragende Inszenierungen fürs Festival nominiert worden waren. Die Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch«, Berlin und das Max Reinhardt Seminar, Wien, nahmen 2017 mit ihren Studierenden als Beobachter am Festival teil. Ziel des Treffens ist es, die Vielfalt von Begabungen und Visionen öffentlich zu präsentieren und den Studierenden die Möglichkeit zu geben, ihre Inszenierungen, Arbeitsweisen und Ideen mit dem Publikum und untereinander zu diskutieren. Neben den Hochschulen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigte in diesem Jahr auch die Theaterakademie der Uniarts Helsinki (TeaK), Finnland, eine Produktion außer Konkurrenz. Als Extra außerhalb des Wettbewerbs gab es außerdem die 16-minütige Hörspielcollage Sing doch mal! von Simon Dworaczek, Max Reinhardt Seminar, Wien.

Das Körber Studio Junge Regie ist ein Festival des Thalia Theaters, der Körber-Stiftung und der Theaterakademie Hamburg unter der Schirmherrschaft des Deutschen Bühnenvereins.

Programm

Festivalprogramm zum Download (PDF)

Festivalblog: www.thaliatheaterblog.wordpress.com

Auf dem Premieren- & Festival-Blog des Theater Theaters veröffentlichten die Thalia Premierenblogger ihre Blogs über die Festivalbeiträge am Tag nach der jeweiligen Aufführung.

Trailer

Interviews mit Regisseuren

Fotogalerie 2017

Fotos: Körber-Stiftung/Krafft Angerer

Der Preis 2017

Eine fünfköpfige Jury von Theaterfachleuten diskutierte die Arbeiten zum Abschluss des Festivals öffentlich. Als Preisträgerin des 14. Körber Studio Junge Regie 2017 ist Caroline Creutzburg für ihre Inszenierung »Nerve Collection« mit Texten und in der Regie von Caroline Creutzburg (Institut für Angewandte Theaterwissenschaft Gießen) ausgezeichnet worden. Die Körber-Stiftung unterstützt die Gewinnerin bei ihrer neuen Regiearbeit an einem Stadt- oder Staatstheater, alternativ in der Freien Szene, durch einen Produktionskostenzuschuss in Höhe von 10.000 Euro.

Videointerview mit Caroline Creutzburg
Pressemeldung
Öffentliche Jurysitzung am 18.06.2017 (Video)

Informationen zum Stück

Nerve Collection
Text und Regie Caroline Creutzburg
Institut für Angewandte Theaterwissenschaft
Gießen

Nerve Collection ist ein nachdenklich-pamphletisches Solo; eine Wanderung im Ist-Zustand. Caroline Creutzburg legt sich einen sensorischen Stachel zu, der ihre Empathien und ihre Intoleranzen dokumentiert. Dabei verhält sie sich wie eine Spionin im eigenen Nervensystem. Sie stößt auf skurrile Landschaften, das immer gleiche Pumpen der Aggressionsadern, längst überholte Moralprinzipien und uralte, heilige Auto-Bio-Materie. Begleitet von Songs und Kostümen werden die Funde wie in einem spoken word-Album zu einem Text angeordnet.

Caroline Creutzburg *1985 in Berlin, studiert Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen, arbeitet als Initiatorin, Autorin und Performerin in verschiedenen Konstellationen an den Fragen des vermeintlich Banalen, den impliziten Formen der Adressierung und den Werten der Unterhaltung. Daneben kollaboriert sie als Performerin, Kostümbildnerin und Sound- und Lichtdesignerin in den Projekten ihrer ZeitgenossInnen.

Konzept/Performance/Kostüme/Playlist: Caroline Creutzburg
Lichtdesign/technische Dramaturgie/dramaturgische Unterstützung: Rahel Kesselring
Technische Unterstützung: Hendrik Borowski
Freies Projekt 2016
Spieldauer 40 Minuten

Der undotierte Publikumspreis ging an die Inszenierung »TEOREMA« nach Motiven von Pier Paolo Pasolini in der Regie von Blanka Rádóczy von der Theaterakademie August Everding, Hochschule für Musik und Theater, München.

Videointerview mit Blanka Rádóczy

Informationen zum Stück

TEOREMA
nach Motiven von Pier Paolo Pasolini
Regie/Bühne Blanka Rádóczy
Theaterakademie August Everding, Hochschule für Musik und Theater München

Ein mysteriöser junger Fremder dringt in den Alltag einer wohlhabenden Familie ein und stiftet Verwirrung. Alle Familienmitglieder sowie das Dienstmädchen erliegen nach und nach der sinnlichen Faszination, die von dem göttlich anmutenden Gast ausgeht. Er bringt die Personen mit ihren verborgenen Sehnsüchten und Abgründen in Berührung. Nach seiner Abreise hinterlässt er seelisches Chaos und eine irritierende Leere, welche die Zurückgelassenen nicht zu kompensieren vermögen. Blanka Rádóczy untersucht anhand von Pasolinis Erzählung Teorema den Einbruch des Authentischen in eine Gesellschaft, die den Sinn dafür längst verloren hat.

Blanka Rádóczy *1985 in Pécs (Ungarn), Studium der Bühnengestaltung an der Universität für angewandte Kunst Wien. Zusammenarbeit als Bühnenbildassistentin mit Anna Viebrock sowie freischaffende Bühnenbildnerin in Basel, Wien, Heidelberg und Osnabrück. Seit 2014 Regiestudium an der Theaterakademie August Everding. Projekte u.a Krieg und Krieg von László Krasznahorkai, Phone Call to Hades (UA, Münchener Biennale 2016), Das Interview am ETA Hoffmann Theater Bamberg sowie Golem schläft (UA).

Bühne Blanka Rádóczy
Kostüm Andrea Simeon
Video Nicole Marianna Wytyczak
Dramaturgie Anna Gojer
Regieassistenz Marisa Wienert
Komposition Patrick Schäfer
Mit Marina Blanke, Anton Figl, Leon Haller, Hannes Köpke, Natalina Muggli, Maria Magdalena Rabl

Bachelorinszenierung 2016
Spieldauer 70 Minuten

Die Jury 2017

Marcus Droß (Dramaturg, Künstlerhaus Mousonturm), Anne Lenk (Regisseurin), Julia Lochte (Chefdramaturgin, Thalia Theater), ErichSidler (Intendant, Deutsches Theater Göttingen), Egbert Tholl (Kritiker, Süddeutsche Zeitung). Die Moderation der öffentlichen Jurysitzung übernimmt Barbara Burckhardt (Theater heute).

Die bisherigen Preisträger

2003 David Bösch (Zürcher HdK), 2004 Agnes Hansch (HfS »Ernst Busch« Berlin), 2005 Seraina Maria Sievi (Zürcher HdK), 2007 Julia Hölscher (Theaterakademie Hamburg), 2008 Heike M. Götze (Zürcher HdK), 2009 Daniel Pfluger (Zürcher HdK), 2010 Kristofer Gudmundsson, Gesine Hohmann und Stephan Stock (Universität Hildesheim), 2011 Gernot Grünewald (Theaterakademie Hamburg), 2012 Malte C. Lachmann (Bayerische Theaterakademie München), 2013 Arnita Jaunsubrena, Lea Schneidermann und Kim Willems (Angewandte Theaterwissenschaft Gießen), 2014 Adele Dittrich Frydetzki, Kristina Dreit, Marten Flegel und Anna Froelicher (Universität Hildesheim), 2015 Anders Firing Aardal, Matias Askvik, David Jensen, Marthe Sofie Løkeland Eide, Ylva Owren und Heiki Eero Riipinen (Norwegische Theaterakademie Fredrikstad), 2016 Anna Elisabeth Frick (ADK Baden-Württemberg, Ludwigsburg).

Fokus Ausbildung: Licht

Begegnung und Austausch stehen seit jeher im Mittelpunkt des Festivals. Als zusätzliches Angebot ermöglicht das Festival den Schauspielregie-Studierenden die Auseinandersetzung mit einer benachbarten Kunstsparte. Ziel ist es, das eigene Blickfeld zu erweitern und sich über die Spartengrenzen hinweg zu vernetzen. In Abstimmung mit den beteiligten Hochschulen steht »Licht« im Fokus des Festivals 2017. Hierzu arbeiteten Regiestudierende zum Auftakt des Festivals in einer Masterclass mit Annette ter Meulen, die als Lichtdesignerin und Leiterin der Beleuchtungsabteilung am Deutschen Schauspielhaus Hamburg u.a. mit Christoph Marthaler, Karin Beier, Karin Henkel und Herbert Fritsch zusammenarbeitet. 

Internationale Kontakte

2017 nahm die Theaterakademie der Uniarts Helsinki (TeaK), Finnland, mit dem Studiengang »Lighting Design« außer Konkurrenz am Festival teil. Die Öffnung für internationale Kontakte ist ein zentraler Bestandteil des Festivals. Die bisherigen internationalen Gäste waren 2009 und 2012 die Theaterschule Amsterdam, 2010 die Warschauer Theaterakademie Aleksander Zelwerowicz, 2011 The Danish National School of Theatre and Contemporary Dance aus Kopenhagen, 2013 die École Supérieure d’Art Dramatique aus Straßburg und 2014 die SNDO (School for New Dance Development) aus Amsterdam, 2015 die Norwegische Theaterakademie Fredrikstad und 2016 die niederländische Hochschule ArtEZ aus Arnheim.

 

Fotos: Körber-Stiftung/Krafft Angerer

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