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Mein Blick

Wünsche für ein »Museum von morgen«

»Wie wünschen Sie sich Ihr Museum von morgen?«, wurden die Besucherinnen und Besucher im KörberForum nach der Diskussionsrunde »Das Museum von morgen« gefragt und eingeladen, ihre Antworten auf Wunschzetteln festzuhalten. Christoph Martin Vogtherr, Direktor der Hamburger Kunsthalle, hat sich die Wünsche angesehen und kommentiert.

Die Wünsche, die die Besucherinnen und Besucher des KörberForums geäußert haben, sind vielfältig und teilweise auch gegensätzlich. Auf vielen Wunschzetteln fanden sich Wünsche nach »Ruhe«, »ruhiger Atmosphäre« und »Zeit zum Verweilen«. Auf anderen dagegen waren Worte formuliert wie »bunt«, »wuselig« und »auch mal laut«. Wie kann ein Museum beides leisten?

Vogtherr: Das Kunstmuseum einer Großstadt muss notwendig vielfältig sein. Als Haus müssen wir es schaffen ‚wuselige‘ und ‚ruhige‘ Zonen und Angebote anzubieten. Es geht darum, dass sich Menschen mit verschiedenen Bedürfnissen aushalten lernen – und das gilt auch für das Museum. Räumlich ist die Hamburger Kunsthalle – wie viele Kunstmuseen – groß genug, um beides zu bieten. Den Respekt innerhalb des Publikums und der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dafür müssen wir einfordern und ermutigen.

Dass das Museum von morgen mehr ist, als ein Gebäude, in dem Kunstwerke zu bestaunen sind, ist schnell klar geworden. Die Teilnehmenden äußerten den Wunsch nach »open work spaces«, »Picknickplätzen« oder einer »Agora«. Das Kunstmuseum als Ort, an dem die Kunst nicht mehr die Hauptrolle spielt?

Das Museum der Zukunft hat unterschiedliche Zonen – konzentrierte Bereiche der ruhigen Betrachtung, Orte der Auseinandersetzung, Treffpunkte und Arbeitsplätze. Im traditionellen Kunstmuseum dient das ganze Haus einer mehr oder weniger ruhigen Kunstbetrachtung. Das wird sich in Zukunft ändern. Doch die Aufgabe eines Kunstmuseums fordert, dass viele Bereiche von der Kunst aus gedacht sind.

Was ganz oben auf der Wunschliste steht, ist der freie Eintritt ins Museum. Was halten Sie davon?

Der freie Eintritt beseitigt eine zentrale Hürde für die gesellschaftliche Aufgabe des Museums. Der Eintritt in der Kunsthalle ist abschreckend teuer, wie man es durch den Erfolg von Tagen mit freiem Eintritt auch präsentiert bekommt. Wenn wir die gesamtgesellschaftliche Rolle des Museums ernstnehmen, muss früher oder später der Eintritt fallen, zumindest muss es umfassende Möglichkeiten zum freien Zugang geben.

Und was ist Ihr persönlicher Wunsch für ein »Museum von morgen«?

Ich wünsche mir das »Museum von morgen« als einen Ort des Entdeckens und als einen Ort des Lernens – von anderen heutigen Lebensweisen, aber gerade auch von anderen Epochen und Blickweisen. Die Präsentation sollte das Ausgestellte also nicht feiern, sondern zur Diskussion stellen. Das Haus muss ein Wohlfühlort für den Einzelnen wie auch für Gruppen sein. Ein lebendiges Museum wird nur als Gemeinschaftsprojekt der Verschiedenen entstehen können.

Video der Veranstaltung »Das Museum von morgen«

Kontakt

Constanze Claus
Programmleiterin
Kulturimpulse für Hamburg
Kulturvermittlung

Telefon +49 • 40 • 80 81 92 - 186
E-Mail claus@koerber-stiftung.de

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