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Rückblicke zu früheren Veranstaltungen

Auf Einladung der Körber-Stiftung und des Nationalen MINT Forums treffen sich seit 2013 alljährlich MINT-Engagierte aus ganz Deutschland, um sich mit Gleichgesinnten aus ganz Deutschland zu vernetzen, Erfahrungen auszutauschen, das eigene Wissen zu teilen und von anderen zu lernen. Wie geht gute MINT-Förderung? Wie lässt sich im Verbund mit anderen Akteuren in der Region gemeinsam mehr erreichen? Welche Netzwerkstrukturen sind hierfür erforderlich?

MINT:Barcamp 2015

Die Körber-Stiftung hat am 24. September 2015 zum dritten Mal MINT-Netzwerkerinnen und Netzwerker aus ganz Deutschland nach Hamburg eingeladen. Stärker noch als in den beiden vergangenen Jahren stand der kollegiale Erfahrungsaustausch im Mittelpunkt. Deshalb fand die Veranstaltung als Barcamp statt – ein offenes Format, das sich dafür besonders bewährt hat.

Inhaltlich drehte sich beim MINT:Barcamp alles um die Frage, wie sich das, was sich in einer MINT-Region bewährt hat, auf andere Standorte übertragen lässt. Welche Erfahrungen kann ich aus meinem Projekt weitergeben? Wie gewinne ich die richtigen Partner für ein regionales MINT-Netzwerk? Welche Organisationsstrukturen tragen zu einer effektiven Zusammenarbeit bei? Wie und wo lassen sich Mittel für einzelne Maßnahmen, aber auch für die Netzwerkkoordination beschaffen? Über welche Kanäle sind die Zielgruppen am besten zu erreichen und welche MINT-Angebote kommen bei ihnen besonders gut an? Neben Best-Practice-Beispielen und der Weitergabe von Tools und Tipps wurden auch ungelöste Herausforderungen und politische Rahmenbedingungen debattiert.

Text-Dokumentation der Sessions (PDF)

Video

Fachtagung 2014

Wie gelingt es, in MINT-Regionen die relevanten Akteure und Institutionen in die Netzwerkarbeit einzubinden? Wie lassen sich deren unterschiedliche Herangehensweisen und Interessen unter einen Hut bringen? Wie können die bestehenden Angebote bekannt gemacht und sinnvoll weiterentwickelt werden? Wie gelingt die Verzahnung schulischer und außerschulischer MINTBildung? Wie lassen sich die Übergänge entlang der Bildungskette besser gestalten? Und natürlich die Gretchenfrage: Wie lässt sich das alles – die einzelnen Angebote und die Netzwerkarbeit – finanzieren?

Die Fachtagung »MINT-Bildung in Deutschland – regional. vernetzt. erfolgreich« am 24. September 2014 lud Netzwerkmacher aus ganz Deutschland zum zweiten Mal nach Hamburg ein, um gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Mit der Expertise erfahrener Praktiker und Workshops zu konkreten inhaltlichen Fragestellungen bot sie ein Forum für den kollegialen Austausch und die systematische Weitergabe von guter Praxis aus den Regionen.

Programmübersicht (PDF)
Tagungsbericht
Podiumsdiskussion: Regionale MINT-Netzwerke – ein Modell mit Perspektive? (Audiomitschnitt)
Baustein 1: Unternehmen als Partner einbinden (PDF)
Baustein 2: Fördertöpfe und -programme nutzen (PDF)
Baustein 3: Stiftungen als Förderer gewinnen (PDF)

Bericht »MINT-Bildung in Deutschland – regional.vernetzt.erfolgreich«

am 24. September 2014 im KörberForum – Kehrwieder 12

Schülerlabore, Universitäten und Unternehmensverbände – es sind eindeutig andere Akteure als beim DFB, die sich da zu einer Tagung im KörberForum zusammengefunden haben. Und doch geht es gemeinsam um den ganz großen Wurf, die Weltmeisterstrategie, die sich thematisch durch die Tagung zieht: »Das Thema der Förderketten halten wir für unbedingt kopierwürdig«, erklärt Lothar Dittmer, Vorstandsmitglied der Körber-Stiftung in seiner Begrüßung. Matthias Mayer, Bereichsleiter Wissenschaft, greift den Ball auf: »Wenn man weltweit in der oberen Liga mitspielen will, kriegt man das nicht mit drei Leuchtturmprojekten hin, sondern muss das wirklich in die Fläche ausrollen.«

Genau dafür stehen die 80 Teilnehmer, die aus ganz Deutschland für diese Tagung nach Hamburg gereist sind: Die strukturschwache Region ist ebenso vertreten, wie die Metropolregion mit einem unübersichtlichen Feld an Initiativen, die alle das Thema MINT voranbringen wollen. Wann wird aus diesem diffusen Angebot eine MINT-Region? Wenn sich die Akteure gezielt zusammenschließen und vernetzen, um gemeinsam die MINT-Bildung in ihrem Einzugsgebiet voranzubringen. »Dieses Thema wird man nicht zentral top down lösen können«, so Matthias Mayer, »weil man die regionale Kenntnis und den Sachverstand vor Ort braucht.«

Aus dieser Überzeugung heraus leitet die Körber-Stiftung die Arbeitsgruppe »MINT-Regionen«, eine von acht Arbeitsgruppen im Nationalen MINT Forum, zu dem sich mittlerweile 27 überregional tätige Organisationen zusammengeschlossen haben. Einige von ihnen, die Joachim-Herz Stiftung, die Bundesinitiative »MINT Zukunft schaffen«, der Stifterverband und die Telekom-Stiftung sind auch auf der Fachtagung vertreten, welche die Körber-Stiftung im Rahmen ihrer Arbeitsgruppe bereits zum zweiten Mal organisiert. Seitdem sind nicht nur 17 neue Regionen hinzugekommen, sondern gibt es auch ein zunehmendes Interesse von außen, wie etwa die Zahl der Anfragen in der Körber-Stiftung deutlich macht.

»Regionale Steuerungsinstrumente etablieren sich im öffentlichen Bewusstsein als Hebel«, resümiert Mayer und fügt als prägnantes Beispiel den Innovationsdialog der Bundeskanzlerin an, der sich im November ebenfalls dem Thema MINT-Regionen widmen will. »Wenn man oben Innovation herausbekommen will, muss man von unten für Nachschub sorgen.« Diese Überzeugung eint die Tagungsteilnehmer bereits. Während sie sich aber vor einem Jahr in erster Linie kennenlernten und austauschten, geht es nun verstärkt um die Zukunftssicherung: Wie finanziere ich eine MINT-Region nachhaltig, lautet die Fragestellung im Plenum am Vormittag. Nach der Arbeit in Workshops zu unterschiedlichen Praxisthemen, steht schließlich am Nachmittag eine Podiumsdebatte zum Blick von außen auf der Agenda.

»Wie verhalten sich MINT-Regionen zu anderen Netzwerken mit möglicherweise ähnlichen Zielsetzungen«, will Tagungsleiterin Julia André wissen. Jan Kuper, Projektleiter des Innovationsbüros Fachkräfte für die Region, spricht von einem Trend zur Konzentration, auch wenn MINT- und Fachkräftenetzwerke nicht deckungsgleich seien. Das Innovationsbüro unterhält eine große Datenbank mit an die 600 Datensätzen, wovon sich allerdings nur ein kleiner Teil mit der MINT-Problematik beschäftigt. »Reine MINT-Netzwerke haben wir nur vier«, gesteht Kuper.

Ein Beispiel für eine übergreifende regionale Zusammenarbeit ist der Kreis Lippe in Nordrhein-Westfalen. »Wir haben die Bildung zum strategischen Leitziel gemacht«, sagt Markus Rempe, Fachgebietsleiter Bildung im Kreis. Die Herausforderungen für Lippe sind vor allem demografischer Art: »Es gibt Rückgänge der 10- bis 18-Jährigen von 46 Prozent in den nächsten zwölf Jahren.« Vor diesem Hintergrund hat sich der Kreis der Initiativen und Netzwerke angenommen, die bereits existieren und diese weiter gefördert. »Kein größeres MINT-Projekt sollte jetzt mehr an uns vorbeigehen«, betont Rempe und verweist auf eine zentrale Anlaufstelle in der Geschäftsstelle, die sogar bundesweit funktioniere. »Wenn man nicht weiter weiß, wählt man die 115.«

Das bundesweite Nottelefon für Bildungsfragen ist eine schöne Idee, finden Zuhörer wie Gesprächspartner auf dem Podium und nennen die Zusammenarbeit der Akteure vor Ort vorbildlich. »Es kann nämlich durchaus sein, dass eine starke Persönlichkeit oder ein Unternehmen in der Region ein Netzwerk unmöglich macht«, weiß Jan Kuper aus Erfahrung. »Der Personen- und Organisationsaspekt ist extrem wichtig.« Aber auch die gemeinsame Analyse der Potenziale und Bedarfe habe zumindest bei den Fachkräftenetzwerken Gewicht sowie die Rolle des Koordinators. »Die interne Kommunikation wird häufig unterschätzt, der Koordinator muss die Leute zusammenbringen und die Arbeitsgruppen anhalten, ihre Ergebnisse zu kommunizieren«, so der Projektleiter.

Über die Bedeutung der gemeinsamen Kommunikation nach außen wurde schon viel gesprochen auf der Tagung. Kuper unterstreicht dies mit einer Erfahrung aus Workshops im Innovationsbüro, wonach sich Eigen- und Außenwahrnehmung oft nicht deckten: »Die meisten Netzwerke meinen, sie kommunizieren gut nach außen, aber schon eine Google-Suche macht deutlich, dass dem nicht so ist.« Ähnliches gelte für Zusammenarbeit mit Schulträgern, wie Jörg Freese, Beigeordneter beim Deutscher Landkreistag, dem kommunalen Spitzenverband aller deutschen Landkreise auf Bundesebene, ergänzt: »Die Länder sind nun einmal für die Schulen verantwortlich, da müssen wir sehr gut und sehr konstruktiv zusammenarbeiten, auch wenn das nicht immer einfach ist.« In Ländern wie Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen, die sich zu einer kommunalen Mitverantwortung für Bildungsfragen bekannt haben, müsste die Bildungskette auch besser funktionieren, formuliert Freese vorsichtig.

Rempe nickt: »Die letztendliche Verantwortung, ob eine MINT-Region erfolgreich ist, liegt immer vor Ort.« Daher dürfe es nicht zu starke Vorgaben aus den Ministerien geben, sondern Handlungsfreiheit und Verlässlichkeit für die Beteiligten. »Natürlich machen Schulen viel mehr und wollen ihre eigenen Spielwiesen«, so der Vorsitzende der Lippe Bildung. »Aber das, was von uns kommt, sind größere Projekte, die dann bestimmt auch in den nächsten Jahren noch flächendeckend angeboten werden.« Vielfalt und Struktur im Gleichgewicht halten, ein klares System mit stückweise eigenständigen Subsystemen, die über klare Kommunikationsmaßnahmen und Erfahrungsaustausch zusammengehalten werden, so lautet die MINT-Weltmeisterstrategie auf dieser Tagung. Oder wie Matthias Mayer in seinem Eingangsvortrag subsumierte: »Kette, Fläche, Qualität!«.

Fachtagung 2013

Auf Einladung der Körber-Stiftung trafen sich am 15. Oktober 2013 Akteure aus rund 40 MINT-Regionen aus ganz Deutschland in Hamburg. Mit Vertretern aus Politik und Verwaltung sowie von Verbänden und Stiftungen diskutierten sie über Erfolgsfaktoren und Herausforderungen regionaler Bündnisse für die MINT-Bildung.

Neben den inhaltlichen Fragen standen beim ersten bundesweiten Treffen dieser Art vor allem die Vernetzung und der Erfahrungsaustausch der Teilnehmer untereinander im Mittelpunkt. Ein World-Café, die Präsentation von drei Praxisbeispielen sowie eine abschließende Plenumsdebatte boten dafür den Rahmen.

Tagungsprogramm (PDF)
Tagungsbericht
Präsentation MINT im Werra-Meißner-Kreis (PPTX)
Präsentation MINT-Initiativkreis Trier (PPT)
Präsentation Landesinitiative zdi – Zukunft durch Innovation Nordrhein-Westfalen (PDF)

Bericht

»Getrennt marschieren, gemeinsam verlieren« – mit einer gesunden Portion Sarkasmus brachte ein Tagungsteilnehmer eine Haltung auf den Punkt, die im Feld der MINT-Bildung nicht selten anzutreffen ist. Ein vielversprechendes Gegenmodell dazu stellen sogenannte MINT-Regionen dar, also regionale Netzwerke, die sich für die Stärkung und den Ausbau der MINT-Bildung in ihrem Einzugsgebiet einsetzen. Denn in ihnen schließen sich im Idealfall alle wichtigen Akteure – Bildungseinrichtungen von der Kita bis zur Hochschule, Unternehmen, Wirtschaftsverbände, Vereine, Stiftungen, Kommunen und Kreise – zusammen, um koordiniert und mit vereinten Kräften an diesem Ziel zu arbeiten.

Bei einer ersten bundesweiten Fachtagung trafen sich am 15. Oktober 2013 Akteure aus rund 40 MINT-Regionen aus ganz Deutschland in Hamburg. Auf Einladung der Körber-Stiftung diskutierten sie mit Vertretern aus Politik und Verwaltung sowie von Verbänden und Stiftungen über Erfolgsfaktoren und Herausforderungen regionaler Bündnisse für die MINT-Bildung.

Matthias Mayer, der in der Körber-Stiftung den Bereich Wissenschaft leitet, eröffnete die Veranstaltung mit einem nachdrücklichen Plädoyer für das Modell MINT-Region: »Regionale Netzwerke für die MINT-Bildung sind ein zentraler Baustein für die Bewältigung der MINT-Problematik.« Denn nur die Partner vor Ort kennen die spezifischen regionalen Gegebenheiten und Bedarfe und können die vorhandenen MINT-Angebote darauf abstimmen und ausbauen. Die Zusammenarbeit ist Voraussetzung für eine bessere Verzahnung von schulischer und außerschulischer MINT-Bildung; Kooperationen mit Unternehmen und Forschungseinrichtungen im Umkreis können den Unterricht anschaulicher und praxisnäher machen und zur Berufs- und Studienorientierung der Schülerinnen und Schüler beitragen. Das mache sich in doppelter Hinsicht bezahlt, so Mayer: Es fördere die allgemeine naturwissenschaftlich-technische Grundbildung und könne zudem helfen, den zunehmenden Mangel sowohl an beruflich als auch an akademisch ausgebildeten Fachkräften zu bekämpfen.

Über das außerordentliche Potenzial von MINT-Regionen waren sich die Tagungsteilnehmer weitgehend einig. Sie wussten aber auch von zahlreichen Herausforderungen und Schwierigkeiten zu berichten, mit denen sie sich im Alltag der Netzwerkarbeit konfrontiert sehen. In unterschiedlichen Formaten des Erfahrungsaustausches – vom World-Café über die Präsentation von drei Praxisbeispielen bis hin zur abschließenden Plenumsdebatte – kristallisierten sich einige Themenfelder als besonders zentral heraus: die Ansprache und Einbindung der Akteure (besonders von Schulen und Unternehmen), die strukturelle Verankerung, Verstetigung und finanzielle Förderung des Netzwerks (unabhängig von der Initiative und dem Engagement einzelner Personen), das Angebotsmarketing und die passgenaue Zielgruppenansprache, das Thema Qualitätssicherung und Evaluation sowie der Wunsch nach mehr Transparenz im Hinblick auf (überregionale) MINT-Initiativen und deren Angebote.

Die mit der Tagung initiierte Vernetzung wurde von allen Seiten als sehr sinnvoll erachtet. Die Teilnehmer signalisierten ihr Interesse und ihre Bereitschaft, den Erfahrungsaustausch und die Weitergabe von best practice fortzusetzen. Oder anders formuliert, wie auf einer der Metaplankarten zu lesen war: »Abkupfern erwünscht!«

Hintergrund der Veranstaltung ist das Engagement der Körber-Stiftung im Nationalen MINT Forum. Dieser 2012 gegründete Zusammenschluss von rund 25 überregional tätigen Organisationen – Stiftungen, Wissenschaftseinrichtungen, Fachverbände, Hochschulallianzen und andere Initiativen – hat es sich zum Ziel gesetzt, der MINT-Bildung eine nationale Stimme zu geben. Gemeinsam setzen sich die Partner für eine kontinuierliche, alle Lebensphasen übergreifende MINT-Bildung ein: als Beitrag zur Fachkräftesicherung und als Voraussetzung für zivilgesellschaftliche Teilhabe in einer von Wissenschaft und Technik geprägten Welt.

Die Körber-Stiftung, die sich unter dem Motto »Lust auf MINT« für mehr Nachwuchs in Naturwissenschaft und Technik einsetzt, ist Gründungsmitglied des Nationalen MINT Forums und leitet die Arbeitsgruppe MINT-Regionen. In dieser Funktion hatte sie im Vorfeld der Tagung damit begonnen, regionale Netzwerke für die MINT-Bildung systematisch zu erfassen. Ein Zwischenstand dieser ersten bundesweiten Bestandsaufnahme wurde im Juni 2013 veröffentlicht. Die Dokumentation »MINT-Regionen in Deutschland«, die 39 Netzwerke aus zwölf Bundesländern vorstellt, finden Sie hier.

Die Erfassung weiterer MINT-Regionen wird kontinuierlich fortgesetzt. Wenn Sie mehr über unsere Arbeit erfahren wollen, selbst ein Netzwerk betreiben oder uns auf eine noch nicht erfasste MINT-Region aufmerksam machen möchten, freuen wir uns über eine Nachricht von Ihnen.

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